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Sport in Augsburg

10.11.2020

Sportvereine hoffen in der Corona-Krise auf Treue ihrer Mitglieder

So sieht es derzeit in den Augsburger Sportstätten aus: Leere Gänge, leere Tribünen und unbenutzte Bälle. Eine längere Schließung wäre für viele Vereine fatal.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Der Freistaat will finanzielle Einbußen im Amateurbereich mithilfe eines Fördertopfs auffangen. Kündigungen werden dadurch aber nicht abgedeckt.

Die Türen sind zu. Vorerst bis Ende November, aber auch die darauffolgenden Wochen bleiben ungewiss. Angesichts der gestiegenen Infektionszahlen mussten Breitensportvereine zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Anlagen schließen. Nur noch Individualsport wie etwa Tennis, Golf oder Badminton ist weiterhin möglich. Besonders hart trifft es vor allem Amateurvereine, die auf Mannschaftssportarten, Hallenaktivitäten und Gruppentraining spezialisiert sind.

Vor einer Woche gab der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann bekannt, dass Vereinen die angekündigte Wirtschaftshilfe der Bundesregierung helfen soll – ein mit zehn Milliarden Euro gefüllter Fördertopf. 75 Prozent der Umsätze des entsprechenden Vorjahresmonats könnten Vereine erhalten, wenn sie einen Antrag stellen. Antragsberechtigt sind Vereine mit bis zu 50 Mitarbeitern. Der Haken: Erstattet werden keine entfallenen Mitgliedsbeiträge. Doch genau hier liegt für die meisten das Problem.

In manchen Vereinen haben bis zu zehn Prozent der Mitglieder gekündigt

„Zehn Prozent der Mitglieder haben in diesem Jahr gekündigt“, schildert Doris Panacek, die Geschäftsführerin des TV Augsburg. Die Kündigungen überstiegen damit die der Vorjahre deutlich. „Zuvor hatten wir nur steigende Zahlen.“ Mit ein Grund dafür liege im vereinseigenen Fitnessstudio, das schließen musste. Mitglieder seien unsicher, wann sie wieder trainieren können. Das hätte laut Panacek zur hohen Zahl von Austritten geführt. „Eine längere Schließung wäre für uns fatal“, sagt sie.

Nicht nur die rückläufigen Mitgliedsbeiträge, die bei den meisten Sportvereinen das finanzielle Grundgerüst stellen, schmerzen. Auch die Fördermittel des kommenden Jahres sind betroffen, weil diese sich an der Höhe der Mitgliederzahl orientieren. Der TV Augsburg mit seinen 64 Mitarbeitern, darunter auch Minijobber, und zusätzlich 230 Übungsleitern wird einen Antrag stellen – obwohl Panacek sich nicht sicher ist, ob man überhaupt förderfähig ist. Vonseiten des Bayerischen Landes-Sportverbands erwartet sie demnächst konkretere Angaben über die genauen Fördermaßnahmen.

Unterstützung für Breitensport durch doppelte Vereinspauschale

Bislang ist der Verein gut durch die Corona-Saison gekommen, dazu beigetragen hat die Verdoppelung der staatlichen Vereinspauschale in diesem Jahr auf 40 Millionen Euro. Und Mitglieder, die im ersten Lockdown gekündigt hatten, sind teilweise wieder zurückgekehrt. Ob das nun, bei der neuerlichen Schließung wieder der Fall sein wird, kann Panacek nicht einschätzen. „Ein Verein lebt vom Miteinander der Mitglieder“, sagt sie. Fällt die Gemeinschaft weg, würden die Austritte ansteigen. „Wir stehen hinter den Sicherheitsmaßnahmen der Regierung“, betont sie. Aber, dass nach einem Sommer, in dem ihr Verein viel Zeit und Geld in Hygienekonzepte investiert hat, der organisierte Sport erneut von Schließungen betroffen ist, sei einfach frustrierend.

