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Anwohner in Garching fordern
23.07.2019

Forschungsreaktor soll kein radioaktives Wasser mehr in die Isar leiten

Der Forschungsreaktor FRM II der TU München. Umweltschützer und Anwohner wollen die Ableitung von radioaktivem Abwasser in die Isar nicht mehr akzeptieren.
Foto: Inga Kjer, dpa/Archiv

Radioaktives Wasser in der Isar? Umweltschützer und Anwohner in der Nähe des Forschungsreaktors Garching bei München wollen das nicht mehr akzeptieren.

Ulrich Hilberer hat Karten und Fotos dabei. Sie zeigen eine glitzernde Isar, Grün am Ufer und einen Kasten Bier von Feiernden am Strand. Oberhalb der bei Erholungssuchenden beliebten Stelle werde schwach radioaktives Wasser aus dem Forschungsreaktor Garching eingeleitet, sagt der Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Ismaning. "Da wird gebadet, da wird gefischt." Es gebe nicht einmal Hinweisschilder. Gemeinden, Bürger und Verbände wehrten sich am Dienstag bei einer Anhörung in Ismaning gegen die von der Technischen Universität München (TUM) beantragte Genehmigung zur weiteren Einleitung schwach radioaktiver Abwässer. 

Rund 1400 Einwendungen liegen vor; die Beteiligung an der Anhörung war allerdings gering. Das Landratsamt München entscheidet später über den Antrag der TUM als Reaktorbetreiberin.

Kurzzeitig prägte die Debatte um die Betriebsgenehmigung des umstrittenen Reaktors das Verfahren. Der FRM II laufe immer noch mit hochangereichertem und waffenfähigem Uran, obwohl er gemäß der Betriebsgenehmigung bis Ende 2010 hätte umgerüstet werden müssen, argumentieren Umweltverbände und Grüne. Sie beantragten, das Verfahren über die Abwässer auszusetzen. "In dieser Situation macht es überhaupt keinen Sinn, über die Wassereinleitung zu sprechen", sagte Hauke Doerk vom Verein Umweltinstitut München. 

Vertreter des bayerischen Umweltministeriums als Genehmigungsbehörde wie auch der TUM argumentieren hingegen, die atomrechtliche und die wasserrechtliche Genehmigung seien zwei getrennte Dinge. "Im Moment gehen wir von einer bestandskräftigen rechtsgültigen Genehmigung aus", sagt Ministeriumsvertreter Ronzon Mallick in Ismaning. Das von den Reaktorgegnern vorgelegte gegenteilige Rechtsgutachten werde geprüft. 

Kritiker aus der Umgebung wehren sich seit langem gegen den Betrieb des Reaktors und wollen auch keine Einleitung von leicht radioaktivem Wasser in die Isar. Die seit 20 Jahren bestehende wasserrechtliche Erlaubnis dazu läuft aber dieses Jahr aus. Die nun beantragten 30 Jahre seien viel zu lang, betonen mehrere Einwender. Angesichts des Klimawandels könne die Isar dann erheblich weniger Wasser haben. 

Es müssten technische Verfahren weiterentwickelt werden, um die Radioaktivität zu reduzieren. "Ich erwarte von der Wissenschaft, dass man das ganz vermeidet", sagt ein Vertreter der Gemeinde Hallbergmoos. Das müsse in zehn Jahren möglich sein. Doch hier werde Geld gespart "zu Lasten der Bürger". Christine Margraf vom Bund Naturschutz in Bayern sagt, die technischen Möglichkeiten gebe es schon. "Bei Radioaktivität muss das Minimierungsgebot Vorrang haben."

 Die Abwässer stammen aus dem Reaktor und der Radiochemie, in denen unter anderem radioaktive Präparate zur Behandlung und Diagnostik von Krebs hergestellt werden. Die Uni argumentiert, Alternativen zur Einleitung in die Isar seien nicht praktikabel. Bei den neu beantragten Werten gehe es um absolute Maximalwerte, die in aller Regel bei Weitem nicht erreicht würden. Die beantragte Gesamtmenge sei sogar geringer als bisher. Zudem seien die Kontrollen engmaschig.

 Wegen Genehmigungsproblemen bei der Lieferung neuer Brennelemente steht der FRM II seit Monaten still. Er dürfe gar nicht mehr anfahren, verlangen die Gegner.

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