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Fußball

30.10.2018

Kurt Haseneder ist immer noch ein alter „Clubberer“

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2 Bilder
Kurt Haseneder (rechts) hat hier das Nachsehen. Torhüter Heinrich Kwiatkowski von Borussia Dortmund ist schneller. Am Ende gewann aber der Club das Endspiel um die deutsche Meisterschaft im Jahr 1961 mit 3:0.
Bild: Witters

Der ehemalige Spieler des TSV Schwaben Augsburg und des FC Augsburg

Rückblick ins Jahr 1963. Ganz Fußball-Deutschland fieberte dem Start der Bundesliga entgegen. Von den beiden Augsburger Großvereinen BCA und TSV Schwaben konnte sich keiner für das neu geschaffene Oberhaus qualifizieren. Neben dem TSV 1860 München war der 1. FC Nürnberg der einzige Verein aus Bayern, der das Ticket für die Eliteklasse erhielt. Für den Club spielte damals auch Kurt Haseneder, ein außergewöhnliches Talent, das sich schnell mit starken Leistungen und spektakulären Toren einen Namen gemacht hatte. Doch als die Bundesliga angepfiffen wurde, war Haseneder nicht mehr beim 1. FC Nürnberg, er wechselte im Sommer 1963 zum damaligen Regionalligisten TSV 1847 Schwaben Augsburg. Ein Transfer, der damals einschlug wie eine Bombe. Am Samstag kommt es in der Arena zum Derby zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Nürnberg – der 76-jährge Haseneder wird im Stadion sein. Der ehemalige bayerische Spielleiter Armin Klughammer und der frühere Schwaben-Vertragsspieler und langjährige Sportrichter Helmut Schmid haben ihn eingeladen.

Als der FCA kürzlich seine Stars von gestern in der Partie gegen RB Leipzig zu Gast hatte, musste Haseneder passen. Aus gesundheitlichen Gründen. Denn vor einigen Jahren verletzte sich der Franke bei einer Kreuzfahrt mit seiner Lebensgefährtin Hannelore Klug sehr schwer. Auf dem Schiff brach er sich bei einem Sturz mehrfach den Oberschenkel. In Indien wurde er in Mumbai in einer Klinik erst versorgt, anschließend mit dem Flieger nach München gebracht und in der Augsburger Hessingklinik operiert. Da zudem seine künstlichen Hüften lädiert sind, ist er auf Gehhilfen angewiesen. Doch groß jammern möchte er deswegen nicht. „Radfahren geht ja immer noch“, sagt er schelmisch. Geradelt wird im Allgäu.

Radtouren nach Füssen und an den Forggensee

In Pfronten besitzen die Haseneders seit 2001 eine Wohnung und halten sich dort fast mehr auf als in Augsburg. „Ich kann nicht klagen“, erklärt er. Füssen, die Königsschlösser oder der Forggensee sind die Ziele der Radltouren. In Pfronten bekommt Haseneder auch regelmäßig Besuch aus Franken. Ehemalige Teamkollegen wie Horst Leupold und Josef „Joe“ Zenger verbringen noch ihre Ferien in den Bergen. Sehr zur Freude Haseneders, der aus dem Nürnberger Stadtteil Johannis stammt und der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. „Im Inneren bin ich immer noch ein Clubberer“, gesteht er und freut sich, dass am Valzner Weiher seit Saisonbeginn wieder die Bundesliga zu Gast ist. Doch der ehemalige Linksaußen ist auch Realist: „Der Klassenerhalt muss das Ziel für den 1. FCN sein, doch da bin ich zuversichtlich.“

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Das war zu seiner aktiven Zeit noch ganz anders. Damals zählten die Franken zur absoluten Elite in der Republik, der Club war der Rekordmeister. 1961 feierte Haseneder mit dem 1. FCN den Gewinn der deutschen Meisterschaft und steuerte im Endspiel beim 3:0-Erfolg vor über 80 000 Besuchern in Hannover über Borussia Dortmund einen Treffer bei. Ein Jahr später gab es den nächsten Erfolg im DFB-Pokal. Beim 2:1-Endspielsieg über Fortuna Düsseldorf traf Haseneder zum 1:1. 1963 wurde er mit 23 Treffern Torschützenkönig der Oberliga Süd. In Nachwuchs-Länderspielen trug er das DFB-Trikot.

In Augsburg schnell wohlgefühlt

1963 dann der für große Schlagzeilen sorgende Wechsel zum TSV Schwaben. Die „Violetten“ (Haseneder: Ein toller Verein, zu dem ich auch heute noch Kontakt habe“) wollten mit dem Torjäger in die Bundesliga, doch diese Pläne konnten nicht in die Tat umgesetzt werden. Aber dafür sorgten die Schwaben dank Haseneders Toren im DFB-Pokal für Aufsehen. Beim 7:3-Sieg gegen den FC Bayern (mit Maier, Beckenbauer und Müller) in der Saison 1964/65 traf Haseneder dreimal, in der nächsten Runde gegen Schalke 04 (Willi Schulz oder Reinhard Libuda waren dabei) gleich viermal. Trotzdem schieden die Schwaben (5:7 nach Verlängerung) aus. Nach einem kurzen Gastspiel bei Hessen Kassel (1966/67) wechselte Haseneder wieder nach Augsburg zu den Schwaben zurück. Zusammen mit etlichen Teamkollegen schloss er sich 1969 nach der Fusion dem FCA an. Dass das erste Spiel des neuen Vereins ein Pokalmatch ausgerechnet gegen den 1. FC Nürnberg war, bezeichnet Haseneder als Ironie des Schicksals. 0:0 stand es nach 90 Minuten, erst in der Verlängerung zogen die Gäste vor 13000 Zuschauern mit 3:0 in die nächste Runde ein. Haseneder: „Wer weiß, wie’s ausgegangen wäre, wenn ich mich im Zweikampf mit Ferdl Wenauer nicht verletzt hätte.“ In Augsburg fühlte er sich schnell wohl, auch beruflich baute er sich eine Existenz auf. Mit großem Interesse verfolgte der Ex-Starkicker die Entwicklung beim FCA. „Was dort geleistet wird, ist aller Ehren wert“, erklärt er und zollt besonders Manager Stefan Reuter und Trainer Manuel Baum großes Lob: „Sie haben den Verein fest im Griff“, sagt er und fügt an: „Der Stefan ist ja eigentlich auch ein Clubberer.“ Stimmt, denn Weltmeister Reuter stammt aus der Talentschmiede des FCN.

1971 beendete er seine Karriere („Ich bin zufrieden und habe die Bundesliga nie vermisst“) beim FCA und kickte noch bis 1982 beim TSV Neusäß. Kurt Haseneder freut sich auf den Samstag und das Wiedersehen mit alten Freunden.

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