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Jagd

03.01.2018

Aus Angst vor Schweinepest sollen mehr Wildschweine getötet werden

Obwohl im vergangenen Jagdjahr in Bayern 60.845 Wildschweine erlegt wurden, steigt der Bestand weiter an. Die Abschusszahlen sollen nun weiter erhöht werden.
Bild: Franziska Kraufmann (Symbolbild)

Trotz hoher Abschusszahlen steigt die Zahl der Wildschweine. Der Bauernverband fordert nun zur Reduzierung sogar drastische Methoden - auch wegen der Afrikanischen Schweinepest.

Ein böiger Wind bläst einem auf dem Hochsitz ins Gesicht. Die kleine Lichtung im Wald einige Meter davor ist auch in der Dunkelheit gut einzusehen. Es hat geschneit an diesem Tag. Beste Voraussetzungen für die Jagd auf Sauen. Stefan Glaß ist an diesem Abend raus ins Revier – so wie viele Abende zuvor. „Das Wetter passt, die Lichtverhältnisse stimmen und die Wildschweine bekommen auch keine Witterung vom Menschen, weil der Wind günstig ist“, sagt er.

Hoffnung machen dem 52-Jährigen zudem Bilder vom Vortag. Eine Wildkamera hat Sauen in der Lichtung fotografiert und ihr Erscheinen exakt dokumentiert. Zwei Frischlinge kamen um 19.30 Uhr und schließlich eine Rotte mit 13 Wildschweinen nachts um ein Uhr an den tief im Forst gelegenen Platz.

Stefan Glaß hat seit 19 Jahren den Jagdschein. Sein Ziel war ursprünglich die Falknerei, für die der Jagdschein Voraussetzung ist. Aus diesem Grund haben auch seine Frau Manuela und sein Sohn Robin das „grüne Abitur“, wie es im Fachjargon heißt, absolviert. Inzwischen ist Glaß mit seinem dreijährigen Wüstenbussard Shiva nicht nur leidenschaftlicher Falkner, sondern er geht im 750 Hektar großen Revier bei Wörleschwang, einem Ortsteil von Zusmarshausen, auch auf die Pirsch.

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So wie an diesem Abend im Distrikt Hinterer Hochrücken. Für Glaß, in Welden im Landkreis Augsburg zu Hause, ist die Jagd ein willkommener Ausgleich zum Berufsalltag. Viele Nächte ist er auf Pirschgängen in Wald und Flur unterwegs. Wobei der Abschuss des Wildes für ihn zu keinem Zeitpunkt im Vordergrund stand, sagt er. „Die Jagd selbst macht nur einen kleinen Bruchteil des zeitaufwendigen Hobbys aus.“ Einen weitaus größeren Raum würden die Hege des Wildes, die Arbeiten im Revier und der Naturschutz einnehmen.

Selbstverständlich spiele mit Blick auf die immens wachsende Schwarzwild-Population auch die Schadensreduzierung auf den Feldern eine Rolle. Dabei betont er sein gutes Verhältnis zu den Landwirten und Waldbauern sowie zu den angrenzenden Reviernachbarn, wie etwa dem Staatsforst. „Das ist mir wichtig.“ Glaß hat Verständnis für die Klagen der Bauern, wenn wieder mal eine Wildschwein-Rotte ein Maisfeld verwüstet hat. Er bittet aber auch um Verständnis für die Revierpächter, für die die Jagd auf Sauen zur stundenlangen, ja nächtelangen Geduldsprobe werden kann – häufig ohne Erfolg.

An diesem Abend hat Glaß Erfolg. Kurz nach 20 Uhr treten – wie schon am Vortag – zwei Frischlinge aus der Dickung auf die Lichtung vor dem Hochsitz. Es sind wohl zwei Einzelgänger, die seit längerem ohne Bache umherziehen. Er wartet, bis die Gelegenheit günstig ist, und erlegt ein rund 20 Kilogramm schweres, männliches Tier.

