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Gedenktag

14.12.2020

Als in München ein Flugzeugabsturz 52 Menschen tötete

Wegen eines technischen Defekts stürzte am 17. Dezember 1960 eine amerikanische Militärmaschine über den Münchner Innenstadt ab. 52 Menschen starben bei dem Unglück.
Bild: Erich Braunsperger, dpa (Archivbild)

Plus Am 17. Dezember 1960 stürzte ein brennender Militärjet in der Münchner Innenstadt ab. 52 Menschen an Bord und am Boden starben. Was war passiert?

Dichter Nebel hängt über der Stadt, als die zweimotorige Maschine der United States Air Force um 14.05 Uhr vom Flughafen München-Riem abhebt. An Bord sind sieben Crew-Mitglieder und 13 Zivilisten, Studenten der Maryland-Universität. Das Flugzeug steuert einen Royal-Air-Force-Stützpunkt im Westen Londons an, von dort aus wollen die Passagiere zum Weihnachtsurlaub in die amerikanische Heimat weiterfliegen. Doch bereits wenige Minuten wird klar, dass sie dort nie ankommen werden.

Flugzeugabsturz 1960 in München: Eine meterhohe Feuerwand lodert gen Himmel

Bereits vor dem Start gibt es Probleme. Wie Techniker später berichteten, musste der linke Motor repariert werden. Die Maschine startet trotzdem, aufgetankt mit 6000 Litern Kerosin. Eine Minute später fällt der reparierte Motor aus, die Maschine verliert an Höhe. Der Pilot entschließt sich, umgehend zurückzukehren und schwenkt im Blindflug in eine Rechtskurve, die Instrumente zeigen eine Flughöhe von nur 150 Metern. Und es verliert weiter an Höhe.

Um 14.09 Uhr passiert die Katastrophe. Das Flugzeug touchiert mit einer Tragfläche das goldglänzende Kreuz des 97 Meter hohen Turms der Sankt-Paul-Kirche. Die Maschine gerät ins Trudeln, ein Teil des Flügels reißt ein Loch in ein Hausdach. Der Großteil der Trümmer fällt auf eine Kreuzung nördlich des Oktoberfestgeländes. Eine voll besetzte Straßenbahn fährt vorbei, als einer der herabstürzenden Motoren einen Waggon trifft und von den Schienen stößt. Treibstoff ergießt sich in die Tram und entzündet den Wagen explosionsartig. Eine meterhohe Feuerwand lodert gen Himmel, aus dem Hölleninferno steigen riesige Rauchwolken auf.

Wegen eines technischen Defekts stürzte am 17. Dezember 1960 eine amerikanische Militärmaschine über den Münchner Innenstadt ab. 52 Menschen starben bei dem Unglück.
Bild: Erich Braunsperger, dpa (Archivbild)

Die Detonation des Aufschlags erschüttert das ganze Stadtviertel. Hermann Streber, damals Kaplan in der St.-Paul-Kirche, macht gerade Mittagspause. „Ich hörte ein tiefes Brummen und dann den Anprall, ich bin zum Fenster gesaust und sah auf der Straße überall Trümmer liegen“, erinnert er sich später.

Die Notrufe in den Einsatzzentralen von Polizei und Feuerwehr überschlagen sich. Die Straße ist übersät mit verkohlten Leichen und brennenden Trümmerteilen. Der Verkehr staut sich und blockiert die Zufahrt für die herbeieilenden Lösch- und Rettungswagen. Gaffer strömen hinzu, kesseln den Unglücksort regelrecht ein. Obwohl der Brand von der Feuerwehr München innerhalb von 30 Minuten gelöscht werden konnte, kommt für die 20 Flugzeuginsassen und 32 Fahrgäste in der Straßenbahn jede Hilfe zu spät. Mehr als 100 Verletzte müssen mit teilweise schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser transportiert werden.

Es war nicht das einzige Flugzeugunglück in München

Am nächsten Tag ist das Kreuz auf der Turmspitze der Sankt-Paul-Kirche in einem schiefen Winkel nach Norden umgebogen. Vor dem ehemaligen Pschorrkeller liegt das Flugzeugwrack. Rußspuren markieren den Weg des verbrannten Benzins bis zur Tramhaltestelle. Der ausgebrannte Straßenbahnanhänger steht als stummer Zeuge der Katastrophe noch dort. Der Anblick erinnert die Münchner an einen Flugzeugabsturz, der sich erst zwei Jahre zuvor in Riem ereignet hatte.

Am 6. Februar 1958 stürzte eine Maschine von British Airways auf dem Weg nach Manchester über München ab. In der Kabine saßen die Spieler der Fußballmannschaft Manchester United, die von Fans und Sportjournalisten begleitet wurden. 44 Passagiere waren an Bord, 23 kamen ums Leben, 21 wurden verletzt, nachdem das Flugzeug beim Startversuch wegen Schneeglätte von der Startbahn abkam und explodierte.

Am 6. Februar 1958 raste eine zweimotorige Propellermaschine nach einem missglückten Start vom damaligen Münchner Flughafen Riem über die Rollbahn hinaus, prallte gegen ein Haus und ging sofort in Flammen auf. 23 Insassen kamen ums Leben, darunter auch acht Spieler der Fußballmannschaft "Manchester United".
Bild: Klaus Heirler, dpa (Archivfoto)

In den 60er-Jahren dann zog die Stadt München Konsequenzen aus beiden Unglücken: 1962 schaffte sie für die Feuerwehr Trockentanklöschfahrzeuge mit je 750 Kilogramm Löschpulver an. Darüber hinaus installierte die Stadt statt mehrerer kleiner Gruppenwachen große Zugwachen samt Dienstwohnungen, damit ausreichend Einsatzkräfte in Ausnahmesituationen besser erreichbar sind.

Beide Flugzeugunglücke in München hatten Folgen für die Landeshauptstadt

Die Untersuchung des Unfalls vom 17. Dezember 1960 zeigte, dass sich Wasser in der Kraftstoffpumpe des linken Triebwerks angesammelt hatte. Eis kann Einlassventile blockieren und so ein Absterben des Motors bewirken. Der Absturz war bis 1960 das Flugzeugunglück in Deutschland mit den meisten zivilen Opfern.

Beide Unglücke in München heizten in den 60er-Jahren die Diskussionen über neue, stadtfernere Standorte für Flughäfen weiter an. Allerdings dauerte es in der Landeshauptstadt 32 Jahre, bis mit dem Airport Franz-Josef-Strauß ein neuer Flughafen im Erdinger Moos rund 30 Kilometer nördlich der Bayernmetropole eröffnet wurde. Mit einem Aufkommen von 47,9 Millionen Gästen lag der Flugplatz 2019 auf Platz 9 in Europa.

Lesen Sie dazu auch: Wie ein Augsburger Ermittler das Oktoberfest-Attentat neu aufrollte

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