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FC Augsburg

22.06.2016

Wo Alfred Finnbogason seine Fußball-Karriere begann

Bei der EM in Frankreich kann Finnbogason mit seinen Isländern noch ins Achtelfinale einziehen.
Bild: Anne-Christine Poujoulat/afp

Alfred Finnbogason gehört zu den Spielern, die an Islands Fußballmärchen in Frankreich arbeiten. Ein Sieg fehlt um ins Achtelfinale einzuziehen.

Auf dem Schreibtisch liegt ein Brief an den FCA. Es geht um Geld. Da Alfred Finnbogason ab der nächsten Spielzeit fest für den Fußball-Bundesligisten spielt, bekommt sein früherer Verein Breidablik in Island noch Erlöse für den Transfer von Spanien nach Augsburg. Auch ohne dieses Geld – Alfred Finnbogason ist in seinem Heimatklub unvergessen. Dazu trägt er selbst bei.

Augsburgs Stürmer besucht seine ehemaligen Kollegen regelmäßig, wie Eysteinn Petur Larusson, der Manager des Vereins, erzählt. Zuletzt war er nach dem Saisonende in Deutschland dort, danach ging es für ihn in die Vorbereitung für die Europameisterschaft in Frankreich.

Heute darf Alfred Finnbogason bei der EM nicht spielen. Er ist wegen zwei Gelber Karten gesperrt, wenn die Isländer gegen Österreich das Achtelfinale erreichen können. Larusson wundert Finnbogasons Sperre wenig. „Er ist ein Typ, der um die Bälle kämpft, das war er hier auch schon.“

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Finnbogason: Spieler des Jahres 2010

Finnbogason war 2009 und 2010 der Torjäger der Mannschaft, die erst den isländischen Pokal und im Jahr darauf die isländische Meisterschaft gewonnen hat. In einer Vitrine im Vereinsstadion stehen neben dem Meisterpokal Finnbogasons Schuhe, die er im letzten Spiel getragen hat. Daneben ist eine Auszeichnung angebracht: Spieler des Jahres: 14 Tore in 21 Spielen. Warum er das 22. Meisterschaftsspiel verpasste? Natürlich wegen einer Gelben Karte zu viel.

In einer Vitrine beim früheren Verein Breidablik stehen die Schuhe vom letzten Spiel.
Bild: Richard Mayr

Grindavik ist mittlerweile ein Topklub in Island. Es ist der Ausbildungsverein der Insel am Rand von Europa. Mehr als 1400 Kinder unter 18 Jahren trainieren dort. Schon 20 Spieler habe man seit 2000 ins Ausland verkauft, erzählt Larusson mit ein wenig Stolz in der Stimme. Wegen dieser Jugendförderung hat Finnbogason von 2005 an dort gespielt. Das Stadion des Klubs gehört zu den vier, fünf größten des Landes: 1430 Zuschauer haben auf der Haupttribüne Platz, 350 auf der Gegentribüne.

Alles ist ein paar Nummern kleiner, dadurch aber auch entspannter in der isländischen Pepsideild, der höchsten isländischen Liga, die, wie unschwer zu erkennen ist, sich vom amerikanischen Getränkekonzern sponsern lässt. Wie entspannt, zeigt sich auch daran, dass man als Journalist einfach ins Vereinshaus spaziert und dort ohne Voranmeldung mit dem Manager ins Gespräch kommt.

Manager Eysteinn Petur Larusson erinnert sich an seinen Angreifer.
Bild: Richard Mayr

Alles begann in Grindavik

Auch wenn Eysteinn Petur Larusson es lieber gewesen wäre, wenn er einen ehemaligen Coach von Finnbogason dazu gewonnen hätte: Aber der eine muss die Mannschaft auf ein wichtiges Qualifikationsspiel für die Euro League vorbereiten. Und die anderen beiden Trainer sind gerade in Frankreich und drücken dem isländischen Team mit 15.000 weiteren Fans von der Insel die Daumen.

Angefangen hat Finnbogason bei einem viel kleineren Verein in Grindavik. Der Ort mit seinen 2000 Einwohnern liegt 40 Kilometer von Reykjavik entfernt am Meer. Der Verkäufer im einzigen Supermarkt sagt süffisant, dass es hier nichts gebe: kein Geschäft für Campingartikel, auch keinen Shop von örtlichen Mobilfunkanbietern. Was es heute im Ort aber gibt, ist ein großer überdachter Fußballplatz. Wobei im Dauerregen bei hochsommerlichen 12 Grad selbstverständlich draußen trainiert wird.

In Grindaviks Vereinsheim begann Finnbogasons Karriere.
Bild: Richard Mayr

Früher gab es im Ort neben den Fischereibetrieben, die hauptsächlich Stockfisch herstellen, auch eine Fischmehlfabrik. Die gehörte Finnbogasons Urgroßvater, dann seinem Großvater und zuletzt seinem Vater. Der verkaufte die Fabrik an einen großen Konzern, dann brannte sie ab. Das erzählt Porlakur Gudmundsson, der früher in der Fabrik gearbeitet hat und heute in Grindavik ein Restaurant betreibt. Und klar kennt er die Finnbogasons, nicht Alfred, sondern die Eltern. Er ist mit seiner Mutter gemeinsam zur Schule gegangen; erst kürzlich haben sie 40 Jahre Konfirmation gefeiert. Ein großes Fest.

Finnbogason: Einer, der auf dem Boden geblieben ist

Ein noch größeres Fest ist für die Isländer gerade diese Fußball-Europameisterschaft. Das Land mit seinen 320.000 Einwohnern hat es fertig gebracht, eine Nationalmannschaft zu stellen, die sich für das Spektakel qualifizieren konnte. Noch nie sind so viele Isländer gleichzeitig an einem Fleck außerhalb ihres Landes versammelt gewesen, wie jetzt an den Spielorten in Frankreich. Die Spieler sind Helden für die Menschen, aber Helden auf isländische Art.

Da schaut man nicht bewundernd von ganz weit unten auf, da schaut man sich immer noch fast auf Augenhöhe an. Und einer wie Alfred Finnbogason bleibt bei allem Rummel angenehm auf dem Boden. Island ist schließlich eine Insel, auf der immer noch jeder jeden kennt oder zumindest einen anderen, der mit dem anderen bekannt ist. Für Abgehobenheit ist da kein Platz.

Und alle, die irgendwie mit Finnbogason bekannt sind oder jemanden kennen, der mit ihm bekannt ist, die Grindaviks Fußballspielerinnen, die durchnässten Jungs auf dem Platz, der Mitarbeiter am Campingplatz, der Restaurant-Betreiber oder der Fußball-Manager – sie alle sind sich einig: Alfred Finnbogason, das ist ein guter Kerl. Einer, der auf dem Boden geblieben ist, einer wie sie.

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