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Bayern

24.08.2016

Angehende Lehrer leiden unter Zukunftsangst

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Ob es nach dem dem Referendariat in die Schule geht, ist für viele zukünftige Lehrer nicht sicher.

In Bayern machen sich künftige Lehrer Sorgen um ihre Zukunft. Denn nach dem Referendariat bekommen nur wenige eine Planstelle. Manche ziehen deshalb schon vorher die Reißleine.

Angelika Wildgans macht jetzt erst einmal Urlaub. Ein bisschen erholt sich die Münchnerin auch von der Ungewissheit. Denn die vergangenen Monate waren ein einziges Hin und Her.

Angelika Wildgans hat kürzlich ihr Referendariat am Ingolstädter Apian-Gymnasium mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen und könnte jetzt Mathematik und Wirtschaft am Gymnasium unterrichten. Aber die 26-Jährige hat keine Planstelle bekommen. Seit 2010 wird nur ein Bruchteil der angehenden Lehrer beim Staat angestellt. 250 sind es diesmal, dazu 190 an Fachober-, Berufsober- und Wirtschaftsschulen. Die Zahl der Absolventen lag zuletzt aber zwischen 1200 und 1400.

Natürlich kennt Angelika Wildgans diese Zahlen. „Die Leute in meinem Seminar“, sagt sie, „haben sich sehr früh um Alternativen gekümmert.“ Konkurrenz habe es nicht gegeben. „Wir haben uns sogar untereinander auf Stellenangebote aufmerksam gemacht.“ Ganz ausblenden konnten sie die Jobprobleme aber nicht. Wenn sich die Referendare nach der Schule noch trafen, saß die Zukunftsangst mit am Tisch.

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Das bayerische Kultusministerium veröffentlicht jedes Jahr eine Prognose dazu, welche Lehrer in Zukunft gebraucht werden. Aktuell reicht sie bis 2030. Auch in den nächsten Jahren, heißt es darin, wird die Zahl der Bewerber „den jährlichen Einstellungsbedarf noch deutlich übersteigen“. Für die Realschule sind die Vorhersagen ähnlich düster. Dort wurden aktuell jedoch etwas mehr Lehrer eingestellt als im Vorjahr. Heute sind es 245, damals waren es 76.

Weniger Lehramtsstudenten für Gymnasium und Realschule

Das Problem: Prognosen fußen auf der Gegenwart. Unerwartete Ereignisse wie den Flüchtlingsstrom können sie nicht voraussagen. Es war nicht abzusehen, dass im Verlauf des Schuljahres 2015/2016 tausende Flüchtlingskinder in den Unterricht an Grund-, Mittel- und Berufsschulen kommen würden. Nachdem die Wartelisten leer sind, bietet das Kultusministerium Qualifizierungskurse für Gymnasial- und Realschullehrer an, damit auch sie dort unterrichten können. 770 Plätze sind dafür ab Schuljahresbeginn vorgesehen.

Trotzdem: Die unsichere Jobsituation beunruhigt künftige Lehrer schon an den Universitäten. 2010 studierten dem Landesamt für Statistik zufolge noch fast 4600 angehende Gymnasiallehrer im ersten und zweiten Semester an Bayerns Hochschulen. 2014 waren es 3136. Für die Realschule gehen die Zahlen ebenfalls zurück: von 1780 im Jahr 2010 auf zuletzt 925.

Dass Lehramts-Anwärter um ihre Zukunft bangen, stellt auch Thomas Bodenmüller fest. Er leitet die Zentrale Studienberatung an der Universität Augsburg. „Wir merken seit zwei Jahren, dass sich Lehramtsstudenten verstärkt beraten lassen. Einmal die, die sich noch orientieren, aber auch sehr viele, die bereits eingeschrieben sind.“ Vor allem Studenten im zweiten und dritten Semester zögen „oft die Reißleine“, weil ihnen die Aussichten zu unsicher sind.

Studenten in niedrigen Semester geben Lehramtsstudium auf

„Sie geben das Lehramtsstudium auf und entscheiden sich gleich nur für den Bachelor in einem ihrer Fächer.“ Andere möchten sich doppelt absichern und streben einen zusätzlichen Abschluss neben dem Staatsexamen an. „Ein neuer Trend ist, dass Studenten in die Studiengänge wechseln, in denen Lehrer gebraucht werden – vor allem hin zur Mittelschule.“

Absolventin Angelika Wildgans war mit 24 Kollegen an der Seminarschule in Ingolstadt. Fünf von ihnen haben eine Planstelle bekommen. Ein Teil bildet sich für den Unterricht an Mittelschulen fort. Andere wollen an der Berufsschule unterrichten. Einer wechselt das Bundesland und geht an eine Schule in Bremerhaven.

Am Ende haben alle eine Stelle gefunden. Sie hatten Glück – und sie waren extrem flexibel. Die 26-Jährige selbst will in München in Mathematik-Didaktik promovieren. Darauf freut sie sich jetzt. Trotzdem sagt sie: „Ich wäre gerne beim Staat untergekommen, dann hätte ich mich nicht nach Alternativen umgeschaut.“

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