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Notarzt-Mangel in Bayern

19.01.2020

Ärztekammer: Notarzt-Dienst ist bei jungen Medizinern unbeliebt

Notarzt-Dienste zu leisten finden viele Mediziner unattraktiv. Die Bayerische Landesärztekammer fordert bessere Bedingungen - nicht nur in der Bezahlung.
Foto: B. Weizenegger (Symbol)

Plus Immer wieder bleiben Notarzt-Dienste in Bayern unbesetzt. Gerade bei jungen Medizinern ist der Zusatzjob unbeliebt. Es geht um Arbeitsbelastung - und auch ums Geld.

Für die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), die für die Einteilung an den Rettungs-Stützpunkten zuständig ist, wird es in einigen Regionen immer schwieriger, ausreichend Notfallmediziner zu finden. Vor allem nachts, an Wochenenden und Feiertagen komme es zu Engpässen, sagt KVB-Sprecher Axel Heise auf Anfrage. "Dabei tun unsere Kollegen vor Ort alles, um Notarzt-Ausfälle zu verhindern. Sie telefonieren viel und schreiben allerlei E-Mails, doch manchmal ist nichts zu machen."

Notarzt-Dienste sind gerade für junge Mediziner mittlerweile unattraktiv

Auch die Bayerische Landesärztekammer beobachtet, dass Notarzt-Dienste gerade unter jungen Medizinern mittlerweile eher unbeliebt sind. Viel mehr achte die neue Generation von Ärzten heute vermehrt darauf, angesichts der Belastungen im Klinik- oder Praxisalltag noch ausreichend Freizeit zu haben, sagt Vize-Präsident Wolfgang Rechl, der selbst jahrelang in Weiden in der Oberpfalz als Notarzt im Einsatz war. "Viele streben den Notarzt-Schein gar nicht mehr an, weil sie dann auch gar keine Notarzt-Schichten leisten können."

Tatsächlich sei die Belastung in Praxen und Kliniken durch zusätzliche Dokumentationspflichten und gestiegenen Kostendruck im Vergleich zu früheren Jahren erhöht, so Rechl. Daher habe er Verständnis, wenn junge Mediziner nicht durch Notarzt-Dienste noch mehr unter Druck stehen wollen. Doch der Vize-Präsident der Bayerischen Landesärztekammer warnt: "Ein Notarzt-Mangel geht immer mit einem Mangel an Ärzten allgemein einher. Man muss die Bedingungen insgesamt dringend verbessern."

Landesärztekammer fordert bessere Honorare für Notärzte in Bayern

Bei der Besetzung von Notarzt-Schichten gilt in Bayern das Prinzip der Freiwilligkeit. Damit melden sich Notfallmediziner selbstständig und werden nicht etwa zum Dienst verpflichtet. An den 229 Standorten in Bayern sind laut KVB rund 3800 Notärzte im Einsatz - üblicherweise das ganze Jahr über und rund um die Uhr. Doch nicht immer lassen sich auch wirklich alle Dienste mit einem Notarzt besetzen.

Das zeigt eine interne Umfrage des Bayerischen Roten Kreuz (BRK): Allein an den 195 BRK-Standorten sind zuletzt 551 Ausfälle gemeldet worden. Dabei handelte es sich um Fehlzeiten zwischen einer und 78 Stunden je Standort. In der Summe waren es laut der BRK-Umfrage 5830 Stunden, in denen für einzelne Standorte kein Notarzt zur Verfügung stand. Gerade über die Feiertage an Weihnachten und zum Jahreswechsel hat es auch in der Region Schwaben einige Ausfälle gegeben.

Angesichts der Engpässe fordert der Vize-Präsident der Bayerischen Ärztekammer mehr Anreize für Notfall-Mediziner. Wolfgang Rechl sagt: "Würden Notärzte gerade zu Unzeiten bessere Honorare erhalten, wären sie auch eher bereit, nachts, am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten." Wolle man an dem System mit so vielen Notarzt-Standorten in Bayern festhalten, seien bessere Honorare unumgänglich.

Für ihre Dienste erhalten Notärzte in Bayern derzeit eine Bereitschaftspauschale von 21 Euro in der Stunde und pro Einsatz zwischen 63 und 83 Euro. Gerade in ländlichen Gebieten gibt es aber immer wieder auch Dienste ohne Einsatz. In solchen Fällen stellt sich für den Notarzt die Frage, wie lukrativ das für ihn ist - gerade wenn er Wochenenden oder Feiertage für einen Dienst opfert.

Zusatzausbildung für Notärzte ist aufwendig - Ärztekammer fordert mehr Unterstützung

Um in Bayern als Notarzt eingesetzt zu werden, müssen Ärzte eine aufwendige Zusatzqualifikation erwerben. Nach dem Medizinstudium steht eine zweijährige Ausbildung zum Assistenzarzt in der Akutmedizin im Krankenhaus an. Anschließend muss ein angehender Notarzt in insgesamt 50 Einsätzen Erfahrung sammeln. 25 davon kann er in Übungsfällen an einer Puppe ableisten, doch 25 Einsätze muss er unmittelbar im Notarztwagen miterleben. Zusätzlich muss ein Notarzt 80 Stunden Kurs bei der Landesärztekammer vorweisen und abschließend eine Prüfung ablegen.

Bislang entscheiden die Kliniken selbst, ob sie den Ärzten Unterstützung für die Weiterbildung zum Notfallmediziner bieten. Diesen Umstand sieht die Landesärztekammer kritisch. Wolfgang Rechl sagt: "Wir als Landesärztekammer plädieren dafür, dass Kliniken die gesamte Notarzt-Ausbildung finanziell unterstützen sollten, inklusive des Freizeitausgleichs für die 80 Kursstunden."

Das Prinzip der Freiwilligkeit aufzuheben und Notärzte in Bayern fest zum Dienst zu verpflichten, hält Ärztekammer-Vizepräsident Rechl für keine gute Idee: "Der Notarzt-Dienst ist so eine spezielle Angelegenheit, dazu muss ein Mediziner sich bewusst entscheiden. Mit einer Verpflichtung würde man einzelne Ärzte sicherlich überfordern."

Unmittelbar an Unfallorten in der Akutmedizin zu arbeiten sei schließlich auch eine besondere Situation für die Psyche, argumentiert Rechl. "Dazu sollte niemand gedrängt werden."

Lesen Sie dazu auch: Kranker Mann ruft Bereitschaftsdienst - Arzt kommt sieben Stunden später 

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