Newsticker
RKI meldet 8103 Neuinfektionen und 96 Tote
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Lokalsport
  4. Vom Eishockey-Profi zum Geschäftsmann

Erfolgreich im Sport – erfolgreich im Berufim Sport – erfolgreich im Beruf

01.07.2017

Vom Eishockey-Profi zum Geschäftsmann

(Serie/Teil 1) Peter Holzheu musste früh seine Karriere als Berufsspieler beenden. Der gelernte Werkzeugmacher leitet jetzt einen Betrieb mit über 100 Mitarbeitern in Königsbrunn und sieht sich nicht als Chef

Im weißen Hemd und Jeans sitzt Peter Holzheu im Konferenzzimmer der Firma Fey in Königsbrunn und hört nicht mehr auf zu reden. Über Lamellenringe, über Dichtungsringe, über die Produkte, die die über 100 Mitarbeiter des mittelständischen Betriebs konstruieren und fertigen. „Jeder Lkw der Welt hat einen Ring von Fey verbaut, im Abgaskrümmer und im Turbocharger“, erzählt der 54-Jährige. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Elke Fey führt der Augsburger seit 2001 die Firma. „Wir stellen 40 Millionen Lamellenringe her, von einem Durchmesser von 15 Millimeter bis 1,4 Meter.“ In jeder Pistenraupe, in Windkrafträdern, in Formel-1-Boliden, in der Mars-Sonde und, und, und, sind die Teile verbaut. So leidenschaftlich wie früher auf dem Eis zeigt sich Peter Holzheu als Geschäftsführer des Unternehmens. Früher drehte sich sein Leben um den Puck.

Holzheu zählte als eines der größten Talente des Augsburger EV seit dem Nationalspieler Ernst Höfner. Zusammen mit seinem Bruder Siegfried und dem Peitinger Hans Schmaußer bilden sie die Paradereihe des damaligen Oberligisten. Doch den jungen Peter drängt es nach oben. Zunächst folgt er seinem älteren Bruder zum EHC Essen-West in die zweite Eishockey-Liga. Der Erstliga-Vertrag in Frankfurt für die kommende Saison ist bereits ausgehandelt, als es passiert. „Es war im Spiel gegen Berlin. Ich warte gerade auf einen Pass von Siggi, dann knallt mir dieser Kanadier mit seinen einhundert Kilo ins Knie. Ich habe sofort gespürt, dass viel kaputt ist“, schildert Holzheu die Szene, die seinem Leben eine entscheidende Wende gibt. Es folgt die erste von bis heute sieben Knie-Operationen. Nach einer viel zu frühen Rückkehr auf das Eis nach nur zehn Wochen muss der junge Profi einsehen, dass es mit der ganz großen Karriere bereits mit 23 Jahren vorüber ist. Von einem Tag auf den anderen zerplatzt der Traum vom Eishockey-Profi. „Für mich ist eine Welt zusammen- gebrochen.“ Der Stürmer kehrt zurück in seine Heimat und unterschreibt bei den viertklassigen Pinguinen in Königsbrunn einen Vertrag.

Vier Unternehmer, darunter Josef Fey von der gleichnamigen Firma, finanzieren den „Stareinkauf“ aus Essen. Doch Holzheu ist klar: Nur mit Eishockey wird er seinen Lebensunterhalt nicht verdienen können. Teil des Vertrags ist eine Anstellung in seinem Beruf als Werkzeugmacher. Im Bewerbungsgespräch fragt der damalige Firmenchef Josef Fey nach den Gehaltsvorstellungen. „Das ist mir egal, ich will nur arbeiten, lautete meine Antwort. Ich denke, diese Einstellung hat dem Seniorchef gefallen“, erinnert sich Holzheu.

Von seinem Elternhaus hatte er eingetrichtert bekommen: erst kommt die Berufsausbildung, dann der Sport. Nach dem Hauptschul-abschluss absolviert Holzheu bei Zeuna Stärker (heute Faurecia) seine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Zusammen mit dem angehenden Fußball-Profi Alfons Higl genießen sie ein Privileg. „Wir durften vormittags zum Training gehen.“ In Blaumann und Arbeitsschuhen fährt das Nachwuchstalent ins Curt-Frenzel-Stadion. „Danach gabs zwei Butterbrezen und zurück an die Werkbank.“ Wenn die AEV-Mannschaft am Montagmorgen um 4 Uhr vom Auswärtsspiel heimkehrt, wird die Nacht kurz. Um sieben Uhr steht der Azubi in der Halle von Zeuna Stärker an der Werkbank.

Mit dem gleichen Eifer setzt sich Peter Holzheu später bei Lamellenringe Fey ein. Zunächst übernimmt er die Leitung der Qualitätssicherung, später die Entwicklung von Dichtungssystemen. Im vergangenen Jahr stirbt der Firmenchef Josef Fey mit 95 Jahren, Holzheu und seine Lebensgefährtin Elke Fey leiten den Betrieb im Herzen von Königsbrunn alleine. Der ehemalige Eishockey-Profi hat sein Geschäft von der Pike auf gelernt, während andere Firmenchefs in seiner Branche meist Maschinenbau oder Betriebswirtschaft studiert haben.

Der 54-Jährige ist überzeugt davon, dass er sich im Sport, speziell im Mannschaftssport, nützliche Tugenden angeeignet hat, die ihm in seiner beruflichen Karriere helfen. „Man muss lernen, sich durchzusetzen. Aber man muss auch mit den anderen zusammenarbeiten. Denn alleine erreichst du in einem Team gar nichts.“

Der ehemalige AEV-Profi erinnert sich an einen Spezialauftrag im Augsburger Dress. Im Spiel gegen Hedos München bekommt er die Aufgabe, den Münchner Topstürmer Jiri Kochta auszuschalten. Manndeckung war auch damals schon im Eishockey unüblich, aber der damalige AEV-Coach Kurt Schloder befiehlt Holzheu, dem tschechischen Star „bis aufs Klo zu folgen“. Die Taktik geht auf, der AEV gewinnt in einem mit 7000 Zuschauern proppevollen Curt-Frenzel-Stadion das Derby gegen München. Kochta zischt nach dem Match entnervt seinen Gegenspieler an: „Junge, ich bring dich um.“ Peter Holzheu lässt sich nicht beeindrucken: „Ich dich auch.“

Härte und Durchsetzungsvermögen sind im Sport genauso wie im Beruf gefragt, wenngleich Holzheu seine Rolle heute so definiert: „Ein Unternehmen ist wie eine Mannschaft. Und ich sehe mich nicht als Chef, sondern als Trainer.“

stellen wir erfolgreiche Sportler vor, die nach dem Ende ihrer Laufbahn nicht im Fach bleiben und Trainer oder Manager werden, sondern in einem ganz anderen Bereich Karriere machen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren