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Fußball

23.01.2019

Schiedsrichter werden gesucht

Jede Menge Erfahrung hat Georg Schalk als Schiedsrichter gesammelt. Während seiner aktiven Zeit war er bei 193 Bundesligaspielen als Assistent im Einsatz, 73 Zweitligaspiele hat er selbst gepfiffen.
Bild: Imago

Georg Schalk von der Gruppe Augsburg will jungen Leuten Mut machen, sich ausbilden zu lassen. Er weiß, welche Vorteile das hat und was die Kollegen erwartet

Herr Schalk, mal ganz ehrlich. Ist der Schiedsrichter-Job wirklich erstrebenswert?

Schalk: Natürlich. Zunächst ist die Schiedsrichter-Tätigkeit eine Schule für das Leben. Mir hat sie enorm geholfen in meiner Persönlichkeitsentwicklung und mich auch rhetorisch weitergebracht. Als Schiedsrichter lernt man, mit Konflikten umzugehen, und hat viel Kontakt mit Menschen. Es öffnen sich dir auch viele Türen.

Zudem haben Sie es weit gebracht als Schiedsrichter…

Schalk:

Sie hatten damals den Spitznamen der „rote Schorsch“…

Schalk (lacht):

Hatten Sie in Ihrer Funktion als Schiedsrichter öfter Schwierigkeiten mit Fans, Spielern oder Trainern?

Schalk: Nein, wirklich nur selten, und das hielt sich alles im Rahmen, obwohl ich mich schon an heiße Partien erinnern kann am Betzenberg, in Köln oder in Düsseldorf.

Sie sind dem Schiedsrichterwesen treu geblieben und gehören dem Führungsteam der Schiedsrichtervereinigung Augsburg an, die in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen feiert. Wie viele Schiedsrichter gehören dieser Vereinigung an?

Schalk:

Die Schiedsrichtervereinigung sucht dringend Nachwuchs. Am 4. Februar ist in Königsbrunn ein Infoabend. Doch man liest und hört immer wieder von Ausschreitungen auf den Fußballplätzen. Schreckt das nicht ab?

Schalk:

Ausschreitungen oder Ähnliches sind dann nicht die Gründe, dass Ihre Vereinigung Nachwuchssorgen hat…

Schalk:

Wie stehen die Fußball-Vereine in der Pflicht?

Schalk: Normalerweise ist es so, dass ein Verein so viele Schiedsrichter stellen muss, wie er Mannschaften im Spielbetrieb hat.

Das ist aber nicht immer der Fall…

Schalk: Nein, leider nicht. Die Vereine müssen dann Strafabgaben an den Verband zahlen. In Baden-Württemberg sind die Regeln noch härter. Da droht dann auch mal der Zwangsabstieg.

Wie alt muss man sein, um Schiedsrichter zu werden?

Schalk: Wir nehmen jeden auf, der Schiedsrichter werden will. Ab 14 Jahre kann ein Anwärter einsteigen und Jugendspiele pfeifen.

Ist das nicht ein bisschen jung?

Schalk:

Was können Sie noch bieten?

Schalk:

Wer gehört in der Schiedsrichtervereinigung Augsburg zu den Spitzenschiedsrichtern?

Schalk: Elias Tiedeken vom TSV Neusäß und Luka Beretic vom TSV Friedberg sind zwei Schiedsrichter, die mittlerweile beide in der Regionalliga pfeifen.

Es spricht also vieles dafür, sich als Schiedsrichter zu versuchen…

Schalk:

Wird das Jubiläum „100 Jahre Schiedsrichtervereinigung Augsburg“ groß gefeiert?

