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Serie

03.08.2017

30 Meter unter dem See

30 Meter unter dem See Fahrrad fahren – ein nicht alltäglicher Berufsalltag. Für Alexander Bähr ganz normal. Er radelt durch den Kontrollgang im Damm.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Die einen aalen sich am Ufer des fränkischen Brombachsees in der Sonne, die anderen arbeiten unten im Staudamm – ein Arbeitsplatz, der auch ein bisschen unheimlich sein kann

Bayern ist ein Land der Extreme – auch in Höhenmetern. Mal in luftige Sphären, mal tief unter die Oberfläche führt die neue Serie „Bayern – ganz unten und ganz oben“. Heute geht es in die Tiefe.

Wenn Alexander Bähr in die Tiefe steigt, muss er sich auch im Sommer eine Jacke anziehen. Sogar bei 30 Grad Außentemperatur ist es im Damm des großen Brombachsees in Mittelfranken frische zehn Grad kühl und an einigen Stellen ein wenig neblig. Anfangs habe er seinen ungewöhnlichen Arbeitsplatz auch ein wenig „gruselig“ gefunden, erzählt der 50-jährige Maschinenbautechniker vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Ganz alleine ist er meist in den Gängen rund 30 Meter unter dem See unterwegs. Das leise Plätschern des Sickerwassers habe sich aus der Ferne manchmal wie Stimmen angehört. Nach 17 Jahren sind die Kontrollgänge jedoch zur Routine geworden – und an heißen Tagen eine schöne Abkühlung.

Der Brombachsee bei Pleinfeld rund 40 Kilometer südlich von Nürnberg gehört zum fränkischen Seenland, das im Sommer 2000 eröffnet wurde. Mithilfe der fünf künstlich geschaffenen Stauseen wird Wasser aus dem regenreichen Donaugebiet in das niederschlagsarme Maingebiet geleitet. Denn in Nordbayern gibt es wesentlich weniger Niederschläge als im Süden. Außerdem sollte der Brombachsee dazu dienen, verheerende Hochwasser an der Altmühl zu verhindern, wie Bähr sagt. Im neun Quadratkilometer großen Brombachsee – dem größten staatlichen Wasserspeicher Bayerns – wird Hochwasser aus der Altmühl gespeichert und bei Bedarf in das Regnitz-Main-Gebiet abgegeben. Außerdem entstand eine große Freizeitlandschaft für Wassersportler, Radler und Sonnenanbeter. Während diese sich auf dem See oder an dessen Ufer vergnügen, muss Alexander Bähr nachschauen, ob in dem 1,7 Kilometer langen Damm auch alles seine Ordnung hat. Einmal die Woche macht er seinen eineinhalbstündigen Kontrollgang. Ein Fahrrad steht in einem der langen Gänge bereit.

Bähr liest dann unter anderem an den 40 Manometern den Druck ab, den das Wasser auf den Damm ausübt. Der bis zu 26 Meter breite Dammkern aus sandigem Ton und Lehm verhindert, dass Wasser aus dem See auf die andere Seite gelangt. Ob der Damm seine Aufgabe erfüllt, kontrolliert Bähr am sogenannten Filter aus grobkörnigem Sand. Dieser ist 3,75 Meter breit und gut durchlässig: Sickert Wasser durch den Damm, fließt es hier nach unten, wird aufgefangen und kann von Bähr mithilfe von Behälter und Stoppuhr gemessen werden. Nur 0,04 Liter Wasser laufe pro Sekunde durch den gesamten Damm – „zwei Schnapsgläser“, sagt Bähr.

Deutschlandweit gesehen liegt der Brombachsee-Staudamm nach Angaben des Deutschen Talsperrenkomitees bei der Größe im oberen Mittelfeld. International ist der Damm eher ein Zwerg: Manche Staudämme sind mehr als 300 Meter hoch. Von der Seeseite aus sieht er wie ein grasbewachsener Hügel aus, ein Fahrrad- und Fußweg führt darüber. Auf der anderen Seite fließt Wasser in eine Weiherkette. Innen treibt es das Kraftwerk an: In der Armaturenkammer dröhnen die Turbinen. Sollte hier Wasser eindringen, löst ein Mechanismus die Schließung der Tür aus. So kann kein Wasser ins Kraftwerk laufen.

Bähr schaut derweil nach, ob an und in den Steuerungskästen alles in Ordnung ist. Bedenken über den Damm hält er entgegen: „Es gibt mehr als 1000 Messeinrichtungen, die die Sicherheit des Damms überwachen. Wir sind uns daher ganz sicher, dass er funktioniert.“ Zum Schluss schaut Bähr noch im Grundablass vorbei. Von hier aus könnte man den See im Katastrophenfall leeren. Daher hat nicht jeder Zugang, der Raum ist mit drei Schlössern gesichert. Sorgfältig schließt Bähr die Tür ab und macht sich dann auf den Weg zurück ans Tageslicht. Catherine Simon, dpa

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