Tennis

26.03.2016

Nach 30 Jahren ist Schluss

Manfred Schabert (links) und Uwe Nothnagel (rechts) geben das Heft beim TC Schießgraben und dem TC Augsburg aus der Hand.
Bild: Ulrich Wagner

Mit Manfred Schabert vom TC Schießgraben und Uwe Nothnagel vom TC Augsburg haben sich zwei erfahrene Funktionäre zurückgezogen. Das hat Auswirkungen

Manfred Schabert, 60, freut sich auf die kommenden Wochen, auf den Frühling und den Frühsommer. Dann kann der Tennislehrer seiner neuen Leidenschaft nachgehen: dem Golfen. Die letzten 30 Jahre hatte er in dieser Jahreszeit dazu keine Zeit.

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Da hieß es für den Manager der 1. Frauenmannschaft des TC Schießgraben, Vertragsgespräche führen, trainieren und dann während der Saison (von Anfang Mai bis Mitte Juni) den Spielbetrieb organisieren.

Schabert war dann rund um die Uhr im Einsatz. Er führte sein Team bis in die 2. Bundesliga, ansonsten waren die Tennisspielerinnen des TC Schießgraben fester Bestandteil der Regionalliga. In der vergangenen Saison stieg sein Team allerdings sportlich ab. Wie so oft im Tennis hätte der TC Schießgraben nachrücken dürfen und am 1. Mai – dann beginnt die Saison – in der Regionalliga aufschlagen können. Doch da gab es einen Vorstandsbeschluss, dass man nicht nur in die Bayernliga, sondern noch eine Klasse tiefer in die Landesliga absteigen würde.

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Für Schabert der richtige Zeitpunkt aufzuhören. „Vielleicht ist es ein guter Weg, alles neu zu organisieren“, sagt Schabert ohne Groll. „Schon die letzten zwei, drei Jahre habe ich gemerkt, es wird mir zu viel.“ Der ewig wiederkehrende Kampf um Sponsoren und um ein leistungsstarkes Team hat ihn mürbe gemacht. Er bleibt dem Verein in beratender Funktion erhalten.

Dies ist für Roland Odörfer, dem 1. Vorstand des TC Schießgraben, wichtig, doch vom Ausstieg aus dem bisherigen Hamsterrad Spitzensport ließ er sich nicht abbringen. „Es war eine grundsätzliche Entscheidung. Wir müssen wieder dazu kommen, dass unsere Mannschaften mit eigenen jungen Spielerinnen und Spielern auskommen“, sagt er. Das sei in der Regionalliga nicht möglich. „So weit sind unsere jungen Spielerinnen noch nicht.“ Auch in der Landesliga muss Schaberts Nachfolger, der 32-jährige Michael Thor, aber noch auf drei ausländische Spielerinnen und TCS-Routiniers setzen. Der Aufwand wurde aber spürbar zurückgefahren.

Einen Umbruch gab es bei Schießgraben auch bei den Männern. Nach dem Abstieg aus der Bayernliga wurde hier ebenfalls neu sortiert. Mannschaftsführer Helmut Martin ist nicht mehr zuständig und eine Handvoll Spieler, darunter Spitzenmann Theodor Devoty und der talentierte Luca Wiedenmann, wechselte zum Bayernligisten TC Augsburg. „Dies waren individuelle Entscheidungen“, sagt Odörfer. Gerade bei den Männern hofft er, die Lücken bald mit eigenen Talenten auffüllen zu können. „Wir haben einen breiten Pool an eigenen jungen Spielern, die sind bald so weit.“ Odörfer setzt auf Konsolidierung.

Ansonsten ist er mit der Entwicklung seines Klubs sehr zufrieden. Die Mitgliederzahl ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf etwas über 500 gestiegen, beim Haushalt erzielte man bei einem Etat von 280000 Euro trotz einiger Investitionen ein Plus von 13 000 Euro.

Auch Jakob Schweyer, Vorstand des TC Augsburg, kann sich nicht über mangelnden Zulauf beschweren. Rund 800 Mitglieder zählt der TCA derzeit. Dies sei aber kein Selbstläufer, sagt der umtriebige SAP-Manager. „Bei den Vereinen, die besonders in die Jugendarbeit investieren, geht es vorwärts.“

Anders als sein Kollege Odörfer hält Schweyer derzeit weiter am Konzept der möglichst hoch spielenden Frauen- und Männerteams fest. „Erstens ist das als Vorbildfunktion für den Nachwuchs wichtig. Zweitens hängt das Renommee des Vereines daran.“

Aber auch beim TCA gibt es im Leistungsbereich einen Umbruch. Uwe Nothnagel – der 59-Jährige war über 15 Jahre für die Frauen zuständig – hat sich zurückgezogen. Sein Nachfolger ist Gerhard Schruff. Schruff und Schweyer setzen neben zwei ausländischen Spielerinnen auf eigene Kräfte. Bekannte Namen wie Francesca Schiavone oder Petra Kvitova wird es beim TCA nicht mehr geben. Ein Abstieg ist einkalkuliert. Bei den Bayernliga-Männern profitiert der TCA von der Blutauffrischung durch den Nachbarverein. Schweyer: „Wir versuchen mit kleinem Geld in der Regionalliga und Bayernliga zu spielen.“

Das Hauptaugenmerk liegt beim TCA in den nächsten Jahren auf dem Bau einer Sechsfach-Tennishalle (Kosten rund 2,75 Millionen Euro). Bis zur Jahreshauptversammlung am 4. April soll der Bauantrag eingereicht sein.

Beim TC Schwaben setzt Vereinschef Anton Huber auf Bewährtes. Mit 500 Mitgliedern sei der Verein an der Kapazitätsgrenze. Wie beim TCA und bei Schießgraben, profitiert er von einer umtriebigen Tennisschule auf seiner Anlage. Auch im Sportlichen ist Huber zufrieden. Seine Regionalliga-Frauen belegten in der vergangenen Saison Platz zwei und sind damit in Augsburg das Spitzenteam. Aufstiegsambitionen hat er keine. Er vertraut weiter auf tschechische Spielerinnen. Notgedrungen: „Ich habe versucht, einige deutsche Spielerinnen mit vergleichbarem Niveau zu verpflichten. Das war finanziell unmöglich.“

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