Diesen Frust teilt Andreas Katzer, Präsident des TSV Haunstetten. Einen Mitgliederschwund aufgrund der Corona-Pandemie verzeichnet der Verein nicht, aber abgesagte Turniere und Veranstaltungen der hochklassig spielenden Mannschaften, etwa aus dem Handball, haben ein Loch in die Kasse gerissen. Die Erstattung des Freistaats bewertet Katzer für seinen rund 3000 mitgliederstarken TSV daher als hilfreiche Maßnahme.

Bilder wie hier von den TVA-Spielertrainerin Mirijam Unger (Zweite von links hinten) wird es vorerst nicht geben. Mannschaftssport ist aufgrund der hohen Infektionszahlen derzeit nicht möglich.
Bild: Fred Schöllhorn

Finanziell steht der Verein laut Präsident zwar noch gut da. Dennoch habe die Saison „eine deutliche Delle“ bekommen. Auch wegen der zusätzlichen Ausgaben, die der Verein auf sich nehmen musste, um überhaupt wieder in den Spielbetrieb starten zu dürfen. Katzer: „Für Hygienekonzepte haben wir einen fünfstelligen Betrag investiert.“

Hinzu kamen laufende Kosten für die Sportstätten und die Vereinsgaststätte, die weiterhin bezahlt werden mussten. „Die Soforthilfen von Anfang des Jahres waren schnell aufgebraucht“, sagt Katzer. Lob verteilt er daher an seine Mitglieder: „Sie haben den Verein mitgetragen.“ Austritte würden nämlich auch eine so große Organisation wie den TSV Haunstetten schmerzen.

Kleinere Vereine trifft es mitunter noch heftiger. Bei der DJK CCS (Centerville, Cramerton, Sullivan Hights) Augsburg rechnet Christian Sedlak damit, dass „15 bis 20 Prozent mehr Kündigungen als normal“ bis Jahresende eingehen werden. „Niemand kann etwas dafür oder ist schuld, aber jetzt fangen die Kündigungszeiten an, und das fliegt uns gerade alles um die Ohren.“ Natürlich habe nicht alles mit Corona zu tun, räumt Sedlak ein. Doch Nachfragen nach kostenfreien Mitgliedsmonaten wegen der ausgefallenen Trainingszeiten würden zeigen, dass die Zwangsschließungen einer der Hauptgründe seien.

Einige Vereine erlassen ihren Mitglieder zum Teil die Vereinsgebühren

Deshalb will die DJK ihren Mitgliedern finanziell entgegenkommen. Für das Jahr 2021 müssen sie nur den halben Vereinsbeitrag zahlen. „Wir hatten rund ein halbes Jahr kein sportliches Angebot, aber eben auch keine Kosten für städtische Hallen und Trainer“, begründet Sedlak diesen Schritt.

 

Sportvereine, die eigene Anlagen unterhalten, dürften für eine solche Regelung kaum finanziellen Spielraum haben. Auch sie setzen darauf, dass ihnen die Mitglieder über die schwere Zeit hinweg treu bleiben. Wie andere Vereinschefs auch hat Walter Lenz vom TSV 1871 Augsburg viel Geld in Hygienemaßnahmen gesteckt. Er berichtet von 10.000 Euro. Lenz hat Laufwege abgeklebt, Desinfektionsspender aufgestellt und eine moderne Lüftungstechnik installiert, die Frischluft in die Halle bläst. „Mehr kann man nicht machen“, betont der Vorsitzende.

Lenz zeigt grundsätzlich Verständnis für die Schließungen, sie dienten schließlich dem Wohl aller, merkt er an. Allerdings: Manche Maßnahme versteht der langjährige Vereinschef nicht. So sieht er Handlungsbedarf, weil Schulen weiterhin mit halbierten Klassen in seiner Halle Sport treiben – wenn auch mit Abstand halten und Maske tragen. „Ich kann doch nicht meine Mitglieder aussperren und die Schulkinder reinlassen“, betont Lenz.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit Florian Niederlechner von September 2020 an:

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