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Rennsport

23.03.2017

„Lucky Luc“ fährt schneller als sein Schatten

Der neunjährige Luca Göttlicher zählt zu den größten Motorradtalenten Deutschlands. Das MCA-Mitglied fährt im PS-vernarrten Spanien um Titel und vermarktet sich im Internet

Worauf es letztlich ankommt, weiß Herwig Göttlicher. Aufs Geld. Hätte er zu wenig, müsste Sohn Luca auf sein Hobby verzichten. Der Neunjährige fährt Motorrad. Und das derart schnell, dass er nicht nur Meisterschaften und Pokale gewinnt, sondern die Aufmerksamkeit der ambitionierten spanischen Rennszene auf sich gezogen hat.

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Durchgestartet ist der Bub im vergangenen Jahr, als sich für ihn der empfängliche Markt in Südeuropa öffnete. Luca wird gesichtet, startet als einziger Deutscher in der spanischen Nachwuchsmeisterschaft – und gewinnt 2016 den Titel der Copa Catalana. „Er ist der Jüngste, der jemals eingeladen worden ist“, berichtet Papa Göttlicher stolz.

Spanien und Italien gelten als Motorradsport vernarrte Nationen, entsprechend gefördert werden dort Talente auf zwei Rädern. Nahe Valencia wird der Nachwuchs in einer Rennschule, der „Cuna de Campiones“, auf eine Profikarriere vorbereitet.

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Aufmerksam geworden sind die spanischen Scouts und Teammanager auf Luca über soziale Netzwerke. Auf Facebook vermarktet sich Luca als „Lucky Luc“, als kleiner Cowboy, der womöglich schneller fährt als sein Schatten. Für Luca sei das ein „perfektes Medium“, erklärt Göttlicher. Luca hat ein Zeichentrick-Logo, hält Sponsorenlabels und Material in die Kamera, wirbt mit seinem Namen für einschlägige Motorsport-Firmen. Außerdem präsentiert sich der Bub medial wirksam auf Messen.

Rund 40000 Euro benötigt das kleine Familienunternehmen für eine Rennsaison, rund 12000 Euro trägt Göttlicher selbst, den Rest besorgen Sponsoren. Wobei er die Hilfe nicht allein auf das Finanzielle begrenzt. „Wir haben inzwischen viele Freunde, die uns unterstützen“, betont der 52-Jährige.

Zu diesen Unterstützern zählt der MC Augsburg, dessen Mitglied Luca ist. Dem Klub gehören ebenso die Weltmeister Toni Mang und Stefan Bradl an. Sie haben erreicht, wonach Luca strebt. Auch er will einmal in der Moto-GP auf den größten Rennstrecken der Welt Runden drehen, will sich beherzt in Kurven legen, will letztlich um Weltmeistertitel fahren. Das Talent dazu bringt er mit.

Vater Herwig Göttlicher erzählt mit einem Schmunzeln, Sohn Luca konnte früher Motorrad als Rad fahren. Auf Feldwegen und Wiesen unternahm er erste Versuche mit motorisiertem Untersatz. Bereits mit vier Jahren saß er auf einer Motocross-Maschine, mit fünf Jahren fuhr er die ersten Rennen. „In Deutschland hat er alles gewonnen, was er gewinnen kann“, sagt Herwig Göttlicher und verweist auf die beeindruckende Pokalsammlung, rund 90 Trophäen umfasst diese.

Luca kann sich für jede Art Motorsport begeistern, sucht nach Herausforderungen. „Hauptsache, es ist schnell“, sagt Luca. Seine PS-Boliden beschleunigt er teils auf bis zu 140 km/h. Mit seinem schmächtigen Körper nimmt er auf speziell angepassten Motorrädern Platz, er wiegt lediglich 40 Kilogramm. Damit er mit den Füßen zum Boden reicht, sind die Maschinen tiefergelegt.

Für sein Hobby nimmt der Ganztagsschüler weite Wege und einen hohen Zeitaufwand auf sich. Luca und sein Vater wohnen in Schwifting, nahe Landsberg. Weil in Bayern große Strecken rar sind, reisen die beiden nach Tschechien, Ungarn oder Ostdeutschland. Den zehnten Geburtstag wird Luca im April bei einem Rennen im sächsischen Görlitz verbringen.

Herwig Göttlicher wehrt sich gegen den Eindruck, er würde die Karriere seines Sohns vorantreiben. Luca sei zwar schon jetzt ein kleiner Profi. Aber, betont Göttlicher: „Im Vordergrund steht der Spaß.“

Rund 23 Veranstaltungen stehen in diesem Jahr an, darunter allein sechs Rennwochenenden in Spanien. Luca bekommt im Alarxa Racing Team einen Mechaniker gestellt, Renndaten werden aufgezeichnet und ausgewertet. Professionell sind nicht nur die Strukturen, ebenso das Auftreten Lucas. Herwig Göttlicher erzählt von einer „gesunden Angst“, die die Rennen begleite. Er bekräftigt aber: „Luca ist kein Sturzpilot.“ Sein Sohn weiß, das Material steht nicht unerschöpflich zur Verfügung. „Wenn er das Motorrad kaputt macht, haben wir ein Problem“, sagt Göttlicher. Denn Ersatzteile kosten Geld. Und das ist begrenzt.

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