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22.05.2014

Georg Schalk legt die Fahne aus der Hand

Der ranghöchste Augsburger Schiedsrichter muss mit 47 Jahren aufhören. Er pfiff Spiele in der 2. Liga und assistierte bei Spitzen-Referees an der Seitenlinie. Er hat in 20 Jahren viele Veränderungen mitgemacht

„Die Leistung eines Schiedsrichters ist mit irdischen Gütern nicht zu bezahlen(Der ehemalige Fifa-Referee und Schiedsrichter-Ikone Walter Eschweiler.)

Egal ob ganz oben in der Bundesliga oder ganz unten in der B-Klasse. Sie werden beschimpft, gehasst und müssen mit der Angst, Fehler zu machen, leben. Fußball-Schiedsrichter, das ist ein harter Job. Abseits oder nicht, strafbares Handspiel oder nicht, den Augen der Fernsehkameras entgeht so gut wie nichts mehr. Einer, der dies alles miterlebt hat, ist Georg Schalk, 47, in den vergangenen Jahren Augsburgs ranghöchster Regelhüter. Er leitete Spiele ganz oben, als Schiedsrichter in der zweiten Liga, als Assistent in der Bundesliga. Jetzt hängte er seine Pfeife an den Nagel. Der Deutsche Fußballbund (DFB) wollte es so. Älter als 47 Jahre dürfen die Unparteiischen im Profifußball nicht mehr sein, Schalk hat diese Grenze erreicht.

Es ist gerade mal einige Tage her, da gab Georg Schalk seinen Abschied auf der großen Fußballbühne. Er stand beim Zweitligaspiel zwischen dem VfL Bochum und dem Karlsruher SC an der Außenlinie. Eine Partie ohne besondere Brisanz, Bochum war schon gesichert, der KSC spielte im Aufstiegsrennen keine Rolle mehr. Doch Schalk und seine Kollegen gingen an diese Aufgabe trotzdem mit dem nötigen Ernst heran.

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So wie eigentlich immer, wenn Schalk mit im Spiel war. Das musste auch der Autor dieser Geschichte vor gut 30 Jahren erfahren. Jung-Schiedsrichter Schalk hielt ihm bei einem Spiel in der damaligen A-Klasse die Rote Karte unter die Nase. Vollkommen berechtigt übrigens. Schalk zählte zu den ruhigen Vertretern seiner Zunft, er war kein Selbstdarsteller, egal ob als Unparteiischer oder an der Außenlinie. Er versuchte, kritische Situationen zu entschärfen, nicht durch Gestik und Mimik zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen.

Dabei hatte Schalk durchaus Aufgaben, in denen es nicht so lief. „In Kaiserslautern ist mir mal ein Lapsus unterlaufen“, blickt er auf eine Partie auf dem Betzenberg gegen den FC St. Pauli zurück. „Dort verwies ich einen Spieler mit Gelb-Rot des Feldes, der vorher keine Gelbe Karte hatte.“ Schalk erkannte zwar, dass er da einen Bock geschossen hatte, und nahm den Platzverweis zurück, doch den Diskussionen und der Medienschelte konnte er nicht entgehen.

„Natürlich war das mein Fehler, doch ich versuche, aus solchen Situationen immer zu lernen.“ 20 Jahre stand der für den SV Ottmarshausen pfeifende Referee auf der sogenannten DFB-Liste, von 2002 bis 2011 pfiff er Spiele in der zweiten Liga, dazu agierte er als Assistent in der Bundesliga. Er war in den Gespannen beinahe aller deutschen Spitzen-Schiedsrichter, assistierte Herbert Fandel, den Münchnern Felix Brych, Peter Sippel oder Günter Perl.

Mit Fandel war er in der Ukraine. Sie sorgten dafür, dass es beim Spitzenspiel zwischen Schachtar Donezk und Dynamo Kiew, in dem es um die ukrainische Meisterschaft ging, keine Probleme gab. „Das war natürlich ein Höhepunkt meiner Laufbahn“, erzählt Schalk. Zu den herausragenden Ereignissen in seiner Karriere zählt er auch die Eröffnungsspiele der Arenen in München und Augsburg,

Georg Schalk hat den Wandel im Schiedsrichter-Wesen hautnah erlebt. Als er in die zweite Liga aufstieg, gab es noch keine Headsets oder Piepser in den Linienrichter-Fähnchen, und auch der sogenannte vierte Offizielle an der Außenlinie war noch kein Thema. Eine Position, die Schalk durchaus begrüßt und die er für wichtig hält, „nicht nur, um die Auswechslungen zu überwachen, sondern auch als Blitzableiter für tobende Trainer an der Außenlinie“.

Zudem war die Bezahlung der Regelhüter früher nicht mehr als ein besseres Trinkgeld, nun erfolgt eine angemessene Entlohnung. Denn mittlerweile ist die Schiedsrichterei in den Eliteklassen mehr als ein Hobby, „fast schon ein Fulltime-Job“, fügt Schalk an. Denn zu den Spielen kommen regelmäßige Tagungen und Lehrgänge. Für die Leitung einer Bundesligapartie gibt es knapp 4000 Euro, die Assistenten erhalten die Hälfte. „Brutto natürlich“, sagt Schalk.

Auch beruflich hat sich der Augsburger verändert. 26 Jahre arbeitete er als Redakteur bei unserer Zeitung. Anfang des Jahres wechselte er den Schreibtisch und ist bei den Bezirkskliniken Schwaben als Presse- und Öffentlichkeitsreferent tätig.

Die vergangenen 20 Jahre hatten für Schalk allerdings nicht nur Sonnenseiten. „Es gab durchaus Momente, auf die ich hätte verzichten können“, gibt er zu. Vor allen Dingen der Skandal um den früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell und seinen frühen Tod machten ihm zu schaffen. „Wir haben ihm viel zu verdanken“, gibt er unumwunden zu. Mit „wir“ meint Schalk die Kollegen, bei denen Amerell nicht nur Talent, sondern auch eine gute Einstellung erkannte. Dies traf auf Schalk zu.

Jetzt wird er seine Erfahrung und sein Wissen an die Kollegen in der Augsburger Gruppe weitergeben. Dort gehört er dem Führungsteam an.

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