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FC Augsburg

28.12.2020

Wie sich Sören Dreßler vom FCA-Profi zum Lokalpolitiker wandelte

Sören Dreßler bejubelt 2006 als FCA-Kapitän den Zweitliga-Sieg über den TSV 1860 München. 2008 wechselt Dreßler zum FC Ingolstadt, 2010 beendet er seine Karriere als Profifußballer.
Bild: kolbert-press (Archiv)

Plus Der gebürtige Thüringer Sören Dreßler gehörte über viele Jahre zum Kader des FCA. Heute arbeitet er als Immobilienkaufmann und sitzt im Diedorfer Gemeinderat.

Es ist für einen Leistungssportler und ehemaligen Fußballprofi ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, den Sören Dreßler gegangen ist. Weg vom grünen Rasen und der Trainerbank, hinein in ein Büro als Immobilienkaufmann und als Gemeinderat in das Sitzungszimmer eines Rathauses. Schritte, die Sören Dreßler bisher nicht bereut hat. Obwohl er nach seiner Spielerkarriere auch als Trainer durchaus erfolgreich war. Mit dem TSV Schwaben Augsburg marschierte er von der Bezirksliga bis in die Bayernliga durch, schaffte mit den „Violetten“ den Klassenerhalt und absolvierte zeitgleich eine zweijährige Ausbildung zum Immobilienkaufmann.

Seit 2002 lebt der gebürtige Thüringer in Diedorf, der 11.000-Einwohner-Gemeinde vor den Toren Augsburgs. Damals war er vom Zweitligisten SSV Reutlingen zum FCA gewechselt. In der Fuggerstadt wurde er schnell zum festen Bestandteil der in der Regionalliga (dritte Liga) beheimateten Mannschaft. Das Fußball-Einmaleins hatte er noch vor der Wende in Gefell in Thüringen gelernt, über Schleiz ging’s ins Sportinternat nach Jena. „Allerdings nur für ein Jahr“, erinnert sich Dreßler. Anschließend schloss sich der talentierte Nachwuchskicker der SG Hirschberg/Saaletal an. Dann wechselte der gelernte Kfz-Mechaniker in den Westen zum traditionsreichen Bayern Hof. Aus Oberfranken holte ihn der damalige Reutlinger Trainer Armin Veh an die Kreuzeiche. In Württemberg absolvierte Dreßler 16 Spiele in der zweiten Liga. Mit 24 Jahren wurde er Profi.

Dreßler avancierte beim FC Augsburg zum Leistungsträger

2002 folgte dann der Schritt nach Augsburg. „Der damalige Trainer Ernst Middendorp hatte meinen Teamkollegen Nico Sbordone beobachtet und dann bin ich wohl auch aufgefallen“, erzählt Dreßler, der am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen 45. Geburtstag feierte. Der Wechsel ins bayerische Schwaben wurde rasch über die Bühne gebracht. Ein Schritt, den er nie bereut hat. Denn der FCA hatte sich damals mächtig verstärkt, der blonde Abwehrspieler avancierte zum Leistungsträger und feierte 2006 mit der Mannschaft den Aufstieg in die zweite Bundesliga. 23 Jahre hatten die Augsburger auf die Rückkehr in den bezahlten Fußball warten müssen.

Der schlafende Riese zwischen Lech und Wertach landete am Saisonende auf dem siebten Platz. Mit Sören Dreßler als Führungsspieler. „Bei unserem ersten Spiel bei den Münchner Löwen im März 2007 waren rund 40.000 Fans aus Augsburg dabei“, erzählt er. Für ihn und die FCA-Anhänger, die im Fröttmanninger Fußballtempel einen 3:0-Sieg feierten, ist diese Gala ein bis heute unvergessliches Erlebnis.

Zwischen Sören Dreßler und dem FCA knirschte es im Gebälk

Doch irgendwann begann es zwischen Profi und Verein im Gebälk zu knirschen, Dreßlers Wechsel zum aufstrebenden FC Ingolstadt war 2008 die Folge. Ein Schock für manchen FCA-Anhänger. Er selbst hat das alles längst überwunden. „Manager Andreas Rettig hatte damals halt andere Vorstellungen. Ingolstadt war eine schöne Zeit für mich, auch wenn wir die zweite Liga nicht halten konnten und ich nicht sehr lange da war“, resümiert er heute.

Nach zwei Niederlagen setzte ihn Trainer Thorsten Fink auf die Bank. Zunehmende Knieprobleme mit einem Knorpelschaden machten Dreßler immer mehr zu schaffen. Zum Saisonende kam Dreßler noch zweimal zum Einsatz. Im Sommer 2010 war Schluss.

Mit dem TSV Schwaben Augsburg gelang Dreßler der Aufstieg

Für den Profi begann das Leben danach. Beim SSV Anhausen, einem Klub in seinem Wohnort Diedorf, stieg er ins Trainergeschäft ein. Nach zwei Jahren wechselte er zum Kissinger SC, mit dem er aus der Bezirks- in die Landesliga aufstieg. Diese Erfolge blieben auch den Verantwortlichen des TSV Schwaben Augsburg nicht verborgen. Sie holten ihn zum Traditionsklub, und er marschierte von der Bezirksliga bis in die Bayernliga durch. Neben seiner Trainertätigkeit erwarb er auch die Spielerberater-Lizenz. Zudem ließ er sich zum Immobilienkaufmann ausbilden.

Nach seiner aktiven Zeit machte sich Sören Dreßler als Trainer einen Namen. Nach dem Einstieg beim SSV Anhausen und zwei Jahren in Kissing heuerte ihn der TSV Schwaben Augsburg an und stieg mit ihm bis in die Bayernliga auf.
Bild: Fred Schöllhorn

Doch irgendwann wurde es zu viel. „Beruf und Trainertätigkeit im gehobenen Amateurbereich waren nicht mehr miteinander zu vereinbaren. Zudem war ich mit der Einstellung mancher Spieler zum Sport nicht einverstanden. Das war nicht mehr meine Welt“, bemerkte er und stieg bei den Schwaben aus. Doch ganz ohne Fußball geht es doch nicht.

In Anhausen kickt er bei den Alten Herren, trainiert beim Heimatverein von Golf-Legende Bernhard Langer einmal in der Woche. In Diedorf ist der ehemalige Berufsfußballer mit seiner Familie (zwei Töchter, ein Sohn) längst heimisch geworden. Er engagiert sich dort politisch und wurde im März für die Bürgerunion in den Marktgemeinderat gewählt. Im Marktrat ist er Jugendbeauftragter.

Den erfolgreichen Weg des FCA verfolgt er nach wie vor genau, Kontakte zu ehemaligen Teamkollegen wie Marco Küntzel oder Zdenko Miletic gibt es noch.

Vor Weihnachten wollte man sich wieder wie jedes Jahr auf dem Augsburger Christkindlesmarkt treffen, doch das Ehemaligen-Treffen musste coronabedingt in diesem Jahr ausfallen.

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