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Faustball

29.07.2019

TV Augsburg will zurück in die Bundesliga

Nach dem Abstieg wollen Andreas Schneeweis (im Bild) und die Faustballer des TV Augsburg zurück in die Bundesliga.
Bild: Siegfried Kerpf

Nach dem Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse beschäftigt sich der Verein mit dem sofortigen Wiederaufstieg. Zum Problem werden könnte das Image der Sportart und der fehlende Nachwuchs

Insgeheim, das gibt Andreas Schneeweis unumwunden zu, hätte er sich mehr erwartet. Mit den Faustballern des TV Augsburg war der 30-Jährige vor einem Jahr erstmals in die Bundesliga aufgestiegen. Nach nur einer Saison ist der Ausflug in Deutschlands höchste Spielklasse jedoch wieder beendet. Aus Sicht von Schneeweis wäre dies vermeidbar gewesen. Der Teamkapitän räumt Verletzungspech ein, nur ganz selten konnte der TVA während der Freiluftsaison in Bestbesetzung antreten, entscheidend war aus seiner Sicht aber ein anderer Grund: „Wir hatten extrem großen Respekt vor den Gegnern, man könnte es beinahe als Angst bezeichnen.“

Vor allem gegen Ende der Saison, als Augsburg in der Abstiegsrunde zwingend punkten musste, spielte der Kopf nicht mit. Schneeweis ist überzeugt: Die anderen Teams seien spielerisch womöglich stärker gewesen, mit einer entsprechenden Mannschaftsleistung hätte man den Abstieg dennoch vermeiden können. Mit Blick auf die Bundesliga-Premierensaison hat sich bei Schneeweis der Eindruck verfestigt, er persönlich habe sein Potenzial nicht gänzlich abgerufen. Daraus zieht er schon jetzt die Motivation für die kommende Spielzeit in der 2. Bundesliga Süd. Schneeweis erwartet eine Top-Drei-Platzierung von seiner Mannschaft, sein persönliches Ziel ist der sofortige Wiederaufstieg. „Der Anspruch ist da, das nochmals anzugehen.“

Schneeweis hat als Fünfjähriger beim TV Augsburg mit dem Ballsport angefangen, Förderer und Forderer war schon damals Abteilungsleiterin Doris Horber. Sie und weitere Verantwortliche der Abteilung haben zusehends mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Ungefähr hundert Mitglieder zählt die Sparte, nur knapp 60 davon sind aktiv am Ball. Sportwart Rainer Kastner kennt das verstaubte Image, das an seiner Sportart haftet: „Bei der Jugend haben wir keinen guten Ruf“, sagt er. Und: „Von hundert Leuten kennen 99 diese Sportart nicht mehr.“

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Einst gab es 30 Faustballvereine in Augsburg

Kastner, 68 Jahre alt und seit 40 Jahren in der Abteilung engagiert, macht sich große Sorgen um die Zukunft seiner Sparte. Als Staffelleiter im bayerischen Verband hat Kastner Einblick, in Donauwörth wird noch Faustball gespielt und vereinzelt im Allgäu. Vor rund 40 Jahren war das ganz anders, im Großraum Augsburg tummelten sich rund 30 Vereine, die den Sport, der dem Volleyball ähnelt, anboten. Oft wechselten Fuß-, Hand- oder Volleyballer nach ihrer aktiven Zeit zum Faustball. Das sorgte für Zulauf, aber auch für die Anmutung eins Altherrensports. Zu großen Turnieren, etwa in Königsbrunn, kamen knapp 50 Mannschaften. Auch der TVA organisierte mit dem Er-und-Sie-Turnier einen Wettbewerb, zu dem Teams aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, ja sogar Brasilien kamen. Erfreut merkt Kastner an, dass dieses Turnier auch abseits des Platzes für den TVA bedeutend war. Vier Ehen seien dadurch entstanden, rechnet Kastner vor.

Der TVA betreibt Nachwuchsarbeit, führt die Kleinsten an den Ballsport heran, muss letztlich aber erkennen, wie selten Jugendliche der Sportart die Treue halten. Die U10, U12 und U14 männlich kann Augsburg derzeit besetzen, aber vor allem in den wichtigen Altersklassen U16 und U18, in denen der Übertritt zu den Erwachsenen vorbereitet wird, hat der TVA keine Mannschaft im Spielbetrieb. Wenigstens hielt die Männerreserve die Bayernliga, indem sie am letzten Spieltag den TSV Seußen 3:1 besiegte.

Während andere Spitzenvereine Deutschlands mit Hilfe finanzstarker Sponsoren teils auf Verstärkungen aus Brasilien, Argentinien oder Chile zurückgreifen, bleibt der TV Augsburg eine familiäre Mannschaft, die mit Herzblut und hohem Freizeitaufwand ihrer Sportart nachgeht. Sowohl in der Hallensaison (2. Liga) als auch auf dem Feld tritt der TVA in gleicher Formation an. Verstärkungen durch Studenten oder einen beruflichen Umzug nach Augsburg sind möglich, Spieler gezielt abwerben werde man nicht, betont Kastner: „Das hat der TVA noch nie gemacht.“ Der langjährige Funktionär ist dennoch überzeugt: Die Mannschaft werde um den Aufstieg in die Bundesliga spielen.

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