FC Augsburg

29.09.2011

Rasen ist nicht gleich Rasen

Rasen ist eine Wissenschaft: (von links) Die FCA-Greenkeeper Hans Jürgen Negele und Matthias Wick tauschten sich in der SGL-Arena mit den Kollegen Roy Rigby (Manchester City) und Paul Burges (Real Madrid) aus.
Bild: Foto: Hochgemuth

Bundesligist tauscht sich bei seiner Spielfläche mit Experten von Manchester City und Real Madrid aus. Im Sommer soll das Grün mit einer günstigen Methode erneuert werden

Roy Rigby schaut ganz genau hin. Dieser Fetzen Rasen, den er in der Hand hält, sagt ihm eine ganze Menge. Wenn es um Fußballuntergrund geht, macht kaum einer Rigby etwas vor. Der Engländer ist einer der besten Greenkeeper der Welt, sein Arbeitgeber ist der Premier-League-Klub Manchester City. Am Donnerstagnachmittag kümmert er sich nicht um englischen Rasen, sondern um deutschen, um den in der Augsburger SGL-Arena. Im Schlepptau hat er Paul Burges, den Greenkeeper Real Madrids, und den Vertreter einer englischen Spezialfirma, die sich nur um Sportrasen kümmert.

Was Rigby sieht, erfreut den Rasenexperten nur mäßig. Zwar sieht der Platz von oben betrachtet ganz gut aus, aber der Untergrund ist zu fein. Der Rollrasen und die sandige Unterschicht wachsen nicht zusammen. Nur ein Problem, mit dem viele Fußballvereine weltweit in ihren monströsen Arenen zu kämpfen haben. Ein anderes ist der Mangel an Tageslicht, in den südlichen Strafraum der SGL-Arena dringt fast gar keine Sonne vor, weil das Stadiondach lange Schatten zieht.

Frische Luft und künstliches Licht

Auf Schalke probiert man mit mäßigem Erfolg, den Rasen aus dem dunklen Stadion ins Freie zu fahren, andere Profiklubs spenden ihren Halmen inzwischen künstliches Licht durch riesige Lampen, die über den Rasen gefahren werden. Problem dabei: Diese Verfahrensweise ist ziemlich teuer. Zu teuer nicht nur für den FC Augsburg. Alternativen müssen her, auch zum neuen Rollrasen, der meist als letzte Rettung gilt, wenn die Spielfläche vor allem in den Wintermonaten im Übermaß braune Stellen aufweist.

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Rigby, der beim Fußballrasen von einer „Wissenschaft“ spricht, tourt durch ganz Europa, begutachtet Plätze, gibt Tipps, holt sich aber auch Anregungen. Bevor er gestern das Augsburger Grün betritt, hat er mittags schon das der Münchner Allianz-Arena befühlt. „Unseren Rasen schlägt aber keiner“, sagt der untersetzte Engländer stolz.

Rigby und sein Tross haben eine Methode im Gepäck, die in England bereits seit zehn Jahren praktiziert wird. Der Rasen wird bis zur Wurzel abgefräst, neu besät und ist in fünf Wochen wieder spieltauglich. Vorteil: Der Rasen ist fest verwurzelt mit dem Untergrund, verstärkt durch Fiberglasfasern. Bei einer Grätsche reißt ein Kicker nicht gleich große Fetzen heraus.

Deutlich geringere Kosten

Über diese Variante will Hans-Jürgen Negele, der Rasenfachmann des FC Augsburg, nachdenken. Bisher wurde die Fräsmethode in der Bundesliga nur auf Trainingsplätzen betrieben, bei viel Sonnenlicht. Nun sucht die englische Spezialfirma eine moderne Arena und einen Verein, der dies in seiner Spielstätte ausprobiert. Der FCA ist ein Kandidat, könnte dabei viel Geld sparen. Statt 100.000 Euro für einen neuen Rollrasen müsste er womöglich nur 25.000 Euro berappen, und die nur, wenn das Experiment glückt, erklärt Negele. In der Sommerpause würde er das Rasenprojekt in Angriff nehmen. Allerdings rangelt sich der FCA mit einem anderen Bundesligisten, der ebenfalls Interesse bekundet hat.

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