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Analyse

08.12.2018

Augsburger Männer haben die niedrigsten Renten

Mit ihren Renteneinnahmen liegen viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze.
Bild: Murat, dpa (Symbolbild)

Auch Schwaben ist im Vergleich der Regionen Schlusslicht bei der Rente für Männer. Wo es am meisten Geld gibt und wie viel Rente Frauen bekommen.

Augsburger Männer, die im Jahr 2017 neu in Rente gingen, haben bayernweit im Durchschnitt die niedrigsten Einnahmen aus der gesetzlichen Rente: Nach einer Rentenanalyse, die der DGB Bayern am Freitag vorlegte, bekamen die männlichen Neurentner in der Stadt Augsburg im Durchschnitt nur 662 Euro – deutlich weniger als der Bayern-Schnitt von 1081 Euro oder der Höchstwert im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt mit 1368 Euro. Auch im Vergleich der bayerischen Regionen bildet Schwaben mit 1035 Euro im Schnitt das Schlusslicht. Auch Schwabens Frauen bleiben mit 659 Euro unter dem Bayernschnitt von 684 Euro.

Woran das besonders niedrige Rentenniveau in Augsburg liegt, ist laut DGB-Chef Matthias Jena nicht einfach zu erklären: „Es gibt wohl verschiedene Gründe“, sagte er. So ist etwa der Anteil der Rentenversicherten mit mehr als 45 Versicherungsjahren in Augsburg mit nur 19,1 Prozent extrem niedrig. Grund dafür könnte etwa eine hohe Quote an Minijobs und der hohe Migrantenanteil in der Stadt sein. Menschen mit höheren Renten lebten zudem offenbar vor allem im Speckgürtel, vermutet Jena. In der Tat gehören die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg mit einer Durchschnittsrente von mehr als 1200 Euro zur Spitzengruppe.

Gewerkschaft: Rentenniveau in Bayern viel zu niedrig

Nach Ansicht der Gewerkschaft ist aber das Rentenniveau nicht nur in Augsburg, sondern in Bayern insgesamt viel zu niedrig. Die genannten Summen seien schließlich nur Durchschnittswerte – was bedeutet, dass viele Menschen deutlich niedrigere Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben, kritisierte Jena. Frauen seien besonders eklatant betroffen: Sie erhielten 2017 bayernweit rund 37 Prozent weniger Rente als Männer. Unter dem Strich zeigten die Zahlen „für viele Menschen eine völlig ungenügende soziale Absicherung im Alter“, findet der Gewerkschafter. Zwar können beim Rentenreport weitere Familieneinkünfte oder eine private Altersvorsorge nicht berücksichtigt werden: Allein mit ihren Renteneinnahmen liegen allerdings 70 Prozent der Neurentnerinnen und rund ein Drittel der Neurentner unterhalb der Armutsschwelle.

 

„Es ist ein Skandal in so einem reichen Land, wenn die Rente nicht zum Leben reicht“, schimpft Jena. Nur gut ein Viertel der Männer und nur vier Prozent der Frauen in Bayern bekommen eine Rente von mehr als 1500 Euro. Dabei sei die gesetzliche Rentenversicherung für die Mehrzahl der Menschen nach wie vor der entscheidende Pfeiler der Altersversorgung. Gerade Geringverdiener und die wachsende Zahl von Menschen in „atypischer Beschäftigung“ – also Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit – könnten sich eine private Altersvorsorge schlicht nicht leisten. Laut DGB-Statistik sind gut 38 Prozent der Arbeitsplätze in Bayern keine unbefristeten Vollzeitjobs – rund zehn Prozent mehr als 2003.

DGB kritisiert Erhöhung des Renteneintrittsalters

Kritik erhebt der DGB auch an der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre im Jahr 2031. Schon heute arbeite nur ein gutes Drittel der 60-Jährigen und nur 5,2 Prozent der 65-Jährigen in Vollzeit: „Die Rente mit 67 nimmt keinerlei Rücksicht auf die Realität am Arbeitsmarkt“, findet Jena. Trotz guter Konjunktur hätten es Ältere auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor schwer, teilweise seien sie sogar „regelrecht stigmatisiert“. Eine Erhöhung des Rentenbeitrags von 20 auf 22 Prozent hält der DGB für sinnvoll. Das Rentenniveau müsse im Vergleich zum Arbeitseinkommen von 48 Prozent auf über fünfzig Prozent gebracht werden, fordert DBG-Vize Verena Di Pasquale.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Rentenreport: Armes reiches Augsburg

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08.12.2018

Sehr schön geschrieben! Kein Mensch versteht die Rentenpolitik in diesem Land und deren Berechnung. Hauptsache die Pensionen sind gesichert, von der jeder sich besonders die Politiker ausreichend bedienen - egal ob verdient oder nicht.

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08.12.2018

Das Problem ist, dass wir zwar nur dem Namen nach eine "Rentenversicherung" haben, tatsächlich ist es eine umlagefinanzierte Sozialkasse die auch mit bald 100 Milliarden € jährlichem Steuerzuschuss zusätzlich finanziert wird. Die Höhe der Rente wird aber nicht nach dem Bedarf berechnet, nicht einmal teilweise, sondern ausschließlich über die Rentenpunkte. Und dafür zählt eben das Einkommen der Vergangenheit, der 45-50 Jahre vor Renteneintritt. Und Bayern war ja einst, vor Jahrzehnten, das Schlusslicht in der Bundesrepublik, bzgl. Wirtschaftskraft und Einkommen. Augsburg wurde durch den Strukturwandel der Textilindustrie auch besonders geschüttelt, sozusagen ein Mini-Ruhrgebiet.

Und so kommt es nun zu einer toxischen Mischung von niedrigen Renten und besonders hohen Lebenshaltungskosten, weil Bayern heute eben an der Spitze ist und Augsburg auch eine aufsteigende Region ist, d. h. die Lebenshaltungskosten ziemlich weit oben angesiedelt sind im Deutschlandvergleich. Zu bestreiten mit den mit niedrigsten Renten im Deutschlandvergleich. Wer nun behauptet, dass das nun einmal so sei weil die Leute ja "eingezahlt" hätten und so sei es das nun einmal jetzt, der hat nicht nur nicht begriffen, dass das eben keine wirkliche Versicherung ist, sondern eine Umlage plus Steuerzuschuss der jetzigen Arbeitnehmer, sondern auch, dass ein Rentenpunkt vor Jahrzhenten in Augsburg in DM auch mehr wert war, weil die Lebenshaltungskosten einfach niedriger waren, als in reicheren Regionen. D. h. das System der Rentenpunkte, bezogen auf das bezogene Entgelt, spiegelt nicht einmal die erarbeitete Kaufkraft. Die Lebenshaltungskosten waren in den 80ern in Augsburg einfach wesentlich niedriger, als zB in München (sind sie ja bis heute) oder auch Hamburg, Stuttgart, Bonn, usw.

Zudem: wir haben ja schon einmal die Rentenberechnung komplett über den Haufen geworfen. Die sogennanten "Ostrenten". Vor 1990 hat niemand in Ostdeutschland in die Rentenkassen der Bundesrepublik eingezahlt. Dennoch hat man die Rentner dort nicht auf Sozialhilfenieau abstürzen lassen, sondern sogar die Einkommen aus DDR Zeiten weitgehend anerkannt, obwohl diese in DM gerechnet nur einen Bruchteil "wert" gewesen waren. Das führt dazu, dass im bundesweiten Vergleich die Renten in den Neuen Ländern mit zu den höchsten Renten gehören, höher zB als in Augsburg. Und das kann man dann wirklich niemand mehr vernünftig erklären, wieso das in Ostdeutschland möglich war, aber nicht für Armutsrentner in Bayern.

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