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Rad-Talent aus Stadtbergen

24.07.2019

"In Bayern gibt es momentan keinen, der ihn schlagen kann"

Nico Wollenberg aus Stadtbergen zählt im Mountainbikefahren zu den größten Talenten Deutschlands.
Bild: Johannes Graf

In Deutschland zählt Nico Wollenberg zu den besten Nachwuchs-Radfahrern. Die Liebe zum Radsport hat in der Familie des Zwölfjährigen Tradition.

Dieser Tage erklimmen die besten Radfahrer der Welt beeindruckende Bergmassive. Wer selbst leidenschaftlich Rad fährt, den sollten die Höchstleistungen eines Emanuel Buchmann faszinieren – sollte man meinen.

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Nico Wollenberg indes hält es anders. „Da finde ich Fußball interessanter“, sagt der Zwölfjährige geradeheraus. Das überrascht, schließlich zählt der drahtige Kerl aus Stadtbergen zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrern Deutschlands. Noch ist nicht abzusehen, zu welchen Leistungen Nico einmal auf einem Rad imstande sein wird. Sein Körper befindet sich im Wachstum, in der Pubertät könnte er die Lust an der Quälerei auf zwei Rädern verlieren, zudem werden Profikarrieren stets von der Gunst der Trainer und der Sponsoren beeinflusst.

Dass Nico ungeachtet dieser Faktoren Talent besitzt, das kann der Bub indes nicht verbergen. In Bayern hat er in diesem Jahr so ziemlich jeden Titel gewonnen, den es in seiner Altersklasse der Unter-13-Jährigen zu vergeben gab. Erfolgreich war Nico in den olympischen Disziplinen Mountainbike (MTB), Straßenzeitfahren und Straßenrennen sowie im Cyclocross und MTB-Eliminator – einer Disziplin, in der vier Fahrer in einem Lauf gegeneinander antreten.

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Mutter Simone Wollenberg fasst zusammen, ohne überheblich klingen zu wollen: „In Bayern gibt es momentan keinen, der ihn schlagen kann.“ Nico kam früh mit Fahrrädern in Kontakt. Dass er einer zweiradverrückten Familie entstammt, verrät allein der Gang in den Keller. In der privaten Werkstatt werden die Vehikel in Schuss gehalten. Bereits auf dem Weg zum Profi befindet sich Nicos 19-jähriger Bruder Tim. In Dachau ist er Teil der Spitzensportgruppe der bayerischen Polizei, in Rennen fährt er für das österreichische Profiteam Felbermayr Simplon Wels.

Ähnliches strebt Nico an. Eines seiner Ziele: „Besser als mein Bruder werden“, sagt er grinsend. Mit fünf Jahren bestritt Nico seine ersten Rennen. Schon damals hatte er nur ein Ziel, wie er erklärt: „Die anderen schlagen.“ Noch basieren seine Erfolge großteils auf Spaß an der Bewegung. Vater Eric Wollenberg fungiert als Mechaniker und Trainer.

Übt Nico, steht die Radbeherrschung im Vordergrund, konditionelle Arbeit läuft, wenn überhaupt, spielerisch ab. Nico beschreibt: „Vor wichtigen Rennen heißt es schon mal: Jetzt fährst du jeden Berg so schnell, wie du kannst hoch.“ Die E-Racers Augsburg mit deren umtriebigem Vorsitzenden Gerhard Ertl dienen als Heimatverein; um die Karriere von Nico voranzutreiben, hat Eric Wollenberg zusätzlich das Team KTM Youngsters gegründet.

In die Rennen seiner Altersklasse geht Nico meist als Favorit, taktisches Fahren im Windschatten ist nicht sein Ding. Stattdessen: immer Vollgas. „Es gibt keine Rennen, in denen ich mich zurückhalte“, betont der schmächtige Bub und fügt hinzu: „Ich versuche immer vorneweg zu fahren.“ Immer werde das nicht so weitergehen, meint Mama Simone. „Er wird schon noch merken, wenn die Konkurrenten am Hinterrad bleiben.“

Taktisches Fahren im Windschatten ist nicht sein Ding

Hartnäckiger Konkurrenz dürfte Nico bereits Mitte August begegnen. Wie im vergangenen Jahr hat sich der Radsportler für die Trophée de France des Jeunes Vététistes (TFJV) qualifiziert, einen prestigeträchtigen Länderwettkampf in Frankreich. Je sechs Fahrer aus Deutschland starten in den Altersklassen U13, U15 und U17. Zwei Tage haben Simone und Nico Wollenberg für ihre Anreise mit dem Wohnmobil veranschlagt, ausgetragen wird der Nachwuchswettbewerb in Ploeuc-sur-Lié, mitten in der Bretagne, rund 1100 Kilometer westlich von Augsburg.

Nico wird sich in den Mountainbikewettbewerben den Berg hinunterstürzen. Auch wenn er keine Rücksicht auf sein Material nimmt – Nico begründet schmunzelnd, er hole alles aus seinem Rad heraus –, von schlimmeren Stürzen ist der Realschüler bisher weitestgehend verschont geblieben. Ausnahme: eine Gehirnerschütterung nach einem Überschlag vor zwei Jahren.

Seinem Hang zu Geschwindigkeit hat dies keinen Abbruch getan. Im Winter fährt Nico Skirennen, als weiteres Hobby hat er jüngst das Motorradfahren im Augsburger Enduropark für sich entdeckt.

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