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ADAC-Krise
05.05.2015

Über den Reform-Marathon beim ADAC

August Markl bekam 2014 Auftrag, den ADAC aus der schwersten Krise seiner Geschichte zu holen.
Foto: Peter Kneffel/dpa

Deutschlands größter Verein will nach dem Skandaljahr 2014 seine Versprechen in die Tat umsetzen. Bei Produkten gilt künftig: Gleichzeitig testen und verkaufen geht nicht.

Eine bemerkenswerte Organisation war der ADAC schon vor der schwersten Krise seiner mehr als 100 Jahre langen Geschichte. Bis Ende des Jahres 2013 war die Zahl der Mitglieder auf knapp 19 Millionen gestiegen. Zugleich galt Deutschlands größter Verein als der vielleicht mächtigste Lobbyist in der deutschen Politik. Und obendrein hatte sich die riesige Organisation über die Jahrzehnte hinweg zu einem umsatzstarken, weit verzweigten Konzern mit knapp 9000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 2,34 Milliarden Euro entwickelt.

Am erstaunlichsten aber war, was im Krisenjahr 2014 geschah: Trotz des Skandals um den manipulierten Autopreis „Gelber Engel“ blieben die Mitglieder dem ADAC treu. Unterm Strich stand 2014 nur ein Minus von rund 19000 Mitgliedern.

ADAC-Präsident August Markl, der auf dem Höhepunkt des Skandals im Februar 2014 die Leitung des Vereins übernommen hatte, freut sich darüber. „Ich bin sehr stolz darauf, dass die Mitglieder uns nicht im Stich gelassen haben“, sagt er. Gleichzeitig musste er seither aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Bereitschaft der Mitglieder, sich bei der Reform des Vereins zu engagieren, in engen Grenzen hält. „Es ist so, wie wir alle denken. Es ist kein großer Wille da, sich einzubringen“, sagt Markl.

Interne Aufarbeitung weitgehend abgeschlossen

Bei der Hauptversammlung des ADAC am kommenden Samstag in Bochum also werden in erster Linie die schon vor der Krise tonangebenden Funktionäre und Delegierten zeigen können, wie ernst es ihnen mit der „Reform des Vertrauens“ ist, die Ende vergangenen Jahres bei einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeleitet wurde.

Die interne Aufarbeitung der zahlreichen Vorwürfe ist nach Aussagen Markls weitgehend abgeschlossen. Der Verein räumt die Manipulationen bei der Preisverleihung „Gelber Engel“ ein, ebenso die Hubschrauberflüge von Ehrenamtlichen sowie die mangelhafte Beteiligung der Mitglieder an Entscheidungsprozessen.

Steuerhinterziehung, Manipulationen bei Tests, Benachteiligung von ADAC-Mitgliedern bei der Pannenhilfe oder Mitgliederabzocke beim Austausch von Batterien habe es dagegen nicht gegeben.

Noch unklar ist, was bei einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen Funktionäre des ADAC-Nordbayern herauskommt. Sie stehen im Verdacht, Ehefrauen von Funktionären unrechtmäßig Ausflüge, Abendprogramme und Geschenke finanziert zu haben. Der Vorstand des Regionalclubs Nordbayern hat der Staatsanwaltschaft nach Auskunft eines ADAC-Sprechers „vollumfängliche Unterstützung“ zugesagt.

In Bochum wird es nach Aussage Markls nun darum gehen, die Umsetzung der Reformen voranzutreiben. „Wir wollen 2015 die Reformdynamik weiter aufrechterhalten“, sagt der Präsident. Kernstücke der Reform sind die Trennung von Verein und wirtschaftlichen Tätigkeiten, die Installation eines Regelwerks für saubere Unternehmensführung (Compliance), eine verbesserte Einbindung der Mitglieder sowie die strikte Trennung der Produkttests vom Produktverkauf.

Zusammenarbeit mit Werkstätten ist bereits eingestellt

„Gleichzeitig testen und verkaufen geht nicht. Das werden wir so durchführen ohne Ausnahme“, versichert Markl und nennt als Beispiel Schneeketten – sie werden künftig nur noch getestet, aber nicht mehr verkauft. Bereits eingestellt wurden Kooperationen des ADAC mit Werkstätten. Eine Raststätten-Test wird es dieses Jahr nicht geben, weil der ADAC hier noch eine Kooperation mit einem Unternehmen hat.

Vor 2016 wird die Reform nach Aussage des Präsidenten nicht abgeschlossen sein. „Es wird alles in allem ein Marathon sein und kein 100-Meter-Sprint“, betont Markl. Den Mitarbeitern verspricht er: „Wir wollen das so mitarbeiterfreundlich gestalten wie irgend möglich.“

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