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Augsburg: Standortnachteil? Wie Augsburg per Gewerbesteuer Firmen abkassiert

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Standortnachteil? Wie Augsburg per Gewerbesteuer Firmen abkassiert

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    Unternehmen in Augsburg – hier unter anderem das MAN-Gelände – müssen vergleichsweise viel Gewerbesteuer zahlen. Wirtschaftsverbände äußern Kritik, die Stadt ist auf die Einnahmen angewiesen.
    Unternehmen in Augsburg – hier unter anderem das MAN-Gelände – müssen vergleichsweise viel Gewerbesteuer zahlen. Wirtschaftsverbände äußern Kritik, die Stadt ist auf die Einnahmen angewiesen. Foto: Ulrich Wagner

    Augsburg, „Absteiger“? Sportlich ist dieses Szenario immer wieder Thema, nachzufragen bei FCA und AEV. Beide konnten dieser Brandmarkung zuletzt aber aus dem Weg gehen. Für den Wirtschaftsstandort Augsburg gilt das nun nicht mehr. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt zum Schluss, dass Augsburg aus ökonomischer Sicht genau das ist: ein Absteiger. Blickt man auf die Faktoren, die bei dieser Einordnung eine Rolle spielen, wird regelmäßig die Gewerbesteuer genannt. Sie bewegt sich auf auffallend hohem Niveau. Was umstritten ist.

    Die IW-Studie mündet in einem „Regional-Ranking“. Die Rangliste, die alle 400 deutschen Städte und Landkreise umfasst, vergleicht den Zustand von Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Vereinzelt schneidet Augsburg gut ab, etwa bei Altersstruktur (Rang 29), hochqualifizierten Beschäftigten (42) oder Ärztedichte (71). Insgesamt liegt die Stadt aber unter dem Bundesschnitt. Dabei spielt die eingebrochene Zahl der Baugenehmigungen eine Rolle, seit Jahren landet die Stadt aber beim Gewerbesteuerhebesatz, den Kommunen selbst festlegen, auf den hintersten Rängen (368). Dieser Satz liegt seit 2016 bei 470 Prozent. Das bedeutet: Unternehmen müssen bei einem jährlichen Ertrag von 100.000 Euro umgerechnet zwischen knapp 12.500 und 16.500 Euro zahlen.

    Augsburg hat den zweithöchsten Gewerbesteuerhebesatz in Bayern

    Der Wirtschaftsverband IHK Schwaben sieht darin einen „Standortnachteil“, wie Ellen Dinges-Dierig, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt, betont. Nach München (490 Prozent) habe die Stadt den höchsten Hebesatz in Bayern. „Hohe Gewerbesteuersätze belasten Unternehmen und mindern deren Investitionsbereitschaft“, sagt sie. „In einer wirtschaftlich angespannten Lage, wie sie derzeit herrscht, können diese hohen Sätze zu einer schleichenden Abwanderung bestehender Unternehmen und zur Abschreckung potenzieller Neuansiedlungen führen.“ Folge könne eine Abwanderung in benachbarte Gemeinden sein. Auswertungen zeigten, dass die Beschäftigtenzahl im Augsburger Umland zuletzt schneller gewachsen sei als in der Stadt. „Das könnte ein Hinweis sein, dass sich Unternehmen eher im Umland ansiedeln oder gar vom Zentrum ins Umland ziehen.“

    Nach Auskunft des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo passen pro Jahr rund zehn Prozent der deutschen Gemeinden ihren Gewerbesteuerhebesatz an – wobei „mehr als 90 Prozent dieser Änderungen Erhöhungen sind“, sagt Ifo-Experte David Gstrein. Die seit 2016 konstant hohen Hebesätze in Augsburg müsse man deshalb „im Umfeld einer durchschnittlichen Erhöhung verstehen“. Die Stadt Friedberg beschloss zuletzt etwa eine Erhöhung von 350 auf 380 Prozent, die Gemeinde Schondorf (Landkreis Landsberg) ging mit einer Absenkung von 300 auf 270 einen ungewöhnlichen Weg.

    Gewerbesteuer gilt als Hemmnis für Unternehmen – und als finanzielle Lebensader

    Grundsätzlich, sagt David Gstrein, habe eine Erhöhung der Sätze negative Auswirkungen auf Unternehmensgewinne, die Ansiedelung oder Abwanderung von Unternehmen, auch auf Löhne, Beschäftigung und Investitionen. „Es ergibt also vermutlich Sinn, Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Situationen nicht noch zusätzlich zu belasten.“ Bei grundsätzlichen Standort-Entscheidungen sei die Gewerbesteuer aber „nur einer von vielen Faktoren“. Wichtig seien auch Infrastruktur, Verfügbarkeit von Fachkräften oder Nähe zu Lieferanten und Kunden.

    Dies bestätigt Christoph Schmid, Geschäftsführer von „Sport Förg“. Der Sportartikelhändler zog 2017 von Göggingen nach Friedberg. Dabei hätten viele Aspekte eine Rolle gespielt, als stationäres Handelsunternehmen insbesondere Erreichbarkeit. Die Gewerbesteuer sei in den Überlegungen „untergeordnet“ gewesen, sagt Schmid.

    Die Hebesätze in der Region liegen deutlich geringer als in Augsburg. Kissing und Dasing folgen mit jeweils 380 Prozent, Gersthofen liegt bei 360, Königsbrunn bei 350, Bobingen bei 345, Stadtbergen und Schwabmünchen bei 340. Dass größere Städte höhere Gewerbesteuersätze haben als benachbarte kleinere Kommunen, ist nach Einschätzung des ifo-Experten Gstrein nicht unüblich. „Städte haben höhere Ausgaben, weil sie mehr öffentliche Güter bereitstellen – von denen übrigens auch umliegende Kommunen profitieren –, daher brauchen sie auch mehr Einnahmen“, sagt Gstrein. Städte hätten aber auch bessere Infrastruktur und Verkehrsanbindung, was für viele Unternehmen ein entscheidender Standortvorteil sei. „All das kann einen höheren Gewerbesteuersatz ökonomisch rechtfertigen“, sagt er.

    Gewerbesteuer in Augsburg macht 16 Prozent des städtischen Haushalts aus

    Das Finanzreferat der Stadt räumt ein, grundsätzlich sei ein hoher Gewerbesteuersatz bei Standortentscheidungen „natürlich nicht förderlich“. Allerdings sei die Erhöhung 2016 erforderlich gewesen, um den Haushalt auszugleichen – was auch Folge aus Vorgaben des Bayerischen Kommunalrechts sei. Teils hängen finanzielle Zuweisungen staatlicher Stellen davon ab, ob die Gewerbesteuersätze als angemessen erachtet werden. Wie wichtig die Gewerbesteuer für die städtischen Finanzen ist, zeigt eine Aufstellung der Stadt. Demnach erreichte das Brutto-Rechnungsergebnis der eingenommenen Gewerbesteuer im vergangenen Jahr mit knapp 225 Millionen Euro einen bisherigen Höchstwert. Das entspricht 16 Prozent des gesamten Stadt-Haushalts.

    Dieser Anteil bewegt sich seit der Erhöhung 2016 bei wachsenden Haushaltsvolumina auf relativ konstantem Niveau. Auf die Frage nach Überlegungen, den Hebesatz anzupassen, verweist das Finanzreferat auf Beratungen zum Haushalt 2025/2026, die im November stattfinden sollen. Grundsätzlich sei der Hebesatz eine „leicht messbare und vergleichbare Kennziffer“. Die Wirtschaftsförderung arbeite daher bei Unternehmenskontakten „immer mit weiteren, auf konkrete Anfragen abgestimmte Standortqualitäten, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes nahezubringen“.

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