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Allgäu

02.03.2015

23-Jähriger verletzt Verwandte mit Machete - Rätsel über Motiv

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Der Tatort Spielmannsau liegt etwa 7,5 km südlich von Oberstdorf am Ende des Trettachtals.
Bild: Benjamin Liss

Ein 23-Jähriger hat am späten Samstagabend bei Oberstdorf eine Jugendherberge gestürmt und mehrere Verwandte mit einer Machete angegriffen. Die Polizei rätselt über sein Motiv.

Mit einer Machete ist ein 23-Jähriger am Wochenende auf seinen eigenen Bruder und weitere Familienangehörige losgegangen. Dabei wurden der Bruder, ein Cousin und ein Onkel schwer verletzt. Alle drei mussten noch in der Nacht notoperiert werden, befinden sich jetzt nach Informationen der Polizei aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Die Freundin des Cousins erlitt leichtere Verletzungen. Die Gewalttat geschah am Samstagabend in einer Jugendherberge in Spielmannsau bei Oberstdorf. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter wenig später im Freien bei einem Hotel fest und stellte auch die Waffe sicher.

Der 23-Jähriger wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. Ein Haftrichter erließ nach Angaben der Polizei Unterbringungshaftbefehl wegen versuchten zweifachen Mordes und zweifacher gefährlicher Körperverletzung. "Das Motiv ist noch unklar", sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. Es werde weiter ermittelt.

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Angriff mit Machete: Dramatische Szenen müssen sich abgespielt haben

Es müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben, als der 23-jährige Memminger das Übernachtungshaus der Familie aufsuchte. Gegen 21.45 Uhr betrat er dort die Wohnung seiner Angehörigen und schlug mit der Machete zuerst auf seinen 25-jährigen Bruder ein. Dem schwer Verletzten gelang es, mit einer 27-jährigen Frau, die zu Besuch in der Wohnung war, aus dem Zimmer zu fliehen. Daraufhin ging der junge Mann auf seinen Cousin, 26, los und verletzte ihn schwer sowie dessen Freundin, 29, leicht. Auch die beiden konnten aus der Wohnung im Obergeschoss fliehen, berichtet Polizeisprecher Christian Owsinski. Der Täter folgte ihnen, scheiterte aber an einer Tür, die der 29-Jährige zuhielt, damit die Freundin wegrennen konnte. Bei der Auseinandersetzung gingen Gläser, Fenster und Türen zu Bruch.

Dann lief der 23-Jährige ins Freie, schlug an der benachbarten Wirtschaft Fenster ein und ging zu einem Hotel in der Nähe, das sein Onkel betreibt. Weil die Tür versperrt war, zertrümmerte er ein Fenster, stieg ins Hotel ein und griff dort mit der Machete seinen Onkel, 59, an, der ebenfalls schwere Verletzungen erlitt. Dessen Schwiegersohn besprühte den Angreifer mit einem Feuerlöscher. Er musste die Attacke stoppen – die beiden Männer konnten fliehen.

Die Hintergründe der Tat und ihr genauer Ablauf sind noch unklar. Laut Polizei griff der 23-Jährige die Familienangehörigen vermutlich wegen zurückliegender Streitigkeitne an. Wie am Tatort zu hören war, hatte der junge Mann möglicherweise auch psychische Probleme.

Die Polizei bestätigte das nicht, wohl aber, dass auch das Gegenstand der Ermittlungen sei. Der Tatverdächtige war zum Zeitpunkt des Geschehens nicht angetrunken. Die Polizei führte ihn „wegen des dringenden Verdachts auf mehrere versuchte Tötungsdelikte“ dem Haftrichter vor.

In der Jugendherberge lief eine Geburtstagsparty

Die rund 20 Gäste in dem Hotel bekamen das Geschehen großteils wohl nicht mit. Anders in dem Übernachtungshaus: Die Herberge war mit rund 60 Jugendlichen und jungen Erwachsenen belegt. Darunter befand sich eine größere Gruppe, die gerade fröhlich Geburtstag feierte. Ein Teil der Hausgäste bemerkte das blutige Geschehen und brachte sich in Sicherheit. Parallel dazu gingen bei Polizei und Leitstelle die ersten Notrufe ein. „Alle Beteiligten waren sehr betroffen“, sagte Rotkreuz-Einsatzleiter Christian Bader, der zu den ersten Rettungskräften am Tatort zählte.

Erste Hilfe hatte vor Ort unter anderem ein Notarzt geleistet, der dort selbst Gast war. Weil anfangs von möglicherweise noch mehr Verletzten ausgegangen worden war, rückte das Rote Kreuz mit vier Rettungswagen, zwei Krankenwagen und zwei Notärzten aus. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in Kempten, Immenstadt und Oberstdorf gebracht.

Ebenso im Einsatz war ein rund zwölfköpfiges Kriseninterventionsteam, das die geschockten Hausgäste betreute. Die Bergwacht brachte diese Helfer über die vereiste, teils sehr glatte Straße zum Einsatzort. Spielmannsau liegt etwa 7,5 Kilometer südlich von Oberstdorf am Ende des Trettachtals in rund 1070 Metern Höhe.

Die Verletzten waren bisher nicht vernehmungsfähig.

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