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Augsburg

06.06.2016

Warum Muhammad Ali mal einen Empfang in Augsburg platzen ließ

Muhammad Ali und Karl Mildenberger vor 40 Jahren in der Augsburger Sporthalle. Links im Hintergrund sieht man den Sportmoderator Waldemar Hartmann.
Bild: imago

Vor 40 Jahren bestritt der Muhammad Ali Sparringskämpfe in Augsburg. Warum "der Größte" eine Autogrammstunde platzen ließ und einem Empfang im Rathaus fern blieb.

Vor 40 Jahren war die Welt noch in Ordnung. Im Kino lief „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson und aus dem Radio dudelte „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander. 1976 war auch das Jahr, als Augsburg einen großen Tag erlebte. Aber was heißt großer Tag – es war eine Sensation. Denn der größte Boxer des Erdballs besuchte die Stadt. Muhammad Ali, der bereits schon Jahre zuvor als „Großmaul“ Cassius Clay die Box-Welt in Atem gehalten hatte, schrieb Sportgeschichte wie kaum ein anderer (siehe auch Seite 21 und Seite 3).

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Aber warum war der US-Amerikaner in Augsburg? Als Ali am 15. Mai 1976 in Augsburg auftauchte, bereitete er sich auf den Weltmeisterschaftskampf gegen den Engländer Richard Dunn vor, der zehn Tage später in München stattfand. Die Augsburger Promot-Sportgesellschaft, ein eigens für diesen Anlass gegründetes Unternehmen, organisierte den Kampf. Horst Eckert, ein mittlerweile verstorbener Sportjournalist, hatte den Kontakt zu Ali hergestellt.

Deshalb gab es in der Augsburger Sporthalle vor 2000 Zuschauern Sparringskämpfe gegen den deutschen Europameister Karl Mildenberger und den Ex-Weltmeister Jimmy Ellis.

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Am 17. Januar 1942 wurde Muhammad Ali als Cassius Clay in Kentucky in den USA geboren.
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Bild: dpa

Ali lässt Empfang im Augsburger Rathaus platzen

Ali war in Augsburg nicht nur Boxer, sondern auch Entertainer. Absichtlich ging er im Ring zweimal zu Boden. „Er tanzte viel, schlug wenig und fiel zweimal auf die Bretter“, stand damals in unserer Zeitung.

Ali pflegte auch in Augsburg sein Image des eigenwilligen Mannes mit Prinzipien. Nach den Sparringskämpfen wurde er in einem Mercedes Pullmann zu einer Autogrammstunde chauffiert. Die sollte in der Riegele-Brauerei stattfinden. Als der Anti-Alkoholiker sah, wo er sich befand, verließ er wortlos die Veranstaltung und ließ sich in die Landeshauptstadt kutschieren. Auch einen geplanten Empfang im Augsburger Rathaus ließ er platzen.

Auch später in München blieb Muhammad Ali authentisch. Zunächst gab er einem deutschen Fernsehsender ein ganz „normales“ Interview. Als ihn danach der amerikanische Sender NBC befragte, brüllte er so laut, dass man es noch auf dem Hof hörte.

Muhammad Ali: Beim Wiegen bricht die Bühne zusammen

Während der Tage in München und Augsburg wurde Ali übrigens unter anderem von dem späteren Sport-Moderator Waldemar Hartmann betreut. „Waldi“ arbeitete damals als Kneipenwirt und als freier Mitarbeiter für die Sportredaktion unserer Zeitung. „Das war eine verrückte Geschichte. Ein Anwalt aus München sowie ein Gerichtsvollzieher und ein Geschäftsmann, beide aus Augsburg, hatten sich in den Kopf gesetzt, Ali zu einem Kampf nach München in die Olympiahalle zu holen. Man kann sich vorstellen, wie die erst mal ausgelacht wurden. Aber die drei ließen sich nicht beeindrucken, gründeten eine Veranstalter-GmbH, und da der Sohn von einem mit mir gemeinsam Handball spielte, wurde ich gefragt, ob ich nicht die PR-Arbeit übernehmen wolle. Klar, dass ich wollte“, erzählte Hartmann später der tz.

Beim öffentlichen Wiegen der beiden Kontrahenten in München kamen so viel Zuschauer, dass die Bühne zusammenkrachte. Ali erschrak, passiert ist aber nichts. „Ich bin Gottes wertvollstes Kind“, sagte er anschließend zu den Reportern.

Richard Dunn war übrigens kein Gegner für Ali. Der Engländer bezog Prügel vor 11000 Zuschauern in der Olympiahalle. Nach fünf Runden schickte Ali ihn auf die Bretter. Exakt dies hatte er schon vor dem Kampf prophezeit.

Für die Sportagentur Promot hatte der Ali-Besuch ein Nachspiel. Die Firma, die sich mit dem Kampf von Ali ein Riesengeschäft erhofft hatte, geriet in finanzielle Schwierigkeiten, war bald darauf pleite und der Fall landete sogar vor Gericht.

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