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Fußball

09.06.2020

Miese Stimmung bei den Amateurfußballern wegen Saison-Absage

Unter strengen Hygienevorschriften dürfen Bayerns Amateurvereine auch in größeren Gruppen wieder trainieren. Die laufende Spielzeit soll bis Juni 2021 zu Ende gespielt werden.
Bild: Matthias Becker

Plus Vereine dürfen wieder trainieren. Der BFV hat beschlossen, die aktuelle Saison bis Juni 2021 zu Ende zu spielen. Das stößt nicht überall in Augsburg auf Verständnis.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) schafft in der Corona-Krise klare Verhältnisse: Bereits im April beschloss der Verbands-Vorstand nach Abfrage der Vereine, den Spielbetrieb bis 31. August auszusetzen und anschließend die laufende Saison zu Ende zu spielen. Am vergangenen Wochenende konkretisierte der BFV den weiteren Fahrplan: Demnach wird es abwärts der Regionalliga aufgrund zeitlicher Gründe und fehlender Spieltermine keine Saison 2020/2021 geben. Die aktuelle Spielzeit wird also bis in den kommenden Juni gestreckt – auch weil überhaupt noch nicht klar ist, ob in den Amateurligen am 1. September wieder Fußball gespielt werden kann. Eine Entscheidung, die nicht bei allen Augsburger Vereinen auf ein positives Echo stößt.

Inningens Trainer Andreas Wessig ist skeptisch, ob es gut ist, die Saison 2020/21 ausfallen zu lassen.
Bild: Peter Kleist

Andreas Wessig, Trainer des Kreisligisten FSV Inningen, macht keinen Hehl daraus, dass er kein Freund der nun beschlossenen Lösung ist. Obwohl seine Mannschaft, die noch zehn Spiele in der Kreisliga Augsburg Süd zu absolvieren hat, derzeit auf dem zweiten Platz steht und um den Aufstieg mitspielt: "Wenn ab September tatsächlich wieder gespielt werden kann, sind wir bis zum Winter mit unseren Spielen durch. Was machen wir dann bis August nächstes Jahr?" Dass vom Verband angedacht wird, zusätzlich zum Liga-Betrieb Turniere auszutragen, sei kein wirklicher Trost.

Inningen-Trainer Wessig wäre für Saison-Abbruch gewesen

Wessig stört sich insbesondere daran, dass es für Mannschaften, die im gesicherten Mittelfeld der Tabelle weder mit dem Aufstieg noch mit dem Abstieg etwas zu tun haben, bis zum Start der Saison 2021/2022 sportlich praktisch um nichts gehen wird. Seiner Meinung nach wäre es daher besser gewesen, die laufende Saison wie in den meisten anderen Bundesländern abzubrechen und im Spätsommer oder Herbst bei Null anzufangen. Zumindest in den unterklassigen Amateurligen, in denen finanzielle Aspekte kaum eine Rolle spielen: "Bei einem Abbruch wäre es für alle Mannschaften noch in diesem Jahr sportlich um etwas gegangen. Die Vorfreude, dass es endlich wieder losgeht, wäre dadurch größer gewesen – und zwar bei allen Amateurfußballern."

Wessig befürchtet außerdem, dass Spieler in den unteren Ligen aufgrund der geringen Anzahl an Pflichtspielen in den kommenden Monaten dem Fußball den Rücken kehren könnten. "Es gibt natürlich viele, die sich in der derzeitigen Situation anderen Hobbys zuwenden."

Egbert Weber, Abteilungsleiter der TG Viktoria hofft auf baldige Lockerungen.
Bild: Fred Schöllhorn

Die bayerischen Amateurvereine dürfen bereits seit rund einem Monat wieder trainieren – seit Montag in Gruppen von bis zu 20 Personen. Die strikten Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen gelten dabei weiterhin: Die Spieler müssen bereits umgezogen auf dem Platz erscheinen, Zweikämpfe sind tabu und die Bälle müssen desinfiziert werden. Der FSV Inningen trifft sich momentan einmal in der Woche und beschränkt sich laut Wessig auf Fußballtennis oder Torschussübungen. Der sportliche Nutzen stehe bei den Einheiten nicht im Vordergrund: "Wir machen das vor allem, damit sich die Jungs wieder sehen können", sagt er.

Den Amateurfußballern ein Ziel geben, das wäre wichtig

Die Fußballer der TG Viktoria Augsburg, momentan Zehnter in der Bezirksliga Schwaben Süd, haben sich bisher nur zweimal zum Training getroffen. Wie Abteilungsleiter Egbert Weber sagt, stünden dabei insbesondere Lauf- und Passübungen auf dem Programm: "Wann wir wieder in den regulären Trainingsbetrieb mit zwei Einheiten pro Woche einsteigen werden, ist noch völlig offen." Schließlich könne niemand die weitere Entwicklung der Corona-Krise vorhersagen.

Weber hofft darauf, dass weitere Lockerungen in absehbarer Zeit möglich sind und vom Verband konkrete Termine festgelegt werden können. "Es wäre schon wichtig, dass die Spieler irgendwann wieder ein Ziel vor Augen haben, auf das sie hinarbeiten können."

Abteilungsleiter Adem Gürbüz von Türkspor Augsburg findet es richtig, die Saison sportlich zu beenden.
Bild: Walter Brugger

Vor allem Vereine aus den oberen Amateurligen trifft die Corona-Krise nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. "Es gibt in der Hinsicht noch vieles zu klären", sagt Adem Gürbüz, Teammanager von Türkspor Augsburg. Derzeit sei beispielsweise noch nicht klar, ob der Verein in diesem Jahr noch Geld durch Eintrittsgelder einnehmen wird. Außerdem bekämen auch Sponsoren die angespannte wirtschaftliche Lage zu spüren.

Türkspor steht derzeit auf Rang zwölf der Bayernliga Süd, der Vorsprung auf die Relegations-Abstiegsplätze beträgt nur einen Zähler. Die Entscheidung, die laufende Saison zu Ende zu spielen, hält Gürbüz allerdings für richtig: "Es ist wohl der gerechteste Weg in einer schwierigen Situation, die uns alle herausfordert."

Weil derzeit noch gar nicht absehbar ist, ob am 1. September tatsächlich wieder gespielt werden kann, ruht bei Türkspor der Trainingsbetrieb: "Die Spieler kitzelt es schon wieder – wir warten aber auf weitere Ansagen des BFV", sagt Gürbüz.

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