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Energiekolumne
08.07.2021

Ein Haus bauen trotz Rohstoffmangel? Darauf sollten Sie achten

Viele Dämmstoffe sind derzeit knapp geworden..
Foto: Jan-Philipp Strobel, dpa

Lange Lieferzeiten, höhere Preise: Wer sein Haus sanieren will, muss derzeit mit vielen Herausforderungen rechnen. Oft lohnt es sich, auf Alternativen zu setzen.

Egal, ob Bauherren, Handwerksfirmen oder Baustoffhändler –sie alle haben es derzeit nicht leicht. Grund ist der Baustoffmangel. Immer wieder stehen deshalb Baustellen still. Der Start des einen oder anderen Projekts ist gar ins nächste Jahr verschoben worden – weil das Material fehlt oder weil die Preise um bis zu 300 Prozent gestiegen sind. Der Baustoffmangel betrifft unterschiedlichste Bereiche – von Holz, über Stahl und Dämmstoffe bis hin zu Elektrokabeln.

Schon länger Probleme gibt es bei Holzprodukten. Einer der Gründe dafür: In Asien wird Holz als Baustoff immer beliebter. Vor allem China hat in richtig großem Stil Rundholz aus Europa gekauft. Russland sperrte seine Rundholzexporte, was den Druck aus China bei uns erhöht hat. Gleichzeitig haben sich die USA auf dem europäischen Markt insbesondere bei veredelten Holzprodukten bedient, beispielsweise was Konstruktionsvollholz, Brettsperrholz oder Brettschichtholz und sogar Parkettböden betrifft. Das liegt unter anderem daran, dass Kanada wegen der Strafzölle von Ex-US-Präsident Trump wesentlich weniger in die USA exportiert hat. Dazu kommt der massive Schädlingsbefall von Kieferwäldern in Kanada.

Geplante Projekte werden plötzlich viel teurer

Die Folge sind Lieferengpässe hierzulande bei Holzprodukten – bis hin zu Pressspanplatten und Holzweichfaserdämmung. Allerdings haben viele Handwerksbetriebe in weiser Voraussicht bereits Anfang des Jahres eifrig Material eingekauft – jedoch zu stark erhöhten Preisen. So berichtet ein Holzbauunternehmen von einer Sanierung eines Mehrfamilienhauses, für die ursprünglich 600.000 Euro veranschlagt worden waren, die jetzt aber um 50.000 Euro teurer wird.

 

Geduld und gute Nerven brauchen auch Bauherren, die sich bei der Dämmung für Wärmedämmverbundsysteme aus expandiertem Polystyrol (EPS) – gemeinhin als Styropor bezeichnet – entscheiden. Hier muss derzeit mit Lieferzeiten von rund acht Wochen gerechnet werden. Die an und für sich günstigen Dämmplatten sind auch deutlich teurer geworden.

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Für die Produktion der EPS-Dämmstoffe ist der Rohstoff Styrol sehr wichtig. Hier herrscht eine weltweite Verknappung. Zum einen trat in einem niederländischen Werk, das jährlich 680.000 Tonnen Styrol produziert, ein technischer Fehler auf, der nicht kurzfristig behoben werden konnte. Hinzu kamen die Stromausfälle im Extremwinter in an der Golfküste in Texas, die ebenfalls einen Rückgang in der Styrol-Produktion als Folge hatten. Die internationalen Lieferketten spielen ebenfalls eine Rolle. Denn um den Rohstoff Styrol zu transportieren, gab und gibt es zu wenig Container-Kapazitäten für Lieferungen aus China.

Mineral- und Steinwolle haben längere Lieferzeiten

Auch bei den Dämmstoffen Mineralwolle und Steinwolle haben sich die Lieferzeiten deutlich verlängert. Vorher waren es rund ein bis zwei Wochen. Angesichts der deutlich erhöhten Nachfrage sind es jetzt eher acht bis zehn Wochen. Leichter haben es derzeit Bauherren, die Zellulose als Dämmstoff verwenden wollen. Zwar sind auch hier die Preise um zehn bis 20 Prozent nach oben geklettert. Aber immerhin ist der Dämmstoff, der aus Altpapier gewonnen wird, nach Auskunft eines Verarbeiters aus dem Allgäu derzeit lieferbar. Grund für die Preiserhöhung sind gestiegene Altpapierpreise. Angesichts der Lieferengpässe bei Polystyrol (Styropor) ist auch der eine oder andere Bauherr auf Öko-Dämmstoffe wie Hanf oder Jute umgestiegen, so der Eindruck eines Händlers von Naturbaustoffen. Die Folge sind auch hier längere Lieferzeiten als gewöhnlich.

Spricht man mit Händlern, Handwerkern und Planern lautet der Tenor: Wer derzeit bauen oder sanieren will, muss Geduld mitbringen und flexibel sein. Und man sollte im Budget einen Puffer haben. Wann sich die Situation normalisiert, kann derzeit niemand sagen. Bei Holz gibt es immerhin schon eine leichte Besserung. Hier lautet die Empfehlung, am besten nicht auf Produkte der Holzindustrie, sondern auf Ware der örtlichen Sägewerke zu setzen. Ganz abgesehen von den kurzen Lieferwegen sind diese flexibler. Bei anderen Baustoffen ist eine Prognose äußerst schwierig. Manche Experten rechnen in einzelnen Bereichen selbst noch für das erste oder gar zweite Quartal 2022 mit Einschränkungen.

Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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