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Test
21.05.2022

Taycan im Test: Es ist ein Porsche, trotz Elektromotor

Eilige Fracht: Der Taycan „Sport Turismo“ ist ein Kombi, auch wenn ihn Porsche nie so nennen würde.
Foto: Porsche

Verblüffend, mit welcher Selbstverständlichkeit ausgerechnet die Legende unter den Sportwagenmarken den Schritt in die E-Mobilität geht. Der Taycan Sport Turismo im Test.

Vermutlich war es nicht wirklich im Sinne der Erfinder der ökologischen Verkehrswende, dass die Elektroautos den Verbrennern nur so um die Ohren fahren. Sie beschleunigen in der Realität nicht nur so stark, dass es den Insassen die Backen nach hinten zieht, sondern liefern auch auf dem Papier Leistungsdaten ab, bei denen selbst Menschen mit Benzin im Blut der Atem stockt.

Angeführt von den Teslas dieser Welt haben irrwitzige Stromer die 1000-PS-Schallmauer längst durchbrochen. Da darf Porsche, wo man noch nie Angst hatte vor großen Zahlen, natürlich nicht fehlen. Zwar presst der potenteste Vertreter der Porsche-Elektrobande, der Taycan Turbo S, „nur“ 761 PS auf die Straße. Aber die Zuffenhausener bestreiten die neue Zeitrechnung auch nicht mehr allein mit Pferdestärken, sondern vielmehr mit Volt.

Porsche Taycan mit 800-Volt-Technologie

Und in dieser Disziplin war der Taycan das erste Serienfahrzeug der Welt, das mit einer Systemspannung von 800 Volt anstatt der bei Elektroautos üblichen 400 Volt antrat. Das soll die von Porsche-Fahrern traditionell hoch geschätzte Tempohärte gewährleisten. Problem nämlich von Modellen mit weniger Spannung: Sie können Höchstleistungen nicht in Serie, sondern nur punktuell abrufen, und brauchen dazwischen eine Pause. Nicht so bei Porsche, wo die 800 Volt eine Vollgasfestigkeit garantieren sollen, wie man sie zum Beispiel von den 911er-Modellen mit Boxermotor kennt. Dieser Trumpf soll vor allem gegen Erzrivale Tesla stechen.

So schnell lädt der Porsche Taycan

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sitzt an der Hinterachse aller Taycans: ein Zweigang-Getriebe, das dem E-Porsche sowohl beim Sprint als auch in der Spitze Beine macht. Entscheidend für die Performance des Wagens ist anders als in der ollen Verbrenner-Vergangenheit nicht die Wahl des Motors – diese Wahl gibt es de facto gar nicht – sondern die des Akkus.

Wer hier das Maximum herausholen will, muss im Taycan Sport Turismo zur „Performance Batterie Plus“ greifen. Sie verfügt über eine Kapazität von 93,4 kWh, während in die kleinere Batterie, welcher der Namenszusatz „Plus“ fehlt, nur 79,2 kWh passen. Der größere Energiespeicher bringt neben der erwähnten 800-Volt-Technologie nicht nur mehr Reichweite und mehr Leistung, sondern mehr Geschwindigkeit an der Ladesäule mit. Dank einer Ladeleistung von bis zu 270 kW werden die Batterien in 22 Minuten und 30 Sekunden von fünf auf 80 Prozent geladen. Fünf Minuten an der Strippe sollen reichen, um für 100 Kilometer „nachzutanken“.

Die reichweitenstärksten Taycans kratzen an der 500-Kilometer-Marke, aber natürlich nur, wenn man sie fährt, wie man einen Porsche eigentlich nie fährt. Denn auch dieser elektrische Repräsentant der ikonischen Marke ist keiner, der zur Zurückhaltung einlädt.

Porsche Taycan 4S Sport Turismo mit Performance-Batterie: technische Daten

  • max. Leistung 390 kW (530 PS)
  • max. Drehmoment 640 Nm
  • Batteriekapazität 79,2 kWh
  • max. Reichweite 441 km
  • Stromverbrauch 25,7 kWh
  • max. Ladeleistung 225 kW
  • 0-100 km/h 4,0 Sek.
  • Spitze 250 km/h
  • Länge/B./H. 4,96/1,97/1,39
  • Leergewicht/Zul. 2170/705 kg
  • Kofferraum 446 – 1212 (84) l
  • Preis ab 107.439 Euro

Was die Fahrdynamik betrifft, reicht der Taycan, der als „Sport Turismo“ in einer Kombi-Variante antritt, fast an einen 911er hin. Lediglich im Einlenkverhalten und in der Präzision, mit der die Kurven filetiert werden, hat der Benziner gefühlt die Nase noch vorne – kein Wunder angesichts der beiden unterschiedlichen Gewichtsklassen. Im Vergleich zu einem 911er bringt ein Taycan mehr als 500 Kilogramm zusätzlich auf die Waage! Das sind Welten, die aber erstaunlich gut kompensiert werden.

Lediglich die deutlich früher singenden Reifen verraten, dass hier Schwerstarbeit verrichtet wird. Ansonsten schenkt auch der „ökologische“ Porsche seinem Gebieter wie selbstverständlich ein Übermaß an purer Fahrfreude. Und als Sport Turismo sogar richtig viel Platz. Es ist ein Porsche, nicht mehr und nicht weniger.

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