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Puristische Ruheoase mit Charme

Wie sieht eigentlich der moderne Hausgarten aus? Hier erfahren Sie es
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Gärtnern liegt immer mehr im Trend. Wer nicht über eine eigene Grünfläche verfügt, kauft sich in einen der vielen Gemeinschaftsgärten ein, die gerade in städtischen Gebieten wie Pilze aus dem Boden sprießen und auch eingespannten Berufstätigen den Anbau von Kräutern, Gemüse und Obst ermöglichen.

Und auch im öffentlichen Raum nimmt gestaltetes Grün seit einigen Jahren eine zunehmende Bedeutung ein. Da stellt sich die Frage, wie in solchen Zeiten der moderne Hausgarten eigentlich aussieht. „Gefragt ist in erster Linie ein steriler, quadratischer, durch und durch praktischer Garten“, sagt Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. Das bedeutet aber nicht, dass es den einen Garten von der Stange gäbe, im Gegenteil: Die Bepflanzung sollte dann doch sehr individuell ausfallen. Denn: „Es geht den Menschen heute ganz deutlich um das Wohlfühlen im Garten, wobei dieses Gefühl nicht mit dem Modebegriff Wellness gleichgesetzt werden darf.“ Für Fachbuchautor und Gartenbaumeister Peter Berg sind modern-minimalistische Gärten ideale Orte, in denen Strenge und Freiheit formuliert, aber nicht diktiert werden. Was zunächst kryptisch klingen mag, erläutert er an der Beziehung zwischen Garten und Haus. „Der Garten ordnet sich nicht mehr der Architektur unter, sondern stellt die Verbindung zur Kulturlandschaft dar.“ Das wird umgesetzt, indem Formen und Linien der Architektur des Hauses im Garten aufgegriffen und fortgesetzt werden.

Das Grün hinterm Haus wird so zum bewussten Kontrast des schnellen, hektischen Alltags – es wird zum Ruhepol. Die Beete sind nicht in barockem Überfluss, sondern reduzierter Zurückhaltung bepflanzt und bewusst harmonisch gestaltet. Accessoires wie eine schöne Gartenlampe setzen Akzente. Zugleich aber scheint der Garten endlos zu sein. „Die Grundstücksgrenze als solche wird nicht definiert“, sagt Berg. Das Gartenstück wird auch mit der Innenarchitektur des Hauses in Verbindung gesetzt: „Der Garten wird aus der Wohnung heraus erlebt“, sagt Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. Den Bereich, den die Bewohner durch die Scheibe sehen, ziert beispielsweise etwas Besonderes wie ein Brunnen oder ein Rosenbogen. So wirkt das Fenster wie ein Wandbild.

Foto: ©DenisProduction.com - stock.adobe.com

Klare Formen kennzeichnen den modernen Garten – das zeigt sich auch in der Materialauswahl. „Großformatige Platten sind sehr beliebt“, erläutert die Expertin. Ihre Kunden entscheiden sich entweder gerne für heimische Natursteine oder für Beton, wohingegen billige Importware für viele von vornherein nicht infrage kommt. „Auch bei Hölzern legen die Kunden Wert darauf, zertifizierte Ware zu verwenden.“ Die Pflanzen sollen laut Berg etwas Besonderes sein – keine Allerweltsbäume, die in jedem Garten stehen. „Ich verwende gerne ungewöhnliche Gehölze wie den Persischen Eisenholzbaum, der nicht zu schnell wächst und ohne Zutun ein schönes Astgerüst entwickelt“, erzählt der Gartenbaumeister. Mit Gräsern gestaltet er Linien und setzt einen Kontrast zu farbigen Blüten. Röde berichtet, dass viele Menschen nicht mehr warten wollen, dass Bäume heranwachsen. So wählen sie statt einer nur 1,50 Meter großen Kastanie gleich einen ausgewachsenen Baum aus, der dazu vielleicht aus einem Biergarten oder einem Park kommt. Die Pflanze hat also auch noch viel zu erzählen – Röde spricht von einer „Baumpersönlichkeit“. Und wer erholt sich nicht gerne im Schatten spannender Geschichte?

Kurz erklärt:

Recht weit oben auf der Wunschliste ihrer Kunden steht nach Aussage von Gartenarchitektin Brigitte Röde ein Pool. „Mit dem Wasserbecken werden Urlaub, Wohlfühlen und Entspannung assoziiert“, erklärt sie. Manchmal reicht schon ein kleines Becken, um das Gefühl zu erzeugen. Auch mit weiteren Elementen wird im Garten inzwischen gespielt: Neben Luft und Wasser kommt Feuer immer häufiger vor. „Dieser Wunsch kann beispielsweise mit Feuerschalen auf der Terrasse umgesetzt werden.“ Wichtig sei dabei, dass ausreichend Abstand zu brennbaren Materialen eingehalten oder die Feuerstelle mit einem Funkenschutzgitter aus engmaschigen Drahtgeflecht versehen werde. Auch sollte bei der Standortwahl beachtet werden, dass der Boden der Feuerschale sehr heiß wird und gegebenenfalls den Untergrund – Bodenbeläge oder auch die Grasnarbe – Schaden nehmen können. In diesem Fall empfiehlt sich ein feuerfester Untersatz aus Hitze hemmendem Material oder ein stabiler Unterbau für ausreichenden Abstand zum Boden. Vertrauenswürdige Beratung bietet der Fachhandel oder das Gartencenter.

Steckbrief:

  • Name: Persischer Eisenholzbaum
  • Botanischer Name: Parrotia persica
  • Familie: Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae)
  • Unterfamilie: Hamamelidoideae
  • Lebensraum: ursprünglich im nördlichen Iran ­sowie im Kaukasus, als Ziergehölz inzwischen ­nahezu weltweit
  • Lebenserwartung: bis zu 100 Jahre
  • Blütezeit: Februar bis März
  • Blütenfarbe: rot
  • Wuchshöhe: bis zu 15 Meter
  • Boden: sandig bis lehmiger ­Boden mit schwach saurem ­pH-Wert

Pflegehinweis:

  • Vollsonnigen Standort wählen
  • Junge Bäume in trockenen ­Sommermonaten ­regelmäßig ­gießen
  • Verwurzelte Bäume nicht mehr ­umsetzen
  • Nicht mit Bodendeckern
  • oder ­dominanten Stauden unterpflanzen
  • Nach Möglichkeit auf Schnitt verzichten,
  • allenfalls nach Blüte Auslichten
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