Basketball

16.01.2013

Im Anflug

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Nils Ruttmann trainiert beim TVA die Männer und die Jugend.
Bild: Kolbert

Der TSV Schwaben und der TV Augsburg sind jeweils Tabellenführer. Die einen in der Bayernliga Süd, die anderen in der Bayernliga Mitte. Beide Vereine träumen von besseren Zeiten

Dass so viele Zuschauer kommen würden, hat Matthias Benning nicht erwartet. Der Basketball-Abteilungsleiter des TSV Schwaben muss noch einige Bierbänke in der Halle der Reischleschen Wirtschaftsschule aufstellen. Am Ende sind es knapp 100 Zuschauer, die das Topspiel der Bayernliga Süd zwischen dem Tabellenführer TSV Schwaben und dem Dritten TSV Neuötting sehen wollen. Eintritt zahlt hier niemand, obwohl die Schwaben eine tolle Show mit einigen spektakulären Dunkings abliefern. Mit 91:54 (43:23) fertigen die Schwaben ihre Gäste ab, festigen Platz eins.

„Die meisten Zuschauer sind Jugendspieler von uns, Mitglieder oder spenden unter dem Jahr“, sagt Ali Schmidt, einer von zwei Stellvertretern der Abteilungsleiter. Einnahmen gibt es nur aus dem Essensverkauf. Auf dem Tisch liegen Bananen, Äpfel und Wurstsemmeln, auf einer Elektroplatte köcheln in einem Topf Wienerle.

Ein paar Kilometer weiter nordwestlich ist das Ambiente noch bodenständiger. In der Bayernliga Mitte empfängt Tabellenführer TV Augsburg den TTV Neustadt an der Aisch. Die wenigen Zuschauer bringen ihre Verpflegung selbst mit, die Stühle aus dem Nebenraum der Gaststätte tragen sie nach dem Spiel brav selbst zurück. Es ist harte Basketball-Arbeit, bis der TVA den 76:63-SiegunterDach und Fach hat.

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Dass die beiden Vereine nicht in der gleichen Gruppe spielen, hat geografische Gründe. „Die Ligen werden nach den Breitengraden eingeteilt und da wir etwas südlicher liegen als der TVA, spielen wir in der Süd-Gruppe“, erklärt Schmidt.

So sieht also derzeit Spitzenbasketball in der drittgrößten Stadt Bayerns aus. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Mit der Glitzerwelt des FC Bayern, Alba Berlins oder der unglaublichen Atmosphäre in der Ulmer ratiopharm-Arena, wo Ulm seine Heimspiele austrägt, hat dies nichts zu tun.

So weit ist man auch bei der BG Leitershofen/Stadtbergen noch lange nicht. Doch hat man knapp hinter der Stadtgrenze in der vergangenen Saison schon einmal in der Liga Pro A (siehe Infokasten) Zweitligaluft geschnuppert. Zwar nur eine Saison, aber immerhin. Mithilfe des Hauptsponsors, der VR-Bank Lech-Zusam, dessen Vorstand, Georg Schneider, eng mit dem Verein verbunden ist, geht es seit einigen Jahren stetig bergauf. Mit wachsendem Erfolg etablierte sich Basketball in der Kleinstadt als sportliches Zugpferd. Es gibt einen Sponsorenpool und viele ehrenamtliche Helfer, die man braucht, um auf diesem Niveau erfolgreich zu arbeiten. Die Stadtoberen planen sogar den Bau einer neuen Halle.

All das fehlt dem TSV Schwaben derzeit. „Anschluss an Leitershofen zu halten, ist für uns kaum machbar“, sagt Schmidt. In der Großstadt gebe es kaum geeignete Sponsoren. „Da kommt Fußball, Fußball, dann Eishockey und dann vielleicht Basketball.“ Zudem müssen die verschiedenen Teams in städtischen Hallen, im ganzen Stadtgebiet verteilt, trainieren. Das kostet. „Wir zahlen alleine für die Hallen rund 12000 Euro Miete“, sagt Schmidt.

Trotzdem will man bei den Violetten den steinigen Weg nach oben alleine gehen. Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit. In den 80er Jahren und Anfang der 90er Jahre waren die Schwaben Stammgast in der Regionalliga. Der Schwaben-Nachfolger, die Profitruppe des TSV Haunstetten, veranstaltete dort Mitte der 90er Jahre um Sponsor Peter Eiba noch einmal ein Riesen-Spektakel. Allerdings nur ein kurzes. Es fehlte die Nachhaltigkeit.

Die gibt es bei den Schwaben. Auch durch die eigene Jugendarbeit. Die hat immer noch einen guten Ruf. Einer engen Zusammenarbeit mit der BG oder auch mit anderen Vereinen steht man aber skeptisch gegenüber. Zu groß ist die Angst, die eigene Identität und vor allem Spieler zu verlieren.

Derzeit profitiert man aber eher davon. Verantwortlich für den Schwaben-Höhenflug sind vor allem Felix Förster, Simon Gervé und Dominik Veney. Das Trio spielte zuletzt – bei der BG. Wobei Gervé und Veney, ein Schwaben-Eigengewächs, von den Schwaben nach Leitershofen gewechselt waren.

Beim TVA hat man eine andere Philosophie. Man lehnt sich eng an den Kooperationspartner Leitershofen an. Der TVA war auch der Basisverein für das Augsburger Nachwuchs-Team, das drei Jahre in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) spielte. Auf höchstem Niveau bildete Trainer Nils Ruttmann die Talente (unter 16 Jahren) der Schwaben, des TVA, der BG und auch des TSV Königsbrunn, die mit Doppellizenzen ausgestattet waren, aus. In dieser Saison scheiterte man an der Qualifikation für die nächste Altersstufe, der NBBL. Ruttmann, der auch Spielertrainer des Bayernliga-Teams ist, sieht nur einen Weg, um in Augsburg irgendwann Spitzenbasketball zu etablieren: „Die Vereine müssten eng zusammenarbeiten. Aber das gestaltet sich nicht so einfach.“ Sollten die Schwaben und der TVA in die 2. Regionalliga aufsteigen, würden wenigstens alle drei Vereine in der gleichen Liga spielen. Die BG Leitershofen wartet dort – wenn auch nur die Reserve.

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