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Vom Bastler bis zur Influencerin: Wer bei Contact in Augsburg auf Schatzsuche geht

Augsburg

„Hier standen auch schon Porsches“: Wer im Sozialkaufhaus auf Schnäppchenjagd geht

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    Von Geschirr über Kleidung bis Weihnachtsdeko: Im Sozialkaufhaus Contact in Augsburg-Haunstetten gibt es so gut wie alles.
    Von Geschirr über Kleidung bis Weihnachtsdeko: Im Sozialkaufhaus Contact in Augsburg-Haunstetten gibt es so gut wie alles. Foto: Klaus Rainer Krieger (Archivbild)

    Einen Kleiderschrank, ein Wandregal und einen Hocker: Auf ihrem Instagram-Account „saniskates“ zeigt Influencerin Sandra ihre Ausbeute von einem Shopping-Ausflug. Eingekauft hat die junge Frau allerdings nicht im Möbelhaus, sondern in Augsburgs Sozialkaufhäusern. Und die werden in den sozialen Medien vielfach angepriesen – mitunter sogar von Influencern aus München. In Gebrauchtwarengeschäfte gehen längst nicht mehr nur Menschen, die wenig Geld haben. Welche Leute treibt es dorthin? Und was suchen sie? Ein Besuch im Sozialkaufhaus Contact in Haunstetten.

    Durch einen Secondhandladen bewegt man sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise: Der Oberkörper ist leicht nach vorn gebeugt, der Gesichtsausdruck konzentriert. Die Augen suchen Regalböden und Kleiderstangen ab, gelegentlich wird ein Buch in die Hand genommen oder mit der Brille auf dem Nasenrücken eine Vase auf Sprünge untersucht. Alexander aus Aichach kramt sich an diesem Nachmittag gerade durch eine Kiste, denn er sucht etwas ganz Bestimmtes. „I bin a Bastler“, sagt der Mittsechziger, zückt sein Smartphone und zeigt Fotos von verschiedenen Skulpturen, die er aus Kronkorken gefertigt hat. Bei Contact, sagt er, finde er immer etwas.

    Das Sozialkaufhaus Contact in Augsburg-Haunstetten gleicht einem riesigen Flohmarkt

    Blanka aus Haunstetten hält gerade einen Kleiderbügel mit einem Babypullover ins Licht. Die 66-Jährige kommt regelmäßig in den Laden, um „nette Sachen“ für ihren Enkel zu kaufen, erzählt sie. Zum einen, weil sie gern stöbert, zum anderen, um ein wenig zu sparen: „Ich sehe es nicht ein, einen Haufen Geld dafür auszugeben, wenn ich es hier so günstig bekomme“, sagt sie. Dass im Sozialkaufhaus auch Menschen einkaufen, die nicht unbedingt bedürftig sind, überrascht die Augsburgerin nicht. „Man erkennt ja an den Autos auf dem Parkplatz, wer hier einkaufen geht“, meint Blanka. „Hier waren auch schon Porsches gestanden.“

    Zwischen all den Hosen, Kleidern und Mänteln kann es im Contact schon mal eng werden. Roswitha Kugelmann und ihr Team versuchen, die gut 2000 Quadratmeter große Verkaufsfläche bis auf den letzten Zentimeter zu nutzen – unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften, versteht sich. Kugelmann hat den sozialen Verein „Contact“ im Jahr 1999 mitgegründet. Den Laden in Haunstetten, der offiziell als Zweckbetrieb dient, leitet die 72-Jährige bis heute.

    Roswitha Kugelmann leitet das Sozialkaufhaus Contact in Haunstetten.
    Roswitha Kugelmann leitet das Sozialkaufhaus Contact in Haunstetten. Foto: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

    So durchmischt wie das Angebot des Gebrauchtwarengeschäfts ist auch seine Klientel. „Zu uns kommen alle“, berichtet Kugelmann: Alleinerziehende, Rentnerinnen und Rentner, aber auch Studierende. Vertreten seien alle Altersgruppen und Nationalitäten. Zwar richte sich das Angebot an „Menschen in schwierigen Lebenslagen“, erklärt Kugelmann. Dass bei Contact aber auch Sammler und Händler einkaufen, weiß sie. Ebenso Menschen, die nachhaltiger konsumieren und Gebrauchtem ein zweites Leben schenken wollen – und die, die einfach ein Schnäppchen machen wollen.

    Kritisch sieht die 72-Jährige das nicht. Im Gegenteil: „Es ist schön für uns, dass das so gut angenommen wird.“ Aufgrund der gestiegenen Mindestlöhne und Energiepreise werde es zunehmend schwieriger, die Kosten zu decken, erklärt Kugelmann. „Deshalb sind wir dankbar um jeden Euro.“ Laut Kugelmann steige die Nachfrage nach günstigen, gebrauchten Sachen. Das merkt sie vor allem an den Schuhverkäufen: „Früher war das noch so eine Hygienesache, da haben wenige zu gebrauchten Schuhen gegriffen“, erzählt sie. Heute verkaufe sie um die 100 gebrauchte Paar Schuhe pro Tag.

    Bücher kosten bei Contact seit über 25 Jahren das gleiche

    Innerhalb des Kaufhauses gibt es zwei sogenannte „Boutique“-Bereiche, in denen höherwertige Sachen für etwas mehr Geld angeboten werden. „Dort haben wir ein wenig mit den Preisen angezogen“, gesteht Kugelmann, „in erster Linie, um in den anderen Abteilungen so günstig bleiben zu können“. Der Bücherpreis zum Beispiel habe sich seit der Eröffnung des ersten Geschäfts im Jahr 2000 nicht verändert: Ein Kilogramm Bücher kostete ursprünglich fünf D-Mark, nach der Einführung des Euros dann 2,50 Euro. Dieser erschwingliche Preis hat auch Elena in das Sozialkaufhaus gelockt. Die Ukrainerin ist vor drei Jahren nach Deutschland gekommen. Ihre Tochter lese gern Bücher auf Deutsch – „und sie will richtige Bücher“, betont Elena, keine E-Books.

    Von Sach- und Kinderbüchern bis zu dicken Bildbänden: Im Sozialkaufhaus im Augsburger Süden gibt es eine eigene Abteilung nur für Bücher.
    Von Sach- und Kinderbüchern bis zu dicken Bildbänden: Im Sozialkaufhaus im Augsburger Süden gibt es eine eigene Abteilung nur für Bücher. Foto: Klaus Rainer Krieger (Archivbild)

      Die 17-jährige Iris ist zusammen mit ihren Eltern aus Kissing hergekommen – oder eher die Eltern mit ihr. Iris mag das „Geben und Nehmen“-Prinzip von Secondhandläden, sagt sie: Aussortierte Kleidung bringt sie regelmäßig hierher, mag es aber auch, die gebrauchten Waren zu durchstöbern. Annika aus Landsberg, die gerade durch die „Boutique“ schlendert, geht es vor allem um den Nachhaltigkeitsaspekt. Die 24-Jährige sei gegen „Fast Fashion“ und wolle alte Sachen erhalten. Die hätten ohnehin mehr Charakter, sagt sie. Ihr Begleiter nickt: „Neue Sachen gefallen mir einfach nicht.“

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