Tennis

27.06.2017

Sorgen beim TC Augsburg

Jakob Schweyer

Das Frauenteam muss absteigen, die Männermannschaft verpasst den Aufstieg und das Projekt Hallenbau stockt. Warum Vorsitzender Jakob Schweyer trotzdem optimistisch bleibt

Es war ein trister sportlicher Sonntag für Jakob Schweyer. Zuerst verlor der Vorsitzende des TC Augsburg zu Hause mit seinem Regionalligateam der Herren 50 klar mit 1:8 gegen den TSV Feldkirchen. Er selbst hatte beim 1:6 und 3:6 im Einzel gegen Petr Malik keine Chance. Dann erhielt er per WhatsApp auf der Klubanlage am Rande des Siebentischwaldes noch die Hiobsbotschaften von seinem Frauen- und Männerteam. Die Regionalliga-Frauen müssen als Vorletzter aller Voraussicht nach in der kommenden Saison in der Bayernliga antreten. Und die Männer haben nach der klaren 2:7-Niederlage beim ungeschlagenen Spitzenreiter TC Wolfratshausen keine Chance mehr auf den Sprung in die Regionalliga.

Beide sportliche Ziele (Klassenerhalt mit den Frauen und Aufstieg mit den Männern) hat Schweyer mit seinem Führungsteam also verpasst: „Das schmerzt natürlich.“

Über 15 Jahre waren die Frauen das Aushängeschild des Traditionsklubs. Regionalliga, 2. Liga und sogar ein Jahr Bundesliga-Tennis gab es auf der Anlage zu sehen. Jetzt droht die Viertklassigkeit. Eng verbunden war der Erfolg mit dem Namen Uwe Nothnagel. Der Teammanager kümmerte sich über ein Jahrzehnt um das Frauenteam, holte das Geld heran, um sich mehrere ausländische Spitzenspielerinnen leisten zu können, ohne die ambitioniertes Mannschaftstennis nicht möglich ist. „Uwe war das Mädchen für alles. Er hat das alles am Laufen gehalten“, bestätigt Schweyer und in seiner Stimme schwingt Respekt mit. „Doch auch er ist an seine Grenzen gestoßen.“

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Nothnagel hatte im März 2016 genug von der ewigen Jagd im Hamsterrad nach Geld und Sponsoren und hörte auf. Mit geringerem Budget und eigenen Spielerinnen versuchte die TCA-Führung, das Team in der Regionalliga zu halten, heuer misslang das. Doch ganz hat Schweyer die Hoffnung nicht aufgegeben. „Vielleicht können wir als Vorletzter noch in der Liga bleiben.“ Im Tennis ist das durchaus möglich. Teams ziehen zurück, wollen nicht aufsteigen. Ligenleiter Hans Brenzing macht wenig Hoffnung: „Derzeit steigen sogar drei Teams ab“, sagt er. Gewissheit gibt es aber erst im Dezember.

Schweyer will in Zukunft mit einem neuen Konzept im Frauenbereich arbeiten. „Wir setzen auf gute Spielerinnen aus der Region, die, aus welchen Gründen auch immer, derzeit bei anderen Vereinen in Bayern spielen.“ Da gebe es genügend.

Mit den Männern will Schweyer in der nächsten Saison einen neuen Anlauf wagen. Da findet er die Regionalliga wesentlich attraktiver als bei den Frauen. „Erstens spielt die Männer-Regionalliga im Juli, wenn keine anderen Ligen mehr spielen, da kommen hoffentlich mehr Zuschauer. Zweitens haben wir mit Lukas Engelhardt, Luca Wiedenmann und den Frantzen-Brüdern vier talentierte eigene Spieler, denen wir diese Plattform unbedingt bieten wollen.“ Dass es dieses Jahr nicht klappte, lag auch daran, dass Spitzenspieler Hannes Wagner nach einer Hand-Operation Ende Januar unplanmäßig nicht fit wurde.

Seit acht Jahren leitet der 58-jährige Meringer den TCA, hat ihn mit seinem Führungsteam nach den Krisenjahren (unter anderem mit Notvorstand) zu einem expandierenden Tennisklub mit rund 800 Mitgliedern gemacht. 37 Mannschaften nehmen am Spielbetrieb teil. Bisher ging es nur bergauf mit Schweyer. Jetzt spürt Schweyer erstmals Gegenwind. Sportlich und mit einem der größten Projekte in der 115-jährigen Vereinsgeschichte: dem Bau der neuen Tennishalle.

Seit 2014 wird daran schon geplant. Zuerst mit viel Euphorie und dem bekannten Augsburger Architekten und Vereinsmitglied Wolfgang Ott. Doch beide Parteien hatten unterschiedliche Vorstellungen bei der Verwirklichung des ambitionierten Projektes Sechsfach-Halle. 2016 trennte man sich. Von einer Realisierung ist der TCA derzeit noch ein gutes Stück entfernt.

Kritiker, die sich auch bei der Jahreshauptversammlung am 24. April meldeten, sagen, grob zusammengefasst: Hätte man mit Ott weitergemacht, stünde die Halle schon.

Schweyer kennt diese Vorwürfe. Er weiß, dass beiden Seiten Fehler unterliefen. „Ich habe daraus viel gelernt, war in manchen Dingen sicher zu blauäugig.“ Schweyer ist aber zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg. Ich will unseren Mitgliedern nach der Sommerpause eine überarbeitete Planung und ein tragfähiges Finanzierungskonzept präsentieren.“ Die Halle soll, wenn nichts dazwischenkommt, vor dem Winter 2018 stehen. Ein ambitionierter Zeitplan. Doch Schweyer ist es als Vertriebs-Manager beim Software-Riesen SAP gewohnt, Probleme offensiv anzugehen. Ein trister Sonntag kann ihm da nichts anhaben.

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