Auf dem Arbeitsmarkt bleibt es passend zur Jahreszeit frostig. Im Januar ist die Arbeitslosenzahl wie erwartet erneut gestiegen. Im gesamten Agenturbezirk Augsburg - er umfasst die Stadt sowie die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg - waren 20.215 Menschen ohne Job. Das sind 7,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Wir erwarten weiter keinen Aufschwung“, sagt Elsa Koller-Knedlik, die Chefin der Augsburger Arbeitsagentur. Wer derzeit besonders von Arbeitslosigkeit betroffen ist - und wer sich weniger Sorgen machen muss.
Welche Jobs bleiben 2026 in Augsburg sicher?
Die Nachfrage wächst vor allem in Gesundheitsberufen sowie in der Pflege, der Erziehung, bei Firmen, die im Bereich Rüstung aktiv sind. Jobs gibt es auch in der öffentlichen Verwaltung. Das seien Zukunftsbranchen – auch in Augsburg, so Koller-Knedlik. Konkrete Berufsbezeichnungen als „sichere Jobs“ zu nennen, hält sie jedoch für kaum noch möglich. Berufe würden längst nicht mehr eins zu eins übernommen. Wie ein Berufsbild ausgestaltet sei, hänge stark vom Betrieb und der jeweiligen Abteilung ab. Ein IT-Fachmann sei nicht gleich IT-Fachmann: Während Spezialisten etwa in der Cybersicherheit stark gefragt blieben, setze der Einsatz von Künstlicher Intelligenz andere IT-Geschäftsmodelle unter Druck.
Welche Jobs sind in Augsburg besonders von der Krise betroffen?
Auch hier spricht die Agenturchefin lieber von Branchen als von einzelnen Berufen. Besonders unter Druck stehe alles rund um den Fahrzeugbau und dessen Zulieferer – Stichwort Umstellung auf das Elektrofahrzeug. Zwar arbeite der größte Teil der Beschäftigten in Augsburg weiterhin im verarbeitenden Gewerbe, doch gerade dort seien zuletzt zunehmend Arbeitsplätze weggefallen. Schwieriger geworden ist der Einstieg auch für Berufseinsteiger, vor allem für Akademiker. Größere Unternehmen, die stark digitalisiert sind oder KI einsetzen, ersetzen laut Studien einfache Einstiegstätigkeiten zunehmend durch technische Lösungen. Damit verschwinden klassische Einstiegsjobs.
Worauf kommt es für Beschäftigte an?
„Ich bin seit 30 Jahren in diesem Bereich tätig und habe noch nie in dieser Ausprägung erlebt, dass sich Berufsbilder und Inhalte von Tätigkeiten derart schnell verändern wie in den letzten Jahren“, sagt Koller-Knedlik. Kaum jemand arbeite heute noch wie vor zehn Jahren. Nicht jeder Beschäftigte bringe automatisch die Kompetenzen mit, die in neuen Abteilungen oder bei Zukunftsprodukten gefragt seien. Eine Metastudie des Augsburger Unternehmens Possehl Consulting zeigt: 70 Prozent der im Beruf geforderten Fähigkeiten verändern sich. 49 Prozent der Beschäftigten benötigen daher eine Weiterbildung, um in ihrem erlernten Beruf bleiben zu können. Deshalb müsse jeder Arbeitnehmer bereit sein, sich kontinuierlich weiterzubilden, offen für Neues bleiben und Qualifizierungsangebote nutzen, so Koller-Knedlik. Das schütze zwar nicht vollständig vor Arbeitslosigkeit, mache aber flexibler und für mehr Einsatzbereiche attraktiv. Die Agentur begleite diesen Prozess gemeinsam mit Arbeitgebern durch Förderprogramme und Weiterbildungen. Wer in Zukunftskompetenzen investiere, könne sich auch beim Gehalt besser positionieren – unabhängig von einzelnen Berufsbildern.
Trifft die Deindustrialisierung Augsburg und was bedeutet das für die Löhne?
Die Arbeitsagentur registriert einen Rückgang der Stellen im verarbeitenden Gewerbe. Die Industrie ist in Augsburg zwar weiterhin präsent, ihr Anteil an allen Beschäftigten ist jedoch von 25 Prozent vor zehn Jahren auf 20 Prozent gesunken. Große Unternehmen wie der Getriebehersteller Renk oder Raumfahrt-Zuliefer MT Aerospace stabilisierten den Markt derzeit unter anderem durch ihre Aktivitäten im boomenden Rüstungsbereich. Gleichzeitig wachsen das Gesundheitswesen, die Erziehung, der Handel (außer stationärem Einzelhandel) sowie Teile der Immobilienwirtschaft. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist Augsburg von der Deindustrialisierung „mittelstark“ betroffen. Problematisch bleibt jedoch das Lohnniveau, Augsburg weist die niedrigsten Durchschnittslöhne in Bayern auf. „Wenn viele gut bezahlte, tarifgebundene Industriejobs wegfallen, lassen sich diese nur schwer durch andere Branchen ersetzen“, ordnet Koller-Knedlik ein.
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