Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Armut im Allgäu in zehn Jahren drastisch gestiegen

Armutsstudie

19.12.2019

Armut im Allgäu in zehn Jahren drastisch gestiegen

Auch im reichen Bayern gibt es arme Menschen – wenn auch weniger als im Rest der Republik.
Bild: Steffen Schellhorn, epd

Plus Im Allgäu und im Raum Ingolstadt ist die Armutsquote deutlich angestiegen. Es gibt aber viele Regionen, die deutlich schlechter dastehen.

Die gute Nachricht zuerst: Nirgendwo in Deutschland gibt es so wenige arme Menschen wie in Bayern. Bundesweit liegt die Armutsquote bei 15,5 Prozent – im Freistaat sind es nur 11,7. Aber es gibt eben auch eine schlechte Nachricht. Und die dürfte viele Bajuwaren dann doch überraschen: Ausgerechnet im Allgäu – Bilderbuch-Bayern und Touristenmagnet – und in der Auto-Region rund um Ingolstadt ist die Armut innerhalb von zehn Jahren stark gestiegen – liegt aber dennoch unter dem bayernweiten Schnitt.

Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Der Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege hat in der Studie die Armutsentwicklung auf Länder- und Regionalebene untersucht. Das Ergebnis: In 35 von 95 Regionen ist die Armut zwischen 2008 und 2018 gesunken. In gut einem Viertel aller Regionen ist die Armut allerdings um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Experte: Man muss diese Regionen im Augen behalten

Jonas Pieper ist einer der Autoren der Studie. Und er sagt: „Es gibt Gegenden, da muss man jetzt genauer hinschauen. Die sind zwar durchaus wohlhabend, aber das schließt natürlich nicht aus, dass es auch arme Menschen gibt.“ Das gelte etwa für das Allgäu. „Dort ist in den vergangenen zehn Jahren offensichtlich etwas in Bewegung gekommen. Und das muss man jetzt im Auge behalten.“

Die Situation sieht im Allgäu der Studie zufolge so aus: 2008 lag die Armutsquote bei 8,7 Prozent. 2018 bei 11,3. In der Studie werden die Städte Kaufbeuren und Kempten sowie die Landkreise Lindau, Ost- und Oberallgäu unter der Region Allgäu zusammengefasst. Memmingen und das Unterallgäu zählen in der Untersuchung zur Region Donau-Iller. Auch dort stieg die Armutsquote – von 10,3 Prozent auf 11,8 Prozent.


Ebenso wie das Allgäu steht auch die Region Ingolstadt – dazu gehören die Stadt Ingolstadt sowie die Landkreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen an der Ilm – auf der Liste der „zu Beobachtenden“. Dort ist die Armutsquote von 8,4 auf 10,3 Prozent angestiegen – ein Plus von 22,6 Prozent. Dennoch: Ingolstadt gehört nach wie vor zu den Regionen mit der niedrigsten Armutsquote in ganz Deutschland.

Hartz-IV-Quote geht bundesweit zurück

Wie reagiert man nun im Allgäu auf die Studie? Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass in seiner Stadt die Zahl der Empfänger von Leistungen der Grundsicherung und des Wohngeldes kontinuierlich sinke. „Lediglich die Zuweisung von Flüchtlingen hat diesen positiven Trend kurzfristig unterbrochen“, erläutert Bosse. Seiner Ansicht nach müssten dem Einkommen der Menschen die Lebenshaltungskosten gegenüber gestellt werden. „Das Pro-Kopf-Einkommen und natürlich auch die Lebenshaltungskosten sind in Kaufbeuren beispielsweise niedriger als in Lindau oder Kempten. Der Paritätische Wohlfahrtsverband differenziert in der Studie aber nicht innerhalb der Region, die sehr vielseitig ist“, kritisiert Bosse. Auch das Landratsamt Oberallgäu teilt mit, dass die Zahl der Empfänger von Leistungen nach dem SGB II seit 2008 um etwa 1000 Personen zurückgegangen ist.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband berichtet ebenfalls, dass die Hartz-IV-Quote bundesweit leicht zurückgegangen ist – allerdings ist das nur ein Teilaspekt der Problematik. Der Armutsbericht beruht auf dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Dabei werden die Teilnehmer nach ihrem Nettoeinkommen befragt. Bei der Berechnung der Armutsquoten werden alle Personen gezählt, die in Haushalten leben, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Bei einem Ein-Personen-Haushalt lag diese Grenze 2018 bei 1035 Euro im Monat, bei einer Familie mit zwei Kindern bei 2174 Euro.

In Deutschland gibt es 12,8 Millionen arme Menschen

Die Berechnungen zeigen: In Deutschland gibt es 12,8 Millionen arme Menschen. „Und das sind oft Menschen, die erwerbstätig sind“, sagt Studienautor Pieper. Etwa 32 Prozent der von Armut Betroffenen haben eine Arbeit, knapp 29 Prozent sind in Rente oder Pension. „Offensichtlich reicht es nicht, zu sagen: Um nicht arm zu sein, muss man arbeiten.“ Das Problem sei vielmehr: Die Menschen verdienen zu wenig Geld.

Was die regionalen Gründe für einen Anstieg der Armutsquoten sind, lässt sich nur schwer beantworten. Es gebe aber generelle Faktoren, die eine negative Entwicklung beeinflussten, sagt Pieper. „Oft sind ein Strukturwandel und die Deindustrialisierung die Ursache für die gestiegene Armut.“ Pieper hat noch eine Beobachtung gemacht: Seit 2009 gibt es einen wirtschaftlichen Aufschwung, das Bruttoinlandsprodukt wächst – einen Rückgang der Armut im gleichen Maße gibt es aber nicht.

Und in welchen bayerischen Regionen sind die Menschen am ärmsten? Der Studie zufolge gibt es die größten Probleme im Osten des Freistaates, wo die Quoten teils über 16 Prozent liegen, etwa in Teilen Oberfrankens. Der Großraum Augsburg, zu dem in der Studie neben der namensgebenden Stadt und dem Landkreis auch die Kreise Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries zählen, kommt auf eine Quote von 12,5 Prozent.

Lesen Sie dazu auch: Warum gibt es so viele arme Menschen im reichen Bayern?

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

21.12.2019

Solange solche Statistiken Dinge wie Wohneigentum nicht berücksichtigen, braucht man sich keinen Gedanken zu machen. So eine ähnliche Diskussion tobt ja immer mit den Wohneigentumsquoten in Süden Europas.

https://www.stimmtdas.org/2017/11/15/beer-fdp-eigentum-de/

>> Bei der Berechnung der Armutsquoten werden alle Personen gezählt, die in Haushalten leben, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. <<

Ergo ist die Quote in Regionen mit weniger Kindern und mehr Singels besser.

Tatsache bleibt, dass die Armutsquote in Deutschland nur durch Zuwanderung genährt wird, was auch schon im Spiegel zu lesen war.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/armut-einwanderung-treibt-risikoquote-2017-auf-rekordstand-a-1222286.html

Am Ende ist es wieder Bildung und Leistungswille der auch zu einem Industrieland passen sollte.

Permalink
21.12.2019

Noch ärmer ist München. Dort gibt's nicht mal mehr Rolex...

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren