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FC Augsburg

10.01.2019

Quälen für den Klassenerhalt

Endlich einmal kann Alfred Finnbogason ohne Verletzungssorgen ein Trainingslager mit dem FC Augsburg absolvieren. „Wir können jetzt weiter lamentieren oder hart arbeiten, damit die Rückrunde erfolgreich wird.“
Bild: Klaus Rainer Krieger

Stürmer Alfred Finnbogason erlebt im spanischen Algorfa sein erstes Trainingslager ohne Verletzungen. Er erzählt, was er hätte anders machen können und warum Claudio Pizarro ein Vorbild für ihn ist

Natürlich ärgert sich Manuel Baum, dass Philipp Max und Caiuby komplett das Trainingslager im spanischen Algorfa versäumen, dass Sergio Cordova gar nicht und Jeffrey Gouweleeuw eine Zeit lang nur eingeschränkt mit der Mannschaft trainieren können, doch wenigstens ist diesmal sein wichtigster Spieler, Alfred Finnbogason, dabei.

Seit Februar 2016 spielt der isländische Stürmer für den FCA. Die Zeit ist geprägt von Toren und Verletzungen. 29 Treffern in 62 Spielen stehen 37 verpasste Partien gegenüber. Und noch nie hatte Finnbogason unter Baum ein Sommer- noch ein Winter-Trainingslager verletzungsfrei absolvieren können.

Dass Finnbogason diesmal wieder nicht gleich mit der Mannschaft flog, hatte aber einen freudigen Grund. Der Stürmer war am vergangenen Donnerstag zum zweiten Mal Vater geworden. Nach Tochter Viktoria brachte Freundin Frida den kleinen Emil zur Welt. Finnbogason flog mit gemischten Gefühlen nach Spanien. Er hätte gerne noch Zeit mit seiner Familie verbracht. „Aber meine Freundin ist gut betreut, meine Schwiegereltern sind nach Augsburg gekommen.“ Zwei Tage Babyurlaub genehmigte ihm der FCA. Denn der Bundesligist braucht einen fitten Finnbogason im Abstiegskampf in der Rückrunde dringender denn je.

Um zu verstehen, warum Finnbogason in dieser Saison erst Ende September mit drei Toren beim 4:1 gegen den SC Freiburg ein fulminantes Comeback gab, muss man in den Dezember 2017 zurückgehen. Wieder spielte Freiburg eine Rolle, wieder hatte Finnbogason beim 3:3 drei Tore erzielt. Doch er bekam danach Achillessehnenprobleme, verpasste das Winter-Trainingslager auf Teneriffa und das erste Spiel gegen den HSV, ehe er gegen Gladbach und Köln spielte. Aus seiner Sicht ein großer Fehler. „Ich war eigentlich nicht fit genug. Aber wenn man helfen möchte, ist es, schwierig zu sagen, ich kann nicht spielen. Im Nachhinein war es keine gute Entscheidung.“ Warum, erklärt er so: „Meine Achillessehne war gereizt, ich hätte noch ein, zwei Wochen pausieren müssen. Im Spiel gegen Köln erlitt ich dann auf der anderen Seite einen Sehnenriss in der Wade, weil der Körper die Fehlstellung kompensiert hat. Die Rückrunde war damit fast vorbei. Das hat mir sehr wehgetan, gerade vor der WM.“ Zum allerersten Mal hatte sich das kleine Island für eine große WM qualifiziert.

Finnbogason schaffte es bis zum Turnier in Russland trotz neuer Kniebeschwerden, fit zu werden. Und im ersten Spiel beim 1:1 gegen Argentinien gelang ihm mit der 1:0-Führung Historisches. Finnbogason sitzt in der Lobby des La Finca Golf Resorts und schwärmt: „Es war unsere erste WM, wir waren das kleinste WM-Land aller Zeiten. Als kleines Kind träumt man davon, bei einer WM zu spielen. Dann auch noch ein Tor zu schießen, macht es noch schöner und das auch noch gegen Argentinien. Das ist ein besonderer Moment, den ich nie vergessen werde.“ Doch er und der FCA zahlten den Preis.

Finnbogason kehrte mit einer schmerzhaften Entzündung der Patellasehne zurück. Er sagt: „Du kannst den Körper nicht verarschen. Er braucht seine Pausen.“ An einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verschwendet der isländische Nationalheld trotz der Mehrbelastung aber keinen Gedanken.

Nicht auszudenken, wo er ohne Verletzungen heute spielen würde. Sein Vertrag läuft bis 2020. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, sich gerne noch einmal auf der internationalen Bühne zu zeigen. In sieben europäischen Ligen hat er schon gespielt. England oder Italien fehlen ihm noch auf seiner persönlichen Landkarte. Aber am liebsten würde er wohl mit dem FCA für Furore sorgen. Im Februar 2016 war er allerdings beim Euro-League-Highlight gegen den FC Liverpool gesperrt, weil er zuvor für Olympiakos Piräus in der gleichen Saison schon in der Champions League gespielt hatte. Diese Regel wurde inzwischen geändert.

In dieser Vorrunde schien der Traum von Europa gar nicht so unrealistisch, doch jetzt gibt es nur noch ein Ziel: den Klassenerhalt. Dem ordnet Finnbogason alles unter: „Jeder weiß, dass ich mich in Augsburg wohlfühle. Natürlich habe ich Träume und Ziele in meiner Karriere. Aber erst wenn etwas konkret ist, ist es wert, darüber zu diskutieren. Ich lebe im Hier und Jetzt. Aktuell ist es nur wichtig, mit dem FCA eine gute Rückrunde zu spielen.“ Die startet am 19. Januar mit dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Finnbogason warnt: „Die Bundesliga ist schwierig. Wenn du ein paar Prozent nachlässt, wirst du bestraft. Gut zu spielen, reicht nicht. Wir müssen jeden Punkt schätzen lernen. Wir können jetzt weiter lamentieren oder hart arbeiten, damit die Rückrunde erfolgreich wird.“ Was dann im Mai passiert? Finnbogason zuckt mit den Schultern. Vielleicht wechselt er, vielleicht verlängert er sogar.

Er fühlt sich in Augsburg wohl, ist erst vor einem halben Jahr in die Nähe des Fischertores umgezogen. Und seinen allergrößten Traum, irgendwann seine Karriere in den USA – dort hat er auch Verwandte –zu beenden, kann er später noch verwirklichen. Er sieht sich noch nicht auf dem Weg ins sportliche Austragsstüberl MLS: „Ich bin nicht der explosive Spielertyp, der von seiner Schnelligkeit lebt. Darum glaube ich, kann ich noch lange spielen. Claudio Pizarro ist ein gutes Vorbild. Er ist nicht der schnellste Spieler, aber er denkt ganz schnell. Er spielt mit 40 immer noch in der Bundesliga.“ Vielleicht tut das Alfred Finnbogason ja auch, vielleicht sogar beim FCA.

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