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Tennis

21.03.2018

Tennis Club Augsburg: Erst bespuckt und dann umworben

TCA Vorstand Jakob Schweyer.

TCA Vorstand Schweyer muss bei seinem Hallen-Projekt viele Probleme lösen. Er wird von Baumschützern bepöbelt und sammelt schnell mal 500000 Euro ein

Auf dem Schreibtisch von Jakob Schweyer liegt ein kleiner Zettel, auf dem handschriftlich geschrieben steht: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Mit diesem Zitat des deutsch-schweizerischen Schriftstellers Hermann Hesse (1877-1962) motiviert sich der Vorstand des TC Augsburg immer, wenn bei den Planungen zum Bau der neuen Sechsfach-Tennishalle des Tennisklubs Probleme auftauchen. Die gab es in den letzten vier Jahren reichlich.

Zuletzt vor knapp drei Wochen, als sich Schweyer schon auf der Zielgeraden sah. Hinter den maroden, vereinseigenen Hallen begannen an der Ferdinand-Halbeck-Straße die notwendigen Baumfällarbeiten, die vom Amt für Grünordnung auch genehmigt waren. Doch es gab Proteste von Anwohnern, sogar einen kurzfristigen Fällstopp durch Amtsleiterin Anette Vedder und hitzige Diskussionen. „Da gab es Worte wie Baumfrevler, Kapitalisten-Schweine und es wurde versucht, uns zu bespucken“, beschrieb Schweyer am Dienstagabend auf der Jahreshauptversammlung des Vereins die vergiftete Atmosphäre in diesen Tagen. Am Ende war sogar Polizeieinsatz notwendig, um die Fällungen durchzuführen. „Es waren 25 Bäume, nicht, wie in den Medien berichtet 50, die gefällt werden mussten“, berichtete Schweyer.

Die spektakuläre Protestaktion hat aber Auswirkungen. Die Diskussion um die Ersatzpflanzungen sind wieder aufgeflammt. Dabei sind jetzt schon rund 40000 Euro für Sträucher, Bäume und andere Grünpflanzen eingeplant. Doch das Amt für Grünordnung hat kurzfristig eine neue Option ins Spiel gebracht.

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Die Behörde würde gerne auf Kosten des Vereins den öffentlichen Parkplatz am Ostrand des Vereinsgeländes renaturieren lassen. Der wird aber nicht nur von Vereinsmitgliedern genutzt, sondern ist auch bei Spaziergängern und Besuchern des nahen Parkhäusls beliebt. „Die Idee ist, den Asphalt entfernen zu lassen, ein paar Bäume hinzustellen und die Zufahrt zu schließen, sodass wir als Tennisklub für unsere 800 Mitglieder nur noch die Zufahrt über die Ferdinand-Halbeck-Straße haben“, berichtete Schweyer.

25 Bäume musste der TC Augsburg fällen lassen, die dem Neubau der Sechsfach-Tennishalle im Wege standen. Dabei gab es heftige Proteste. Um die Form der Ausgleichspflanzungen wird noch verhandelt.
Bild: Hochgemuth

Dort sollen im Zuge des Hallen-Neubaus 55 neue Parkplätze entstehen. Diese reichen den TCA-Mitgliedern aber nicht, sie beauftragten den TCA-Vorstand in den nun anstehenden Gesprächen, um einen Erhalt der Parkplätze zu kämpfen.

Allerdings hat Schweyer ein Problem. Er braucht die positive Zusage des Amts für Grünordnung in seiner Funktion als Untere Naturschutzbehörde bei der Baugenehmigung. „Nur das letzte Häkchen bei den Ausgleichspflanzungen fehlt noch, alles andere ist gemacht, was die Baugenehmigung betrifft“, verdeutlicht Schweyer. Die Raiffeisenbank Kissing-Mering will das knapp drei Millionen Euro teure Bauvorhaben finanzieren. Der Förderantrag beim Bayerischen Landessportverband ist gestellt und auch die Mitglieder haben ihren Beitrag geleistet. Innerhalb von zehn Tagen waren die geforderten 500000 Euro Eigenleistung in Form von Spenden und Darlehen eingesammelt. Anfang März wurde auch der Tekturplan eingereicht. Schweyer sagt: „Wir brauchen den grünen Stempel, dann geht es richtig vorwärts.“

Die Zeit drängt

Die Zeit drängt. Anfang Mai sollen die alten Hallen abgerissen werden, Ende September soll in der neuen Halle schon gespielt werden. „Das ist machbar, wenn es keine Verzögerungen gibt“, sagt Architekt Thomas Gerstmayr von Degle.Degle aus Königsbrunn.

Dass es keine Verzögerungen gibt, dafür wollen die CSU-Politiker Peter Uhl und Bernd Kränzle sorgen. „Sie können baurechtlich in den nächsten vier Wochen hundertprozentig mit einem genehmigten Bauantrag rechnen“, versprach Uhl, unter anderem Vorsitzender des Sport- und Mitglied des Bauausschusses den TCA-Mitgliedern. Auch wenn die Gestaltung des Außenbereichs noch strittig sei.

Und Landtagsabgeordneter Bernd Kränzle, der derzeit Vorsitzender des BLSV-Verteilerausschusses ist, der die Fördergelder verwaltet, brachte gute Nachrichten aus München mit: „Die Anlage ist durch. Das Geld des Freistaats steht abrufbereit zur Verfügung. Es muss nur noch ausbezahlt werden.“

Treffen mit dem Oberbürgermeister

In Sachen Auflagen durch die Untere Naturschutzbehörde hatte der Augsburger Stadtrat eine klare Meinung: „Ich bin ein erklärter Freund der Dinge, die mit dem Umweltschutz zusammenhängen. Aber es kann nicht wahr sein, dass in Salami-Taktik immer neuere Auflagen in Sachen Umweltschutz, Erreichbarkeit, Zufahrt, Bäumefällung verlangt werden.“ Nach Informationen unserer Zeitung soll es schon am Dienstag ein Treffen aller Beteiligten beim Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl geben.

Es kommt noch viel Arbeit auf die TCA-Führung mit Vorstand Schweyer und seinem Stellvertreter Werner Leinfelder zu. Die Mitglieder dankten Schweyer und seinem Stellvertreter für ihr Engagement auf jedem Fall schon mal. Sie bestätigten beide bei der Neuwahl ohne Gegenstimme in ihren Ämtern.

Auch von unerwarteter Seite kommt Unterstützung. Die Anwohner der Ferdinand-Halbeck-Straße, die vor knapp drei Wochen noch heftig gegen Schweyer und den Tennisclub gewettert hatten, werden, wenn nötig, gegen die Nutzung ihrer Straße als einzige Zufahrt zum TCA protestieren.

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