Fast 20 Jahre lang war die evangelische Kirchengemeinde St. Thomas an zwei Standorten in Kriegshaber präsent. Jetzt muss sie sich von einer Immobilie trennen. „Das tut uns in der Seele weh“, beschreibt Birgit Ritter vom Kirchenvorstand die aktuelle Gemütslage der Verantwortlichen. Es geht um die Chapel samt Pavillon im ehemals amerikanischen Wohnquartier Centerville-Süd, die unter anderem für die Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenresidenz Albaretto kurze Wege bedeutet. Was die Gründe für die Aufgabe der Filiale sind und wie es für St. Thomas weitergeht.
Die Zahl der Gemeindeglieder von St. Thomas nimmt ab
Die Entscheidung, die Chapel in der Columbusstraße zum 31. Juli aufzugeben, wird auf der Webseite der Gemeinde in roter Schrift verkündet. Man könne sich „für die Aufrechterhaltung des Gemeindelebens leider keine zwei Standorte mehr leisten“. Das liege unter anderem an der rückläufigen Zahl der Gemeindeglieder. Einen Schlussstrich zu ziehen, habe auch die Gesamtkirchengemeinde St. Thomas ans Herz gelegt, so Ritter.
Diese ist seit 1999 Eigentümerin der Kirche, zu der etliche Nebenräume und ein Pavillon gehören. Seit 2007 nutzt St. Thomas die Immobilie und ist für Erhalt und Betrieb verantwortlich. Neben der Gemeinde, der die Chapel unter anderem für Gottesdienste, Chorproben und die Jugendarbeit dient, sind auch etliche externe Mieter in den Räumen anzutreffen. Es sei davon auszugehen, dass die bestehenden Mietverhältnisse nahtlos fortgeführt würden, teilt das Dekanat auf Anfrage mit. Der bauliche Zustand der Gebäude sei grundsätzlich gut. „Einzelne Bauunterhaltsmaßnahmen sind erforderlich.“
St. Thomas wird sich ab Sommer auf den Hauptsitz an der Rockensteinstraße konzentrieren. Dort befindet sich die von Olaf Andreas Gulbransson erbaute und 1961 eingeweihte Kirche samt Gemeindezentrum und großem Park. Künftig soll es hier für alle Gemeindegruppen, die bislang in der Chapel untergebracht waren, Räume geben.
Die Pfarrstelle ist seit über zwei Jahren vakant
Die evangelische Gemeinde ist nicht die einzige, der der Unterhalt der Gebäude finanziell über den Kopf wächst. Sowohl auf protestantischer als auch katholischer Seite gibt es in Augsburg weitere Beispiele. St. Thomas jedoch hat seit mehr als zwei Jahren noch eine weitere Baustelle: Seit dem Weggang von Frank Witzel ist die Pfarrstelle vakant. Das religiöse und soziale Gemeindeleben wird von Vertretungen sowie den Haupt- und Ehrenamtlichen aufrechterhalten. Hauptproblem sei nach wie vor der Priestermangel, sagt Birgit Ritter vom Kirchenvorstand. Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber könnten sich ihren Einsatzort aussuchen. „Und da steht St. Thomas leider nicht an erster Stelle.“ Die Stelle sei jedoch weiterhin ausgeschrieben.
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