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Interview

08.01.2019

„Mental eine richtige Herausforderung“

Intensive Einheiten: Andreas Luthe hat auf der Torhüter-Position des FCA neue Konkurrenz bekommen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

FCA-Keeper Andreas Luthe hofft, dass er trotz der schwierigen und nervenaufreibenden Vorrunde weiterhin im Augsburger Tor stehen kann, plant aber auch Alternativen für seine Zukunft

Wie ist es um Ihr Englisch bestellt?

Ich würde sagen, recht ordentlich.

Reicht es aus, um in den USA eine Zeit lang zu leben?

(lacht) Ich glaube, es reicht aus, um überall auf der Welt, wo man Englisch spricht, sehr gut klarzukommen.

Vor wenigen Tagen ist ja das Gerücht aufgekommen, Sie hätten ein lukratives Angebot aus der amerikanischen Profiliga MLS vorliegen.

Das möchte ich nicht kommentieren. Aber ich gebe gerne zu, dass ich mir Gedanken um die Zukunft gemacht habe, nachdem die Entscheidung nach der Sommervorbereitung auf Fabian gefallen war. Und nachdem ich wieder so schnell ans Spielen kam, hat sich das Interesse an meiner Person verstärkt.

Aber der Verein hat jetzt wieder ein Zeichen für Sie und Fabian Giefer gesetzt und mit Gregor Kobel einen jungen dritten Torhüter für ein halbes Jahr ausgeliehen.

Fabian und ich haben uns in der Vorbereitung einen intensiven Zweikampf geliefert. Wir waren in der gesamten Vorbereitung und in den Spielen auf Top-Niveau, weil wir uns gegenseitig angestachelt haben. Nachdem dann Fabian gespielt hat, bin ich in ein Loch gefallen. Das war sehr, sehr schwer für mich.

Wie machte sich das bemerkbar?

Du arbeitest zweieinhalb Jahre darauf hin, dass du möglicherweise zum Spielen kommst. Dann hast du sieben Wochen Vorbereitung, in der dir auch der Konkurrent sportlich nichts schenkt. Du bist 24 Stunden, sieben Tage die Woche, damit beschäftigt, dir Gedanken darüber zu machen, wie du das irgendwie schaffst. Und du weißt, du hast alles getan, es aber trotzdem nicht geschafft. Das war mental die bisher größte Prüfung in meiner Karriere überhaupt.

Aber Sie hatten nicht lange Zeit, darüber nachzudenken...

Nachdem Fabian bei seinen Spielen ein bisschen Pech hatte, musste ich auf einmal wieder spielen, stand plötzlich voll in der Verantwortung. Da den Schalter umzulegen, war Wahnsinn.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Das Bayern-Spiel hat mir sehr geholfen. Es war der richtige Tag und wir hatten das nötige Spielglück. Es hätte auch anders ausgehen können. Wir hätten auch mit einem 0:4 aus München zurückfahren können, und der FCA hätte mit mir einen Torhüter gehabt, der gleich einen auf den Deckel bekommen hätte. Das Spiel hat mir geholfen, aber es war unbestritten sehr, sehr schwer. Aufgrund dieser Konstellation hat es mich nicht überrascht, dass wir im Winter noch jemand dazubekommen.

Warum?

Ich kenne das Geschäft, mich überrascht nicht mehr viel. Ich habe vieles gesehen, ich bin auch relativ gut vernetzt. Ich glaube, dass Gregor den Konkurrenzkampf wieder anheizt. Denn sowohl Fabian als auch ich hatten ein halbes Jahr, das nicht leicht war. Jetzt frisches Blut dazuzubekommen, finde ich überhaupt nicht verwerflich.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz der Vorrunde aus?

Durchwachsen. Da es mental eine richtige Herausforderung war, waren meine Leistungen eher schwankend. Mit ein bisschen mehr Zeit und Ruhe bekomme ich sicher noch mehr Konstanz rein.

Wie gehen Sie mit Gegentoren um, die vermeintlich haltbar waren?

