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Boxen

25.06.2019

Warum ein Augsburger Profiboxer seine Gegner bezahlen muss

Schlag auf Schlag: Adrian Maliqi Raatz (Mitte) arbeitet an seiner Profikarriere. Unterstützt wird er dabei von seinen Trainern Sigmund Thebert (rechts) und Sefedin Braha (links).
Bild: Michael Hochgemuth

Adrian Maliqi Raatz träumt von einem Kampf in Las Vegas. Doch um um große Titel boxen zu können, muss er sich innerhalb der Verbände einen Ruf erarbeiten.

Zweimal rechts. Links. Zweimal rechts. Links. Wuchtig drischt Adrian Maliqi Raatz im Stakkato auf den schwarz-roten Sandsack ein. Mit grimmigem Gesichtsausdruck, zugleich hoch konzentriert. Das Boxstudio im Keller des Vereinsgebäudes des Polizeisportvereins Augsburg ist für Raatz zu einem zweiten Zuhause geworden, sechs Tage die Woche stählt er hier seinen Körper. Bereitet Muskeln und Sehnen darauf vor, im Faustkampf Mann gegen Mann bestehen zu können. Denn sollte der Moment kommen, will Raatz bereit sein.

Der junge Mann mit den kahl geschorenen Schläfen und den auffälligen Tattoos auf der Brust betont: „Ich hoffe auf meine große Chance.“ Auf einen Kampf vor tausenden Zuschauern, in Las Vegas oder einer anderen Metropole, die dem Boxsport eine große Bühne bietet. Raatz‘ Augen leuchten, als er sagt: „Mein Traum ist es, einmal in den USA zu boxen.“

Im Sammelsurium der Boxverbände nach oben dienen

Vorerst muss sich der Augsburger im Sammelsurium unterschiedlicher Boxvereinigungen nach oben dienen. Nationale Verbände wie die Global Boxing Union (GBU), German Boxing Association (GBA) oder Global Boxing Council (GBC) fungieren als Sprungbretter, um in einem Verband mit weltweitem Einfluss Fuß zu fassen.

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Hintergrund: Im Profiboxen existiert keine zentrale Organisation, die die nationalen Verbände vereint. Weltverbände wie die World Boxing Association (WBA) sind gewinnorientierte, unabhängige Unternehmen. Die Gebühr für einen Kampf liegt in der Regel bei etwa drei Prozent der Kampfbörse. Über die Vermarktung eines Duells oder Boxers sollen möglichst hohe Einnahmen erzielt werden. Raatz erklärt: „Wichtig ist, gegen wen du kämpfst. Wenn du gegen bekannte Leute antrittst, ist das das Beste.“

Offiziell nennt er sich Profiboxer, verdient damit aber nicht seinen Lebensunterhalt. Der Weg zum Berufsboxer ist weit. Raatz ist mit Mitstreitern und Veranstaltern vernetzt, die ihm eine Plattform für einen Kampf bieten. Raatz verfügt über Sponsoren, Geld verdient er aber nicht mit dem Boxen, wie der Augsburger einräumt. Im Gegenteil. „Oft muss ich den Gegner sogar selbst bezahlen“, sagt Raatz. In München arbeitet er für einen Zulieferer in der Luftfahrtindustrie, an den Drei-Schicht-Betrieb und das intensive Training musste sich der 25-Jährige erst gewöhnen. Inzwischen achtet er gezielter auf seine Ernährung und gönnt sich Ruhephasen.  Als Mittelgewichtler darf er 72,5 Kilogramm nicht überschreiten, mitunter muss er vor dem Wiegen nochmals Gewicht abbauen. „Das ist immer eine Punktlandung“, sagt er und grinst. Dass er sich wegen seines Sports im Verzicht üben muss, diese Ansicht teilt er nicht. „Ich weiß, wofür ich es mache. Ich finde nicht, dass ich etwas opfere.“

Im Kickboxen wurde Raatz Vizeweltmeister der Amateure

Als Bub interessierte sich Raatz für Fußball, vor rund acht Jahren wechselte er endgültig zum Kampfsport. Er habe „Blut geleckt“, wie er es nennt, das Adrenalin pushte ihn. Im Kickboxen stellten sich schnell Erfolge ein, als Jugendlicher zeigte er sein Können auf deutschen Meisterschaften, ebenso betrat er bei Europa- und Weltmeisterschaften den Ring. 18 Jahre war er alt, als er im niederländischen Valkenburg Vizeweltmeister der Kickboxamateure wurde. Er punktete vor allem mit den Fäusten, weniger mit den Füßen. Dass er nun ausschließlich boxt, lag nahe.

Vater Nexhat Maliqi gesteht, beim ersten Kampf seines Sohnes nervös gewesen zu sein. Nach inzwischen 14 Profiduellen seines Sohnes wirkt der 53-Jährige ein wenig gelassener. Adrian Raatz ist sich der Gefahr bewusst, der er sich im Viereck aussetzt. Sich selbst während eines Kampfes einzuschätzen, im Eifer des Gefechts, ist schier unmöglich. Im Ernstfall wirft der Trainer das Handtuch, um seinen Schützling vor Verletzungen und Folgeschäden zu bewahren.

Bisher blieb den Trainern Sefedin Braha, 62, und Sigmund Thebert, 44, dieses Eingreifen erspart. Thebert schätzt die Disziplin seines Schützlings, der für klassische Boxschule steht. Im Ring fehle ihm noch Routine, urteilt er über Raatz. „Und er ist zu brav“, schiebt der erfahrene Coach hinterher.

Anfang Juli boxt Adrian Maliqi Raatz in Nürnberg

Anfang Juni besiegte Raatz in Donauwörth Slavisa Simeunovic nach Punkten, am 6. Juli trifft er in Nürnberg auf Kenan Penjic. Die Veranstaltung des österreichischen Verbands ABF will Raatz nutzen, um sich in der Rangliste zu verbessern. Das hilft, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und einmal um einen vakanten Titel eines Verbands zu boxen. Den Traum von den USA hat Raatz schließlich noch nicht aufgegeben.

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