TSG Augsburg

27.10.2015

Im Badminton-Fieber

Kim Mayer

Der Lechhauser Verein will die Sportart aus der Stiefmütterchen-Ecke holen. Wie das mit guter Nachwuchsarbeit und Youtube klappen soll

Kim Mayer gibt sein Bestes. Der Ersatzspieler der TSG Augsburg tigert zwischen den beiden Badminton-Feldern in der vereinseigenen Turnhalle an der Schillstraße hin und her und feuert seine Mannschafskameraden an. Er selbst hat nach einer schwierigen Schulteroperation noch Trainingsrückstand.

Das Spiel gegen den Tabellenführer der Regionalliga Süd-Ost-Süd, BC Offenburg, geht in die Entscheidung. Es ist am Sonntag kurz vor zwölf Uhr, Highnoon sozusagen. Die TSG liegt gegen den Favoriten aus Baden-Württemberg zwar mit 1:3 hinten, doch noch ist nichts verloren. Denn in den beiden Einzeln von Danai Velikov und Robin Fiedler geht es in den entscheidenden dritten Satz. „Napred“, „vorwärts“ feuert Mayer Velikov auf Bulgarisch an. Der ehemalige bulgarische Spitzenspieler lebt seit längerem in Augsburg und feiert seine Premiere im Einzel. „Gib Gas“, ruft Mayer in Richtung Fiedler. Doch es nützt alles nichts. Velikov und Fiedler verlieren trotz harter Gegenwehr ihre Partien, am Ende steht ein klares 1:7 an dem zur Ergebnistafel umfunktionierten Flip-Chart. Es ist die zweite Niederlage an diesem Heimspiel-Wochenende.

Am Samstag hatte die TSG gegen die TSG Dossenheim mit 3:5 den Kürzeren gezogen. „Offenburg war besser. Gegen Dossenheim war es ein Aufstellungsfehler von uns“, sagt Mayer. Das erste Männerdoppel, normalerweise ein Punktegarant, verlor außerplanmäßig. Die Punkte waren weg. Mit 2:8 Punkten liegt die TSG als Aufsteiger weiter im Soll, auch wenn sich dies vielleicht komisch anhören mag.

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„Unser Ziel ist einzig der Klassenerhalt“, erklärt Mayer. Und da sieht sich Mayer mit seinen Kollegen auf einem guten Weg. „Nur eine Mannschaft steigt ab, und das werden sicher nicht wir sein“, legt sich Mayer kurz vor dem Ende der Vorrunde fest. Für ihn ist der noch sieglose TSV Freystadt II Abstiegskandidat Nummer eins. Dort gewann die TSG zum Saisonauftakt mit 6:2. Dass es jetzt vier Niederlagen in Folge setzte, bremst Mayer in seinem Optimismus nicht. „In der Rückrunde haben wir fast nur Heimspiele und da sind wir immer stärker“, ist sich Mayer sicher.

Es herrscht Aufbruchstimmung bei den Lechhauser Badmintonspielern. Das sah im März 2013 ganz anders aus. Da musste die TSG nach acht Jahren in der Regionalliga in die Bayernliga absteigen. Doch der sportliche Rückschritt hat der TSG im Nachhinein gesehen gutgetan. Es wurde kräftig durchgelüftet, man vertraute wieder auf eigene Spieler und hatte damit Erfolg. Nach zwei Jahren Bayernliga gelang der erneute Aufstieg. Jetzt will sich die TSG langfristig wieder in der dritthöchsten deutschen Spielklasse etablieren.

Um den ehemaligen Zweitliga-Spieler und TSG-Eigengewächs Robin Fiedler hat man jetzt mit Daniel Knoll, Danai Velikov, Michael Pollner, Patrick Fleming, Heike Hamm und Julia Zimmermann ein Team aus eigenen Spielern zusammengestellt, das den Grundstock für den Aufschwung bilden soll. Einzig Routinier Heike Hamm hat angekündigt, nach der Saison aufhören zu wollen. „Bei unseren Frauen haben wir Aufholbedarf“, sagt Mayer.

Der Sportstudent ist nicht nur Spieler, sondern auch Trainer sowie noch Kassen- und Jugendwart. Er gehört zu den Machern und Antreibern im Hintergrund.

Und da tut sich einiges. Mit 130 Mitgliedern ist die Badminton-Abteilung die drittgrößte im Verein. Am Sonntag waren knapp 100 Zuschauer in der Halle. „So eine Stimmung hatten wir seit vier Jahren nicht mehr“, war Mayer trotz der Niederlage zufrieden.

Vier Senioren-, drei Schüler- und ein Jugendteam bilden das Fundament, auf dem Mayer und seine Kollegen die Badmintonabteilung weiterentwickeln wollen. Derzeit wird die schon anerkannt gute Nachwuchsarbeit weiter intensiviert. Die meisten aktiven Spieler arbeiten als Trainer im Jugendbereich. Auch weil der TV Augsburg in diesem Bereich der TSG gefährlich nahe gerückt ist. „Das ist schon eine Konkurrenz. Da müssen wir dagegenhalten“, sagt Mayer.

Er versucht auf allen Ebenen, die TSG voranzutreiben. Mayer hat beim Badminton-Ausrüster Oliver einen Fuß in die Sponsorentür gebracht. Oliver stellt die Spielkleidung. Trotzdem sucht Mayer weiter händeringend Geldgeber. Rund 20000 Euro beträgt der Etat der Badminton-Abteilung, allein 10 000 Euro gehen für spezielle Federbälle drauf. „Da ist der Preis zuletzt um 30 Prozent auf fast zwei Euro pro Ball gestiegen“, stöhnt Mayer.

Auch in der Öffentlichkeitsarbeit geht die TSG neue Wege. So stellt man Video-Zusammenschnitte der Spiele bei Youtube ein. Die beiden Einzel von Fiedler und Velikov könnten Quotenbringer werden. Es waren Dramen, leider ohne Happy End für die TSG.

TSG Augsburg – TSG Dossenheim 3:5 Flemming/Velikov – Feldmeyer/Zimmermann 18:21, 16:21, Hamm/Zimmermann – Arns/Kieffer 21:16, 14:21, 15:21, Pollner/Knoll – Schade/Beutel 18:21, 21:17, 21:14, Fiedler – Schade 21:16, 21:16, Zimmermann – Arns 12:21, 16:21, Velikov/Hamm – Zimmermann/Kieffer 18:21, 21:14, Knoll – Beutel 21:14, 11:21, 13:21, Pollner – Feldmeyer 12:21, 14:21.

TSG Augsburg – BC Offenburg 1:7

Fiedler/Flemming – L. Burger/J. Burger 21:19, 14:21, 17:21, Hamm/Zimmermann – Walter/Sickinger 15:21, 14:21, Knoll/Pollner – Discher/Müller 21:19, 21:19, Fiedler – L. Burger 21:23, 21:9, 19:21, Zimmermann – Wich 18:21, 10:21, Flemming/Hamm – J. Burger/Walter 15:21, 19:21, Knoll – J. Discher 17:21, 13:21, Velikov – S. Discher 20:22, 21:19, 17:21.

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