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Asyl

12.03.2019

Ankerzentren sorgen nicht nur in Mering für Ärger

Im Ankerzentrum Donauwörth gibt es immer wieder Polizeieinsätze
Bild: Stefan Puchner, dpa (Archiv)

Plus Die Marktgemeinde Mering wehrt sich heftig gegen die geplante Außenstelle des Donauwörther Ankerzentrums. Auch andere Städte stehen vor Herausforderungen.

Etwa ein halbes Jahr ist es her, da hat der Freistaat im August 2018 seine ersten sieben Ankerzentren eingeweiht. Neu nach Deutschland gekommene Flüchtlinge wohnen dort so lange, bis darüber entschieden wird, ob sie im Land bleiben dürfen oder abgeschoben werden. Doch die Einrichtungen bergen Konfliktpotenzial.

In Mering (Landkreis Aichach-Friedberg) löst die geplante Einrichtung einer Außenstelle des Donauwörther Ankerzentrums, das Ende des Jahres aufgelöst werden soll, heftige Diskussionen aus. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler (SPD) befürchtet eine hoffnungslose Überforderung seiner Marktgemeinde. Die Entscheidung der Regierung von Schwaben, bis zu 170 Asylbewerber in dem Gebäude im Norden Merings unterbringen zu wollen, nennt er eine „Sauerei“. Schließlich sei Mering keine Zuzugsgemeinde und die Kapazität von Kindergärten, Schulen und Ärzten schon jetzt am Anschlag. Neben den beiden Außenstellen in den Augsburger Stadtteilen Inningen und Kriegshaber sowie einer geplanten Dependance in Neu-Ulm soll seine Marktgemeinde nun die vierte Filiale des Ankerzentrums in Donauwörth stellen.

Die schwäbische Bezirksregierung hat eine ehemalige Verwaltungs- und Produktionsstätte in Mering auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 als Erstaufnahmeeinrichtung angemietet, sie bis heute jedoch nicht genutzt. Jetzt werde sie aber dringend gebraucht, um das mit knapp 800 Schutzsuchenden belegte Ankerzentrum in Donauwörth zu entlasten, erklärt Karl-Heinz Meyer, Sprecher der Regierung von Schwaben.

Die Begeisterung bei Bürgermeister Kandler hält sich auch deswegen in Grenzen, weil es im Donauwörther Zentrum häufig zu Zwischenfällen kommt. Jüngst überfielen zwei Männer aus der Einrichtung ein Donauwörther Modegeschäft, ließen Ware im Wert von rund 250 Euro mitgehen. Erst wenige Wochen zuvor musste sich ein Asylbewerber aus dem gleichen Ankerzentrum vor Gericht für drei Diebstähle im Wert von mehr als 1000 Euro verantworten. Immer wieder kommt es zu Tumulten und Streitereien unter den Flüchtlingen, weswegen Polizei- und Sicherheitskräfte regelmäßig einschreiten müssen.

Bürgerinitiative will Ankerzentrum in Mering verhindern

Inzwischen hat sich in Mering sogar eine Bürgerinitiative formiert mit dem Ziel, die Außenstelle zu verhindern. „Wir richten uns nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen das Konzept Ankerzentrum“, sagt Initiator Gilbert Kiser. Die Fälle in Donauwörth hätten gezeigt, dass Gewalt und Kriminalität in diesen Einrichtungen nicht zu verhindern seien. „Die meisten haben eine schlechte Bleibeperspektive und in Deutschland nichts mehr zu verlieren“, so Kiser.

Weil Mering keine eigene Polizeistation hat, äußert sich auch CSU-Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko kritisch zu den Plänen der Regierung: „Mering ist dafür überhaupt nicht geeignet.“ Seiner Ansicht nach wäre Kempten, das mit seiner deutlich größeren Kaserne schon in der Diskussion war, der bessere Standort.

Ähnlich wie in Mering hat die schwäbische Bezirksregierung das Gelände am Kemptener Stadtrand bereits als Erstaufnahmeeinrichtung angemietet. „Wir kennen aber keine Planungen für eine Besetzung der Kaserne“, sagt Thomas Baier-Regnery, Sozialreferent der Stadt Kempten. Wegen der rückläufigen Flüchtlingszahlen bezweifelt er außerdem, ob es eine Einrichtung einer solchen Größenordnung überhaupt braucht.

„Es herrscht großes Konfliktpotenzial, wenn derart viele Menschen auf einem solch engen Raum zusammenleben“, sagt Baier-Regnery. Mit dezentralen Einrichtungen, also vielen kleinen in der Stadt verteilten Flüchtlingsunterkünften, sei die Situation in Kempten bisher „verträglich“.

Lage in Fürstenfeldbruck ist "desolat und angespannt"

Als „desolat und angespannt“ bezeichnet hingegen der Fürstenfeldbrucker Integrationsreferent Willi Dräxler die Atmosphäre in seiner Stadt, in der es eine Dependance des Ankerzentrums Manching bei Ingolstadt gibt. In Fürstenfeldbruck sind 1000 Menschen untergebracht, größtenteils Nigerianer. Der Frust bei ihnen sitzt tief, erzählt Dräxler. Weil die Flüchtlinge in einem Ankerzentrum Lebensmittel als Sachleistung erhalten, dürfen sie nicht selbst kochen. „Das wäre in etwa so, wie wenn wir jeden Tag westafrikanisch essen müssten. Bei den Flüchtlingen kommt es zu Verdauungsproblemen“, erklärt Dräxler.

Um auf diese Zustände aufmerksam zu machen, haben hunderte von Flüchtlingen in Fürstenfeldbruck bereits mehrfach demonstriert. Viele Bürger sind besorgt, fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, die sich beispielsweise den Schulbus mit den Asylbewerbern teilen. Zu massiven Konflikten sei es aber noch nie gekommen, versichert Dräxler.

Auch zu den beiden Augsburger Depandancen in Kriegshaber und Inningen habe es anfangs viele Mails der Bürger gegeben, sagt Augsburgs Dritter Bürgermeister Stefan Kiefer (SPD). „Inzwischen gibt es aber nur noch wenige. Es scheint so, als hätte sich die Situation schnell eingespielt.“ Die Helferkreise versuchen, etwa durch Sportangebote Kontakt mit den Bewohnern aufzubauen. „Allerdings ist die Kontaktaufnahme schwerer als in einer regulären Flüchtlingsunterkunft, weil die räumliche Situation beengt und der Verbleib der Bewohner nicht auf längere Zeit angelegt ist“, so Kiefer.

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