Im Spiel ist es mir völlig gleich, ob jemand sagt, dass ich in einzelnen Situationen nicht gut ausschaue. Letztendlich kann mir in der ersten Minute ein schwerer Fehler passieren, aber deine Jungs müssen sich darauf verlassen, dass du dann noch weitere 89 Minuten Bundesliga-Fußball spielst. Nach dem Spiel setze ich mich aber konsequent mit allem auseinander, schaue mir Videos 50 Mal an und versuche, da etwas rauszuziehen.

Waren schwierige Momente in der Vorrunde dabei?

Unbestritten. Es waren einige Gegentore dabei, bei denen ich Ansatzpunkte gefunden habe, in denen ich auch ein bisschen Pech hatte. Ich habe als Torhüter, aber auch als Mensch, in diesem halben Jahr noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht.

Ihre Planungen waren ja bisher schon auf den FCA ausgerichtet. Sie haben sich in Stadtbergen ein Haus gekauft, Ihr Vertrag läuft bis 2020.

Das hat damit zu tun, dass ich mir durchaus vorstellen kann, nach der Karriere im Raum Augsburg zu bleiben. Ich fühle mich in der Region sehr wohl. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, wie es sportlich bei mir weitergeht. Als Fußballer musst du darauf vorbereitet sein, dass es Konstellationen gibt, die dich noch einmal irgendwo anders hinspülen, du aber dann wieder zurückkommen kannst.

Könnte eine dieser Konstellationen sein, dass beim Rückrundenauftakt am 19. Januar gegen Fortuna Düsseldorf Gregor Kobel im Tor steht?

Das ist noch Zukunftsmusik. Da kann ich mir aktuell kein Urteil erlauben. Ich habe den FCA über meine Zukunftspläne informiert. Wir sind schon im Dezember im Austausch gewesen, waren es jetzt vor dem Trainingslager auch. Wir finden in den nächsten Tagen oder Wochen sicher einen Konsens, mit dem alle Parteien leben können. Ich werde im März 32 Jahre alt. Ich fühle mich super fit, bin auf einem sehr guten Niveau und finde es völlig normal, dass man sich in dem Alter mit seiner Zukunft beschäftigt.

Sie haben lange um diesen Stammplatz in der Bundesliga gekämpft. Jetzt steht das alles wieder infrage. Wie gehen Sie damit um?

Bundesliga-Fußball stellt dir jeden Tag neue, schwere Aufgaben. Daran wächst man als Spieler und Mensch. Im letzten halben Jahr ist so viel passiert. Das ist Wahnsinn. Aber es ist eine der besten Spielklassen der Welt. Mir macht es Spaß, immer wieder Lösungen zu finden.

Diese Woche in Spanien ist entscheidend für die schwierige Rückrunde. Ist der Druck auf die Mannschaft in diesem Jahr besonders groß?

Wenn du mit diesem Kader so wenig Punkte geholt hast, ist der Druck immens. Es ist nicht zu verachten, wie konzentriert wir in dieser kurzen Zeit arbeiten müssen. Es gilt, die sechs Monate seit August Revue passieren zu lassen und an kleinen Stellschrauben zu drehen.

Dafür braucht man aber Ruhe im Verein und im Umfeld. In diesen Tagen ist das mit der Torhüter-Diskussion und Caiuby aber nicht gegeben. Wie sehen Sie den Fall Caiuby, Sie sind ja auch Mitglied im Mannschaftsrat?

Öffentlich werde ich darüber nicht sprechen. Aber es ist natürlich ein Thema in der Mannschaft. Wir haben mit dem Mannschaftsrat und dem Verein zusammengesessen. Der Verein kennt unsere Meinung. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir als Team eng zusammenstehen. Was uns in den nächsten Wochen erwartet, ist ein hartes Stück Arbeit.

Steht das Team eng zusammen?

Das Team steht eng zusammen.

Und stehen Sie am 19. Januar im FCA-Tor?

Das weiß ich nicht, es ist mein Ziel. Aber unabhängig davon steht jetzt das Team im Vordergrund. Wir wollen in den zwei Wochen Vorbereitung alles dafür tun, um in der Rückrunde unsere Ziele zu erreichen. Interview: Robert Götz

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