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Test
05.05.2022

Tschüss, Stinger! Ein Abschied von Kias schärfstem Stachel

Ein Bild von einer Sportlimousine: der Kia Stinger.
2 Bilder
Ein Bild von einer Sportlimousine: der Kia Stinger.
Foto: Tobias Schaumann

Kein Nachfolger in Sicht: Kias erste klassische Sportlimousine könnte gleichzeitig auch die letzte gewesen sein. Eine Abschiedsfahrt.

Stinger adé, scheiden tut weh: Wenn die Anzeichen nicht trügen, ist der Kia Stinger nicht nur die erste, sondern gleichzeitig die letzte Sportlimousine des Herstellers. Offiziell ist es noch nicht, aber einen Nachfolger bekommt der Korea-Kracher offenbar nicht mehr.

Für die Freunde klassischer Sportwagen eine traurige Nachricht – wieder einer weniger, auch wenn man einem solchen Auto im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte natürlich keine Träne nachweinen muss. Im Elektroauto-Quartett sticht ein V6-Benziner mit 3,3 Litern Hubraum und 366 PS heute kaum mehr.

Der Kia Stinger bietet nach wie vor viel fürs Geld

Dabei war der Kia Stinger lange Zeit so etwas wie der Stachel im Fleisch insbesondere von Audi und BMW, stellte sie preislich sogar in den Schatten. 60.620 Euro kostet der letzte Stinger, und zwar in einer derart umfangreichen Basisausstattung, dass für Extras kein einziger Cent zusätzlich eingeplant werden muss. Serienmäßig bringt der Bolide unter anderem 19-Zöller, beheiz- und belüftbare Velour-Sportsitze sowie ein Harman-Kardon-Soundsystem mit. Nach wie vor auf der Höhe der Zeit befindet sich die Infotainment-Landschaft mit ebenfalls serienmäßigem Head-Up-Display. Solche Gimmicks lassen sich andere teuer bezahlen.

Kia Stinger 3.3 T-GDI AWD: technische Daten

  • Hubraum 3342 ccm
  • Leistung 269 kW, 366 PS
  • Drehmoment 510 Nm ab 1300/min
  • Länge/B./H. 4,83/1,87/1,40
  • Leergewicht/Zul. 1933/392 kg
  • Anhängelast gebr. 1000 kg
  • Kofferraum 406 – 1114 l
  • 0 – 100 km/h 5,4 s
  • Spitze 270 km/h
  • Normverbrauch 10,4 l Super
  • CO2-Ausstoß 238 g/km
  • Energieeffizienzklasse F
  • Preis ab 60.620 Euro

Entwickler und Designer kamen aus Bayern

Die Rivalität gerade zu den bayerischen Premium-Platzhirschen kommt nicht von ungefähr. Wir erinnern uns: Der Kia-Konzern wurde auch dadurch groß, dass gezielt Topmanager aus Deutschland abgeworben wurden. Wenn man so will, ist der Stinger auch ein bayerisches Produkt. Sein Chefdesigner arbeitete vorher für Audi, der Chefentwickler einst für BMW.

Eine Erfolgsgeschichte wurde trotzdem nicht wirklich daraus. Warum eigentlich nicht, fragt man sich nun, wo das Ende naht. Sieht der Stinger nicht einfach fantastisch aus? Fährt er sich nicht einfach topp? Ist er nicht geradezu ein Schnäppchen? Die Fachwelt sagte ja, aber die Verkaufszahlen sprachen letztlich eine andere Sprache.

Ein letztes Mal: So fährt sich der Kia Stinger GT

Starten wir den V6 also ein letztes Mal. Mit einem dumpfen Grollen, verbreitet wie anno dazumal durch vier dicke verchromte Endrohre, erwacht der Motor zum Leben. Noch überzeugender als die weit über 300 PS sind die 510 Newtonmeter Drehmoment, die sehr früh (ab 1300 Touren) und sehr lange (bis 4000 Umdrehungen) anliegen.

Gefühlt wird der Twinturbo damit ein Stück weit zum Sauger. Sein überaus druckvoller, linearer Schub hat Suchtpotenzial. Der sehr hecklastig ausgelegte Allradantrieb und das mechanische Sperrdifferenzial machen das gute alte Sportwagen-Erlebnis perfekt. Theoretisch hält der Kia die Tigernase bis 270 km/h Spitze in den Wind.

Zum Rasen lädt der Stinger trotzdem nicht ein, eher dazu, die Souveränität eines großen Hubraums zu genießen, sofern bei einem Realverbrauch von zwölf Litern Super von Genuss noch die Rede sein kann. In den Tank passen nur 60 Liter, was den Langstreckenqualitäten des Kia Stinger ein relativ jähes Ende setzt.

„Erwägen Sie, eine Pause einzulegen“, meldet sich der Müdigkeitsassistent nach ein paar unvergesslichen Stunden im Stinger in gestelztem Deutsch. Die Pause wird für immer sein.


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