Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Lokalsport
  4. „Es ist ein Auf und Ab der Gefühle“

Interview

16.11.2017

„Es ist ein Auf und Ab der Gefühle“

Zum Abschluss der Kanusaison zieht Nationalmannschaftsfahrer Alexander Grimm Bilanz und erzählt, wie er den schwierigen Spagat zwischen Beruf und Sport schafft

Die Kanusaison 2017 ist zu Ende und wie bei anderen Paddlern auch ist bei Alexander Grimm etwas Ruhe eingekehrt, bevor es im nächsten Jahr wieder heißt: „angreifen“. Marianne Stenglein sprach mit dem Olympiasieger von 2008 über seine Karriere und seine Planungen.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 haben Sie Gold im Kanuslalom gewonnen. Seitdem starten Sie aber nicht nur in dieser Disziplin, sondern auch im Boater-Cross oder bei der Adidas-Sickline-Weltmeisterschaft im Extremkajak an der legendären Wellerbrücke im Ötztal. Dort holten Sie bereits einmal Gold und in diesem Jahr Bronze. Wie bewerten Sie die Zeit seit Ihrem Olympiasieg und wie gehen Sie mit sportlichen Erfolgen, aber auch mit den nicht so guten Zeiten um?

Als Sportler durchlebt man immer ein Auf und Ab der Gefühle. Mal ist man erfolgreich und steht auf dem Podium, dann verpatzt man vielleicht schon im nächsten Wettkampf die Qualifikation oder das Semifinale und kann sich die Finals nur vom Zuschauerrand aus ansehen. In diesen Momenten überlege ich dann schon immer: Wie wäre es jetzt ohne diesen Fahrfehler gewesen? Hätte ich im Finale gegen die anderen Jungs bestehen können? Hätte ich eine Medaille geholt, wenn ich dabei gewesen wäre? Diese Gedanken tun im Grunde nichts mehr zur Sache, denn der Wettkampf ist in solchen Situationen gelaufen. Jedoch hilft vielleicht gerade diese Reflexion dabei, auch mit einem nicht so gut gelaufenen Rennen positiv abzuschließen.

Und wenn es gut läuft ...

Wenn es gut läuft, ich meine Leistung auf den Punkt abrufen kann und so eine Medaille hole, ist das ein unbeschreibliches Gefühl und eine tolle Belohnung für die vielen Trainingseinheiten und Wettkampfvorbereitungen. Als im letzten Augenblick klar war, dass ich bei der Extremkajak-WM 2017 die Bronzemedaille sicher hatte, war das ein solcher Moment und ein schöner Saisonabschluss für mich. Die Leistungsspitze ist im Slalom wie auch im Wildwasser-Extremkajak sehr hoch, und ich messe mich in jedem Wettkampf mit der Elite. Wenn ich dabei was erreichen kann, bin ich sehr stolz.

Wie viele Stunden trainieren Sie pro Tag im Kanuslalomboot?

Ich verbringe in der Regel so knapp zwei bis drei Stunden pro Tag auf dem Wasser.

Was machen Sie neben dem Spitzensport beruflich?

In den vergangenen Jahren habe ich neben dem Wettkampfsport zwei Hochschulabschlüsse absolviert. Einen Bachelorabschluss in Fahrzeug- und Energietechnik und einen Masterabschluss in Leichtbau- und Faserverbundtechnologie. Seit Frühjahr 2017 bin ich MBA-Student an der Hochschule München in der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen.

Wie bringen Sie den Leistungssport und den beruflichen Werdegang unter einen Hut?

Sport und Studium sind eine Doppelbelastung, keine Frage. Die größte Herausforderung ist, den Spagat zwischen Sport und Studium zu meistern und Prioritäten zu setzen. Im Sommer bin ich meist auf Wettkämpfen unterweg, im Winter habe ich aber deutlich höhere Trainingsumfänge. Im Sommer habe ich bisher meist viel Lernstoff verpasst, den ich im Winter über nachholen musste. Ein paar Semester habe ich dadurch länger gebraucht, als es die Regelstudienzeit vorsieht, jedoch bin ich rückblickend sehr froh, dass ich es geschafft habe.

Wie kamen Sie zum Kanusport?

Die Nähe zum Eiskanal hat mich zum Kanusport gebracht. Als gebürtiger Hochzoller bin ich im Alter von sechs Jahren zum Fußballverein FC Hochzoll geradelt. Der Eiskanal hat mich jedes Mal so fasziniert, dass ich anhielt und den Freestyle-Paddlern beim Training an der „Waschmaschine“ zugeschaut habe. Zu dieser Zeit gab es viele tolle und erfolgreiche Slalomsportler, wie beispielsweise die Olympiasieger Oliver Fix und Lisa Micheler-Jones, die mir gezeigt haben, was man in diesem Sport alles erreichen kann. Mit acht Jahren habe ich am Kuhsee dann meine erste Runden im Slalomboot gedreht. Zwei Jahre später konnte ich bereits an den ersten Schülerwettkämpfen teilnehmen.

Welche Planungen haben Sie für die nächsten Jahre im Kanusport? Sind die Olympischen Sommerspiele in Tokio ein Anreiz?

Ich lasse alles auf mich zukommen und möchte eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 nicht ausschließen, aber bis dahin ist es auch noch lange hin. Kajakfahren ist meine Leidenschaft, das ist der Grund, warum ich so lange am Ball geblieben bin. Es macht einfach Spaß. Ohne Spaß fehlt der Antrieb.

Sie bekamen durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler das Silberne Lorbeerblatt der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Es ist ein einzigartiges Gefühl, so einen hochkarätigen Preis überreicht zu bekommen. Ich empfinde das als eine tiefe Wertschätzung für mich als Sportler selbst, aber auch für die gesamte Sportart Kanuslalom. Ich war schon immer eher der bodenständige Typ, der sich für ein Leben als Leistungssportler primär aus der Freude am Kajakfahren heraus entschieden hat, und nicht, um sich über seine Titel zu profilieren.

Das Interview führte Marianne Stenglein.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren