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Augsburg
22.06.2014

Wird die Militärmusik von Zivilisten gerettet?

Die Militärmusik befindet sich auf dem Rückzug, sagt Gernot Keller, Vorsitzender des Lützelburger Kameraden- und Soldatenvereins. Nun soll das das anspruchsvolle Musikgut von mehr zivilen Orchestern aufgenommen werden.
Foto: Adrian Bradshaw, dpa

Wie ein Gablinger mit Geldern der Europäischen Union dem Verteidigungsministerium den Marsch blasen will.

Wer kennt nicht den berühmten „Radetzkymarsch“, komponiert von Johann Strauß (Vater) zu Ehren von Feldmarschall Graf Radetzky von Radetz? Der schmissige Armeemarsch, der jedes Jahr zu den Höhepunkten des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker gehört, ist nur ein Beispiel für die vielen Werke prominenter Komponisten, die zum Repertoire gerade von Musikkorps und Kapellen der Bundeswehr zählen.

Doch die Militärmusik befindet sich auf dem Rückzug, klagt Gernot Keller aus dem Gablinger Ortsteil Lützelburg im Landkreis Augsburg. Das will der zweite Vorsitzende des dortigen Kameraden- und Soldatenvereins nun ändern. Zu seinen Verbündeten zählt Gablingens zweite Bürgermeisterin Karina Ruf ebenso wie Angela Ehinger, Bezirksvorsitzende des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM). Keller hofft zudem auf Unterstützung von der Europäischen Union. Der Verein Real-West, der im Augsburger Land EU-Fördermittel verteilt, hat bereits Interesse signalisiert.

Keller stellte Anfrage an Bundesverteidigungsministerium

Zunächst aber muss Keller die Reservisten-Kameraden überzeugen. Bei der kommendes Wochenende in Nördlingen stattfindenden Landesversammlung der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung möchte Gernot Keller einen Antrag auf Satzungserweiterung stellen, der die „Förderung der Bewahrung und der Pflege der Militärmusik“ beinhaltet. Auch an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat sich Keller bereits gewandt.

Denn, so Keller, das anspruchsvolle Musikgut „Militärmusik“ werde heute immer weniger gepflegt. Die Reform der Bundeswehr habe auch zur Auflösung von Musikkorps geführt. Dabei verfüge die Bundesrepublik wie kein anderes Land über eine umfangreiche und „in ihren Traditionen so unterschiedlich geprägte Sammlung von Märschen“.

Leider würden heute Musikkorps bei Konzerten immer mehr allgemeine klassische oder moderne Musik aufführen. Es gebe – bis auf den Raum Olpe – kaum zivile Orchester, die Militärmusik im Repertoire hätten, weiß Gernot Keller, wogegen dies in Österreich, Südtirol und der Schweiz gefördert werde.

Aus Berlin ist wohl keine Unterstützung zu erwarten

Keller will nun mit Kommunalpolitikerin Ruf und ASM-Bezirkschefin Ehinger zivile Orchester motivieren, Militärmusik in ihr Programm aufzunehmen oder aber ein eigenes Projektorchester zu gründen. Für dieses Orchester könnten Musiker aus den verschiedensten Musikvereinen der Region zusammenkommen. Der Musikverein Ellgau würde einen Proberaum zur Verfügung stellen, Real-West will mit EU-Geld helfen.

Doch nun bremst ausgerechnet das Berliner Verteidigungsministerium Kellers Militärmusik-Offensive. Wie von der Leyens Referatsleiter Burkart Köster schriftlich mitteilt, werde der Umfang des Militärmusikdienstes analog zur gesamten Bundeswehr zwar insgesamt geringer, die Streitkräfte verfügten aber nach wie vor über „hervorragend ausgebildete Klangkörper“, die sich auch künftig der Pflege und Bewahrung der Militärmusikliteratur annehmen würden. Auch das „Zentrum Militärmusik“ im Streitkräfteteam der Bundeswehr stelle dies sicher, so Köster.

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