Jäger und Falkner: Stefan Glaß mit seinem Wüstenbussard „Shiva“.
Bild: Glaß

Abschüsse könnten durch Furcht vor der Afrikanischen Schweinepest steigen

60.845 Wildschweine wurden in Bayern im Jagdjahr 2016/2017 geschossen. Und obwohl sich die Zahl der Abschüsse in den vergangenen 15 Jahren fast verdreifacht hat, steigt der Bestand weiter an. Milde Winter und ein üppiges Nahrungsangebot führen teilweise zu zwei Würfen im Jahr. Schon einjährige Überläufer, gerade aus den Kinderschuhen entwachsen, bekommen inzwischen Nachwuchs.

Nun könnte der Jagddruck allerdings weiter zunehmen. Aus Furcht vor der Afrikanischen Schweinepest sollen die Abschusszahlen weiter erhöht werden. Die hochansteckende Tierseuche stelle auch eine ernste Bedrohung für die Hausschweine im Freistaat dar, sagt Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU).

Noch ist in Bayern kein einziger Fall bekannt, doch einer möglichen Ausbreitung der Krankheit soll vorgebeugt werden. So will die Staatsregierung den Jägern für das Erlegen von Frischlingen und jungen Wildschweinen künftig eine zusätzliche Prämie von 20 Euro pro Tier zahlen. Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, appelliert an die Jäger, mehr Sauen zu schießen. In Tschechien gelinge es derzeit, die Seuche mit massiver Bejagung einzudämmen.

Der Bauernverband geht sogar noch ein Stück weiter. Er fordert zur Reduzierung der Schwarzkittel sogenannte Saufänge. Sie sind eine Art Lebendfalle, in die die Wildschweine ahnungslos hineinlaufen, aber nicht mehr herauskommen. In diesen Fallen werden die Tiere dann getötet.

Jagd auf Wildschweine: Landwirte können helfen

Bayerns Jägerpräsident Jürgen Vocke hat auf den Vorstoß des Bauernverbandes empört reagiert. „Die Zeiten brutaler Jagdmethoden sind zum Glück schon lange vorbei“, sagt Vocke. Es wundere ihn daher umso mehr, „dass der Bauernverband mit dem Saufang immer wieder die brutalste Form der Ausrottung zur Reduzierung der Schwarzwild-Bestände fordert“. Dabei handele es sich um „reine Schädlingsbekämpfung“ und widerspreche dem Tierschutzgedanken. „Dagegen verwehre ich mich entschieden.“ Schweinepest: Brutale Jagdmethoden gehen zu weit

Vocke nennt die Afrikanische Schweinepest, die bisher unter anderem in Tschechien nachgewiesen wurde, ein hausgemachtes Problem. Die Seuche werde durch unhygienische Tiertransporte mit Hausschweinen vom Osten her eingeschleppt. „Da muss der Hebel angesetzt werden.“ Hier stünden die Veterinärbehörden in der Verantwortung. Und da lasse er sich auch nicht unterkriegen.

Selbstverständlich sieht auch der Jägerpräsident die Notwendigkeit, die ständig wachsenden Schwarzwild-Bestände zu reduzieren. Das könne etwa durch revierübergreifende Drückjagden, bei denen das Wild durch Hunde und Treiber in Bewegung gebracht wird, geschehen. „In keinem Fall sollten bei diesen Jagden auch Rehe geschossen werden“, sagt Vocke.

Gleichermaßen sei er strikt dagegen, Bachen zu erlegen, die Frischlinge mit sich führen. „Die Wildschwein-Rotten haben ein ausgeprägtes soziales Verhalten, bei denen die sogenannte Leitbache eine wichtige Funktion erfüllt.“ Werde dieses Muttertier geschossen, gerate der gesamte Familienverbund in Unordnung. „Ich wehre mich jedoch nicht dagegen, eine Bache zu erlegen, die keine Frischlinge hat.“

Vocke appelliert auch an die Landwirte, mitzuhelfen. „Riesige Mais- und Rapsfelder dürfen eben nicht bis an den Waldrand oder vorbeiführende Straßen gepflanzt werden.“ Dies erschwere die Jagd auf Sauen und mache sie in manchen Fällen fast unmöglich. Der Weldener Jäger Stefan Glaß kann ihm da nur beipflichten. „Du hörst die Sauen im Maisfeld schmatzen, aber du kannst nichts machen.“

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