Schalk:

Wir haben ein reichhaltiges Programm zusammengestellt, das das ganze Jahr über läuft. Für jedes unserer Mitglieder, ob Frau oder Mann, ist etwas dabei. Wir werden ein Playstation-/X-Box-Turnier und ein Hallen-Futsal-Turnier veranstalten, beim Zoolauf und beim Plärrerumzug mitmachen, eine Drei-Tages-Fahrt nach

Innsbruck

und ein Familienfest in heimischen Gefilden organisieren. Außerdem wird uns Fifa-Schiedsrichter

Deniz Aytekin

besuchen. Höhepunkt wird ein Festabend im Textil- und Industriemuseum tim Ende November sein. Wir freuen uns auf unser Jubiläumsjahr, wollen aber nicht versäumen, die Weichen für die nächsten 100 Jahre zu stellen. Mit dem Neulingskurs im Februar wollen wir damit beginnen. Auf jeden Fall. Angesichts mancher negativen Schlagzeile fragen sich zwar manche Leute sicher, warum man freiwillig Schiedsrichter werden will. Aber ich kann versichern, dass diese Tätigkeit viel Spaß macht. Man kann sich sportlich betätigen, ohne Angst zu haben, groß verletzt zu werden. Man kann das Taschengeld aufbessern und seine Persönlichkeit entwickeln. Und schließlich mit seinem Schiedsrichterausweis jedes Fußballspiel in

Deutschland

kostenlos besuchen. Wir lieben doch alle den

Fußball

– ob man jetzt Spieler, Trainer oder Schiedsrichter ist. Zunächst legen wir großen Wert auf die Ausbildung. Kameradschaft wird bei uns großgeschrieben. Wir trainieren wöchentlich und treffen uns bei einer monatlichen Versammlung. Wir betreiben Stützpunkte für Schiedsrichter an der Basis und Stützpunkte für Spitzenschiedsrichter. Das ist keine Frage des Alters. Es kommt darauf an, wie gut er pfeift. Bei uns wird auch niemand alleingelassen. Wir nehmen den Nachwuchs an die Hand. Bei den ersten drei Spielen ist immer eine Person dabei, die ihn betreut. Nein. Das liegt zunächst eher daran, dass einige Spielklassen neu dazugekommen sind wie etwa die Junioren-Landesliga oder die B-Klassen. Auch im Frauenbereich gibt es weitere Ligen. Wir müssen also mehr Spiele besetzen. Der zweite Grund ist, dass die jungen Schiedsrichter nicht mehr so viele Spiele leiten wollen. Aus beruflichen oder familiären Gründen. Die älteren Schiedsrichter haben früher am Wochenende oft bis zu drei Spiele gepfiffen. Den jungen reicht meistens eine Partie. Diese Lücken müssen wir füllen. Ich kann Ihnen sagen, dass wir gerade mal über fünf oder sechs Vorfälle im Jahr in unserer Region sprechen, in denen es Übergriffe,

Ausschreitungen

oder Spielabbrüche gegeben hat. Das ist angesichts der enormen Zahl von 7600 namentlichen Ansetzungen eine verschwindend geringe Zahl. Wir haben 400 Mitglieder und teilen pro Jahr 7600 Unparteiische für Fußballspiele im Raum

Augsburg

ein. Da wir Referees aus zahlreichen Nationen in unseren Reihen haben, wird Integration großgeschrieben. Unser Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich bis zum Raum

Meitingen

,

Schwabmünchen

oder

Dinkelscherben

und im Osten bis nach

Friedberg

. Am Anfang meiner Laufbahn habe ich mehrere Rote Karten verteilt. Aber später ist das weitaus weniger geworden. Im Prinzip ist jedes Bundesligaspiel und jedes Zweitligaspiel ein Highlight. Ich war als Assistent bei 193 Bundesligaspielen im Einsatz und habe 73 Zweitligaspiele gepfiffen. Darunter war auch ein Supercup-Finale zwischen

Wolfsburg

und

Bremen

. Ein Eröffnungsspiel der

Allianz-Arena 1860 München

gegen

Bayern München

oder auch das Eröffnungsspiel in der heutigen WWK- Arena, als der

FCA

gegen eine schwäbische Auswahl gespielt hat. Außerdem kamen internationale Partien dazu. Aufgrund der Altersgrenze war dann vor fünf Jahren, als ich 47 Jahre alt wurde, Schluss. Ganz früher habe ich auch schon Spiele des

FC Ismaning

gepfiffen. Da stand ein gewisser

Manuel Baum

im Tor. Mein letztes Spiel, bei dem ich als Assistent auf dem Platz stand, war

Karlsruher SC

gegen den

VfL Bochum

.

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