Newsticker
Verwaltungsgerichtshof kippt vorläufig 2G-Regel im Einzelhandel, Staatsregierung setzt das Urteil um
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Allgäu: Wo ist der Wolf? Eine Spurensuche im Allgäu

Allgäu
15.11.2016

Wo ist der Wolf? Eine Spurensuche im Allgäu

Im Allgäu wurde wieder ein Wolf entdeckt.
Foto: bürk-privat

Im Allgäu wurde wieder ein Wolf entdeckt. In einer Gegend, in der viel mehr Menschen leben. Die Aufregung dürfte groß sein – oder etwa nicht?

Noch weiß man viel zu wenig über das Tier. Streunt es weiter durchs Unterallgäu? Ist es längst weitergezogen? Ein Anruf bei Helmut Scharpf. Er leitet die Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu im Bund Naturschutz. Wo könnte es einen Wolf hinziehen, wenn er ins Unterallgäu kommt? „Genau weiß ich es nicht“, sagt auch er. Aber klar gebe es Orte, die grundsätzlich infrage kommen. „Ein Wolf bevorzugt es, durch zusammenhängende Waldstücke zu wandern“, sagt er. Die gebe es im Landkreis fast nur entlang der Iller. Aber natürlich, darauf weist er noch einmal ausdrücklich hin, sei das nur ein Verdacht. Beim Topfschlagen wäre das, als würde jemand „Heißer“ rufen.

Nächster Stopp: ein Aussichtspunkt oberhalb der Illerschleife. Der Hang fällt steil zum Fluss hin ab. Bäume säumen beide Seiten des Ufers. An einem Hang grasen ein paar Ziegen. Ein Ehepaar marschiert mit Nordic-Walking-Stöcken in den Händen vorbei. Sie machen Urlaub in Bad Grönenbach und kommen eigentlich aus Ingolstadt.

Dass irgendwo in der Gegend womöglich ein Wolf umherzieht, wussten sie noch nicht. Sorgen macht ihnen das nicht. „Wir haben ja unsere Stecken dabei“, scherzt der Mann. „Ich glaube, Wildsauen mit Jungen sind im Frühjahr sehr viel gefährlicher für Spaziergänger als ein Wolf“, sagt die Frau. Und weiter geht’s mit ihren Stöcken.

Bad Grönenbach sei es nicht, sagt er geheimnisvoll...

Nicht weit entfernt vom Aussichtspunkt wohnt ein Jäger. Er weiß, wo das Tier gesehen wurde. Bad Grönenbach sei es nicht gewesen, sagt er geheimnisvoll. „Aber gar nicht so weit entfernt.“ Unter den Jägern werde gerade viel über den Wolf gesprochen. Auch Nachbarn hätten ihn kontaktiert und gefragt, ob sie noch unbesorgt mit ihren Kindern spazieren gehen können.

Dann greift er zum Hörer und ruft Andreas Ruepp an. Er ist im Bayerischen Jagdverband Chef der Kreisgruppe Memmingen. Bei ihm laufen die Informationsfäden zusammen. Aber auch er rückt nicht mit der Sprache raus. „Wir möchten keinen Wolfstourismus.“ Auch weil die Jäger sich nicht sicher sind, ob das Tier wirklich weitergezogen ist oder nicht doch durch die Wälder streunt. „Wenn er noch da ist, wollen wir ihn nicht verscheuchen.“

Bleiben die Behörden. Anruf beim zuständigen Landratsamt in Mindelheim. Sprecherin Eva Büchele stutzt. „Der Wolf? Dafür sind wir nicht zuständig.“ Weil das Wildtier nun mal Sache des Landesamts für Umwelt sei. Trotzdem die Nachfrage: Wo im Landkreis ist der Wolf denn nun genau aufgetaucht? Und wurden seither Sicherheitsmaßnahmen getroffen? Gibt es Bürger, die sich aus Sorge an das Landratsamt gewendet haben? Büchele wiegelt ab. „Wir sind auch nur vom Landesamt für Umwelt über den Vorfall informiert worden.“

Zuvor war bereits im Mai 2014 südlich von Oberstdorf ein Wolf gesichtet worden. Vermutlich handelt es sich um dasselbe Tier.
7 Bilder
Der Wolf kehrt nach Bayern zurück
Foto: Landratsamt Oberallgäu

"Wenn der Wolf da ist, ist er da"

Also Anruf beim Landesamt in Augsburg, das am Montag die Öffentlichkeit informiert hat. Weitere Erkenntnisse gebe es nicht, sagt die Sprecherin. Und dass Anfragen nur schriftlich beantwortet werden. Nächster Versuch beim LfU, Dienststelle Hof. Dort sitzen die Leute, die sich mit dem Wolf auskennen, die Mitarbeiter des Wildtiermanagements. Auskunft gibt es heute nicht, sagt die Dame am anderen Ende der Leitung. Weil die Experten heute nicht im Haus seien. Und Fragen, sagt sie, beantworte ohnehin nur die Pressestelle in Augsburg.

Die teilt Stunden später mit, dass sie im Grunde wenig mitzuteilen hat. Den genauen Standort, wo der Wolf abgelichtet wurde, könne man nicht veröffentlichen – „zum Schutz der Privatsphäre des Melders“. Tags zuvor hieß es noch, man wolle ihn nicht nennen, um die Menschen vor Ort nicht zu erschrecken. Jedenfalls gebe es keine weiteren Hinweise zu einem Wolf in der Region, teilt die Sprecherin mit.

+++ Greift er Menschen an? Die wichtigsten Fragen zum Wolf +++

Dort ist Andreas Ruepp, der Chef der Jäger, nicht wirklich begeistert über die Anwesenheit eines solchen Tieres. „Wir haben hier ziemlich viel Schwarzwild“, sagt er. „Und die Wildschweine schützen sich gegen den Wolf, indem sie möglichst große Rotten bilden.“ Für Bauern sei es ein Unterschied, ob fünf Wildschweine durch ihre Äcker ziehen oder 20. „Ich sage es mal so: Wenn der Wolf da ist, ist er da. Deshalb heiße ich ihn noch lange nicht willkommen.“

Weitere Seiten
  1. _Wer ist für den Wolf zuständig?_
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.