Americana

03.09.2019

In der Welt der Westernreiter

Copy%20of%20KER_0054_03-09-19.tif
3 Bilder
Weiß das Cutting-Pferd, welches Rind es von der Herde weghalten soll, übernimmt es die Arbeit selbstständig, der Reiter darf es dabei nicht stören.

Der Pferdesport mit Wurzeln in den USA hat seine ganz eigenen Disziplinen. Die deutsche Europameisterin Ute Holm weiß, was sich hinter den komplizierten Begriffen wie Reining, Cutting, Ranch Riding oder Trial verbirgt

Die klassischen Reitsportdisziplinen wie Spring- und Dressurreiten sind oft auch demjenigen bekannt, der sich nicht übermäßig für Pferde interessiert. Eine ganz andere, höchst spezielle Sportwelt aber eröffnet sich dem Betrachter bei den Wettbewerben im Westernreiten auf der Americana an der Augsburger Messe. Da starten die Teilnehmer im „Reining“, „Cutting“, „Ranch Riding“ oder auch „Trail“. Die Begriffe stammen aus dem Amerikanischen, da das Westernreiten seine Wurzeln in den USA hat. Die mehrfache deutsche Meisterin und Europameisterin Ute Holm ist Ausbilderin, Trainerin und Richterin im Westernreiten. Sie weiß, was hinter den komplizierten Begriffen steckt und wie viel Arbeit und Training notwendig sind, um diese Disziplinen zu perfektionieren.

(von engl. rein, der Zügel) Als Reining wird die Dressur der Westernreiter bezeichnet, die ausschließlich im Galopp geritten wird. Hier müssen wie in einer klassischen Dressuraufgabe nach vorgegebener Abfolge einzelne Lektionen gezeigt werden, etwa fliegende Galoppwechsel, schnelle Drehungen (Spins) oder spektakulären Sliding Stopps, bei denen das Pferd auf der Hinterhand rutschend über mehrere Meter hinweg bremst. „Das Reining ist eine super Grundausbildung für jede weitere Prüfung. Auch ein gutes Rinderpferd sollte all diese Manöver können. Die Schulter schnell bewegen, gut auf der Hinterhand drehen und schnell stoppen“, berichtet Ute Holm von ihren Erfahrungen. Viele Reit-Einsteiger würden mit dem Reining beginnen, da diese Form des Westernreitens in nahezu allen Westernställen angeboten wird.

Den Spieltrieb der Pferde nutzen

(von engl. cut, der Schnitt) Hier wird´s schon komplizierter. Im Cutting muss der Reiter auf seinem Pferd ein Rind aus einer Herde absondern, gewissermaßen „herausschneiden“, wogegen sich die Herdentiere wehren und schnellstmöglich zurückwollen. Ein in dieser Disziplin ausgebildetes Pferd verhindert dies, indem es dem Rind mit rasanten Bewegungen den Weg versperrt. Der Reiter bewegt sich nur ruhig im Sattel mit. „Die Prüfung ist deshalb so speziell, weil sie ohne Zügel geritten wird“, sagt Ute Holm. Erst wird das Rind von der Herde getrennt. Dann übernimmt das Pferd die Arbeit, das Rind in Schach zu halten. „Das gute Cutting-Pferd wirft all sein Herz und seine Power hinein, um die Kuh nicht vorbeizulassen. Da braucht es keine Zügel mehr, denn das Pferd ist schneller, als der Reiter nur denken kann.“ Für diese Sportart nutzen die Westernreiter den „Spieltrieb“ der Pferde, wie es Ute Holm formuliert. Es sei nur dank des natürlichen Verhaltens des Pferdes möglich. „Manchmal sieht man auf der Koppel, dass Fohlen schon so miteinander spielen. Wenn die Pferde dann ausgebildet sind, können sie eine Kuh richtig lesen, wie wir das sagen.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

(von engl. Wanderritt) In diesen Prüfungen müssen von Pferd und Reiter Geschicklichkeitsaufgaben bewältigt werden, wie Tore öffnen, über Holzbrücken laufen oder Stangen überreiten. Neu ist in diesem Jahr, dass auch Speed-Trails auf Zeit ins Programm aufgenommen wurden. „Das sehe ich mit gemischten Gefühlen“, sagt Ute Holm, „denn ich persönlich denke, dass man mit den Pferden ruhig und effizient arbeiten sollte. Mir gefällt der Ranch-Trail am besten, bei dem man auch mal durch eine Kuhherde reiten oder etwas hinter sich herziehen muss.“ Geschick, Gehorsam und viel Vertrauen zum Reiter zeichnen Pferde in diesen Prüfungen aus.

Kein "Bling Bling" im Ranch Riding

Ein neuer und immer populärer werdender Trend im Westernreitsport. In dieser Disziplin ist kein Platz für bunte Farben, Pailletten und Glitzersteinchen, hier geht es pur ums Reiten wie auf einer Ranch. Als Outfit von Pferd und Reiter ist deshalb auch „Gebrauchsmaterial“ vorgeschrieben. „Hier ist kein Silber und kein Bling Bling erwünscht“, betont Ute Holm. Sportlich würden alle Fähigkeiten abgeprüft, die ein Pferd für die Arbeit auf einer Ranch haben muss. Die Qualität der Bewegungen, Reaktionsfähigkeit, Gehorsam sowie gerittene Lektionen wie Stopps, Richtungswechsel und Drehungen. „Das ist für mich die ursprünglichste Art des Westernreitens. In diesen Prüfungen sieht man, was ein Ranch-Pferd alles können muss. Und es darf in seiner natürlichen Selbsthaltung gehen, mit wenig Zügelhilfe.“

Was Holm generell am Westernreitsport begeistert, sei die Tatsache, dass er so breit aufgestellt ist. Der Westernreitstil biete ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten von Disziplinen, ganz ruhige, ganz schnelle. Leute, die einsteigen wollen, auch in höherem Alter, könnten auf den etwas kleineren Westernpferden und den großen bequemen Sätteln ziemlich angstfrei und leger mit dem Reiten beginnen. „Das Westernpferd ist vom Gemüt her sehr ruhig. Die Ausbildung und die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wird, bietet viel Sicherheit.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren