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Neuvorstellung
31.03.2017

Der neue Mercedes-AMG GT C Roadster: Elf Sekunden bis zum Sommer

Spektakulär schön: Der neue Mercedes-AMG GT C Roadster in der Farbe „solarbeam“.
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Spektakulär schön: Der neue Mercedes-AMG GT C Roadster in der Farbe „solarbeam“.
Foto: Daimler AG

Schöner, schneller, teurer: Mercedes-AMG bringt rechtzeitig zu Saisonbeginn eine Cabrio-Variante des Supersportlers GT auf den Markt. Und wieder drängt sich der Vergleich mit dem Porsche 911 geradezu auf

Die Wandlung vom Coupé zum Cabrio ist gerade im Frühjahr eines der spektakulärsten Schauspiele in der Automobilwelt. Einer ihrer prächtigsten Vertreter schafft das auf Knopfdruck in frappierend kurzer Zeit. Elf Sekunden, und der Mercedes-AMG GT wird zum offenen Roadster. Elf Sekunden, und die Sonne scheint - zumindest in den Herzen der Menschen, die ein Gefühl haben für automobiles Design.

Zu viel Pathos? Mag sein, aber schöner kann der Sommer halt nicht kommen als in Gestalt des neuen Open-Air-Angeberautos aus Stuttgart. (Teurer fast auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte.). Der Roadster trägt eine noch extravagantere Optik zur Schau als das Coupé, wirkt stellenweise fast überzeichnet: der markante „Panamericana“-Grill mit senkrecht stehenden Chrom-Lamellen und dem riesigen Zentralgestirn, die ellenlange Haifisch-Schnauze mit deutlichem Überbiss, die seitlichen Kiemen, die Luftigkeit suggerierenden Seitenschweller, schließlich das kraftstrotzende, weit ausgestellte Heck mit den LED-Licht-Schlitzen. Man muss nicht AMG-Chefdesigner Volker Hellwig sein, um angesichts dieser Proportionen ins Schwärmen zu geraten.

Wer sich so – man kann es nicht anders sagen – schwei-ne-breit auf die Straße drückt, muss halten, was er verspricht. Also haben die Entwickler ihrem Meisterstück auch innerlich eine Kraftkur verpasst. Schon die Basisversion des AMG GT leistet inzwischen 476 PS, 14 mehr als früher. Exklusiv für die Frischluft-Freunde wurde zudem eine völlig neue Variante des Vierliter-V8 geschaffen: Er brennt 557 PS auf den heißen Asphalt und befeuert den Mercedes-AMG GT Roadster mit dem Namenszusatz „C“. Der Neuling stößt in die Lücke zwischen dem GT S (522 PS) und dem GT R (585 PS). Verwirrt? Dann merken wir uns einfach zwei Dinge. Erstens: Die illustre Sportwagen-Familie von Mercedes-AMG zählt mittlerweile sieben Mitglieder. Zweitens: Die Verwandten mit den zusätzlichen Buchstaben in der Modellbezeichnung sind die ganz bösen.

Doch wie sieht es mit externer Konkurrenz aus? Seit seinem Erscheinen im Jahre 2014 wird der AMG GT am Porsche 911 gemessen – ein ehrenvolles Duell, in dem mal der eine, mal der andere die Motorhaube vorne hat. Den Vergleich der Cabrios in der Kategorie „Aussehen“ gewinnt der Mercedes. Sein Stoffverdeck fügt sich geöffnet wie geschlossen super-harmonisch in die Linie, während der Elfer das seine eher wie einen Rucksack trägt. Auch die Soundwertung dominiert der AMG. Sein Biturbo grollt und brüllt, als wäre er ein Sauger. Dafür ist der Porsche in der Dynamik nicht zu schlagen. Die kaltschnäuzige Präzision eines 911 Turbo erreicht der GT C nicht ganz.

So gut der Mercedes-Roadster seine fehlende Leichtigkeit mit Leistung wettmachen kann: Er bleibt ein üppig dimensionierter Schwerathlet, der im Gänsehaut-Bereich gerne mal ein Eigenleben entwickelt. Dann beginnen die mächtigen 305er Walzen hinten herrlich von den Grenzen der Neutralität zu singen und die Vorderachse kämpft mit zunehmendem Schub. Dabei ist das Kurvenverhalten technisch eigentlich verbessert worden: Die Hinterräder lenken jetzt mit, unter 100 km/h in entgegen gesetzter, darüber in gleicher Fahrtrichtung wie die Vorderräder. Das elektronisch geregelte Hinterachse-Sperrdifferential hilft ebenfalls tüchtig, wenn es flott um die Ecken gehen soll.

Aber muss das wirklich sein? Von Natur aus ist ein offener Wagen, zumal wenn er die Bezeichnung GT für „Gran Tourismo“ trägt, vielleicht eher Cruiser als Racer. Und Komfort können die Schwaben. Der Innenraum ist mit Mercedes-typischer Opulenz veredelt, die Lederqualität herausragend. Insassen genießen Wellness unter freiem Himmel. Lediglich die erstmals mit dem Nackenföhn Airscarf erhältlichen AMG-Sportsitze bilden eine Ausnahme. Sie verdienen allenfalls das Prädikat „hart, aber fair“, betten sie Passagiere doch längst nicht so kommod wie andere Fauteuils aus Stuttgart. Dafür geben sie jedes Detail über die Fahrbahnbeschaffenheit direkt an die Wirbelsäule weiter. Das schafft eine geradezu intime Bindung zur Straße. Im sportlichsten Fahrmodus spüren es die Insassen sogar, wenn sie einen Baumarktprospekt überrollen. Das ist natürlich auch der Preis eines ultrastraff angestimmten Fahrwerks.

A propos Preis. Da müssen potenzielle Sonnenanbeter jetzt ganz stark sein. Der Einstieg für den Mercedes-AMG GT Roadster liegt bei knapp 130000 Euro - ein Anfang, mehr nicht. Wer den Wagen in seiner vollen Pracht und Performance erleben will inklusive der beschriebenen Innovationen, muss zum mindestens 160650 Euro teuren GT C greifen. Und selbst dann lässt sich der Sonnenkönig aus Stuttgart mit einer Auslese feinster Extras noch so aufwerten, dass auf dem Preisschild eine zwei vorne steht. Tja. Wer schön sein will, muss leiden.

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