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Wohnen
03.01.2022

Richtig Heizen im Winter: Schimmel vorbeugen und Geld sparen

Eine Wohnung sollte gleichmäßig beheizt werden, sonst kann Schimmel drohen.
Foto: Christin Klose, dpa

Richtig Heizen im Winter beugt nicht nur Schimmel vor, sondern spart auch Geld. Worauf Sie achten sollten und warum ständiges Wiederaufheizen nicht sinnvoll ist.

Der Winter ist da – und die Gas- und Heizölpreise sind auf Rekordhöhe. Aus Sorge vor Nachzahlungen werden jetzt wieder mehr Bürger versuchen, „wo immer es geht daheim Energie zu sparen und damit hohen Rechnungen gegenzusteuern“, ist Jutta Hartmann, Sprecherin des Deutschen Mieterbundes in Berlin, überzeugt. Aber: Massiv die Heizung drosseln und abends in Decken gepackt bibbern sei „der falsche Ansatz“, warnt Andreas Garscha, Architekt und Bausachverständiger für den Verband privater Bauherrn (VPB) in Stuttgart.

„Mit übertriebenem Sparen holt man sich schnell den Schimmel ins Haus“, mahnt Baubiologe und Gutachter Thomas Jeske aus Bochum. Wird dann auch noch wenig gelüftet, sei der Schlamassel perfekt.

Richtig Heizen im Winter: Ständiges Wiederaufheizen geht ins Geld

Aus Furcht, die Heizkosten laufen im Winter aus dem Ruder, machen Millionen kostenbewusste Bundesbürger offenbar den gleichen Fehler: Statt wie früher gleichmäßig durchzuheizen, lassen sie die Heizkörper nur noch in einzelnen Räumen laufen – aber die Türen offenstehen. Weil die kalte Luft draußen bleiben soll, bleiben zugleich die Fenster zu. Manche drehen die Heizung tagsüber sogar ganz aus, wenn sie nicht im Homeoffice arbeiten müssen. Oder fahren die Raumtemperatur so stark runter, dass Schlafzimmer und Bad nur noch 12 oder 14 Grad warm sind, das Wohnzimmer nur noch 18. Irgendwann abends wird dann häufig wieder volle Pulle aufgedreht.

Die übertriebene Sparsamkeit sei aber nicht hilfreich, betont Garscha. Das Konto wird auch nicht entlastet. Im Gegenteil: Ständiges Wiederaufheizen der Raumtemperatur geht nur ins Geld, so Hartmann.

Schimmel vorbeugen im Winter

Wird nur noch spärlich geheizt, schlägt sich auf den ausgekühlten Wänden unweigerlich die Feuchtigkeit nieder, die beim normalen Wohnen entsteht. Durch Schwitzen, Atmen, Duschen, Putzen, Kochen, Wäsche trocknen lassen. In einem 4-Personen-Haushalt kommen so täglich etwa rund zwölf Liter Wasser zusammen. Wird im Winter auch noch mit dem Lüften gegeizt, ist der Sporenbefall kaum mehr zu stoppen. Die Feuchtigkeit kann nicht raus. Die Raumluft kann die Wassermenge aber nicht mehr aufnehmen, es bildet sich Tauwasser an kalten Stellen – ein idealer Nährboden für Schimmelpilze.

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Nach dem Einbau neuer Kunststofffenster steigt die Luftfeuchtigkeit meist zusätzlich an. Die Folgen: Muffiger Geruch, dunkle Flecken an Wänden, Decken, hinter Schränken und Rollladenkästen. Je stärker eine Wohnung auskühlt, desto schlimmer können die Kulturen wuchern. „Vor allem ungedämmte Altbauten sind betroffen, nicht so sehr die Neubauten“, erklärt Garscha.

Etwa jedes zweite Haus in Deutschland hat laut VPB mittlerweile enorme Feuchtigkeitsprobleme. Der Vormarsch der Sporen liege häufig an falschem Wohnverhalten, beklagt Baubiologe Jeske. Nicht etwa an bauphysikalischen Mängeln der Häuser. Das sei nachweisbar. Viele Bewohner müssten sich an die eigene Nase fassen. Was die Pilze zum Sprießen bringt, ist in der Regel ein hausgemachter Mix aus Geizen beim Heizen und falschem Lüften in schlecht gedämmten Häusern.

Wohnung gleichmäßig heizen ist besser

Auch wenn es paradox klingt: Die Wohnung gleichmäßig durchheizen schont den Geldbeutel. Schon ein Grad, um das die Raumtemperatur konsequent gesenkt wird, kann den Verbrauch um etwa sechs Prozent verringern. „Energiesparen ist wichtig, knausern falsch“, so Garscha. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Deshalb sollten Bürger auf Mindesttemperaturen achten: In Wohn- und Kinderzimmern sollten es 20 Grad sein, im Bad 21 und nachts im Schlafzimmer 14 Grad. Selten genutzte Räume dürfen kühler sein. Aber dann müssen die Türen zu bleiben. So kann sich die feuchte, wärmere Luft aus der übrigen Wohnung dort nicht niederschlagen. Und ganz wichtig: Viel lüften, auch im Winter, fünf bis zehn Minuten lang.

Mit 80-prozentigem Ethylalkohol lässt sich Schimmel erst mal abtöten.
Foto: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Eine ordentlich beheizte, gut gelüftete Wohnung braucht weniger Heizkosten, weil sie weniger Energie verliert als eine kalte. „Nach neusten Erkenntnissen hilft folgende Kombi am besten: Mehrfach täglich Stoßlüften plus die Fenster zwei bis drei Stunden auf kontrollierter Kipplüftung lassen“, betont Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Hat eine Wohnung bereits eine Feuchteproblem, sei sie damit trocken zu kriegen. Mit einem Hygrometer kann die Luftfeuchtigkeit kontrolliert werden. Sie sollte im Winter etwa zwischen 30 und 45 Prozent liegen. Liegt sie höher, ist mehr heizen und stoßlüften angesagt. Ein digitales Hygrometer ist im Baumarkt für etwa 20 bis 25 Euro zu kriegen.

Mit Schimmel ist nicht zu spaßen. Eingeatmete Mikroben können krank machen, Allergien auslösen. Manche der zigtausend Pilzarten gelten als krebserregend. Schimmel auf kleinen Flächen unter 0,5 Quadratmetern können selbst entfernt werden. Dabei unbedingt Handschuhe und Mundschutz tragen. Keinen Essig oder Schimmelentferner mit Aktivchlor benutzen. Was die Sporen recht gut abtötet, ist 80-prozentiger Ethylalkohol aus der Apotheke. Danach gut lüften. Das Putztuch gehört in den Müll.

Größere Schäden sollten rasch analysiert werden, rät Weinreuter. Viele Verbraucherzentralen bieten einen Check durch Fachleute vor Ort an. Die Gebühr liegt bei 30 Euro. Ist der Mikroben-Befall stark fortgeschritten, können sich die Kosten für die Beseitigung schnell auf 1000 Euro am Tag summieren, je nach Aufwand. Mieter, die in ihrer Wohnung Schimmel entdecken, sollten sofort ihrem Vermieter Bescheid geben, rät Hartmann. Sonst sind mögliche Mietminderungsansprüche weg.

Mehr hilfreiche Tipps und Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Energie und Energiesparen.

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