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Ausgrabung
30.10.2012

KZ-Außenlager in Gablingen freigelegt

Reinald Schlosser aus Gablingen (Kreis Augsburg) engagiert sich dafür, dass das freigelegte Außenlager des KZ-Dachau zu einer Gedenkstätte wird.
Foto: Marcus Merk

In Gablingen bei Augsburg wurde ein Außenlager des KZ Dachau freigelegt. Doch ob die Funde erhalten bleiben, ist noch fraglich.

Spektakulär oder gar schön ist das nicht, was die archäologischen Grabungen in Gablingen (Kreis Augsburg) ans Tageslicht brachten: Mauern, eine betonierte Grube, ein Erdschacht, Fundamente und Fragmente von Gebäuden. Doch wovon diese Steine erzählen, das ist ein zentrales Stück der jüngeren deutschen Geschichte, einer so schlimmen historischen Epoche, dass an sie weiter erinnert werden muss – schon um Wiederholung zu verhindern.

Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten

Von Anfang 1944 bis zu seiner Zerstörung durch Bombardements im April 1944 bestand auf dem Gelände zwischen der Bahnlinie AugsburgDonauwörth und der Bundesstraße 2 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Zunächst waren 352 Männer hier inhaftiert; nach der Bombardierung des Außenlagers Augsburg-Haunstetten kamen nochmals etwa 600 Männer dazu. Die Häftlinge – Russen, Polen, Franzosen, Österreicher, Holländer, auch Sinti und Roma – mussten Zwangsarbeit leisten. In Zwölfstundenschichten schraubten sie auf dem nahen Gablinger Fliegerhorst oder im Augsburger Messerschmitt-Werk Flugzeugteile zusammen. In dem von der SS bewachten Außenlager lebten die Männer in Holzbaracken, zum Teil mussten sie sich zu dritt eine Pritsche teilen. Die Ernährung war kärglich; sechs Häftlinge wurden hingerichtet, weil sie Lebensmittel gestohlen hatten.

Was soll mit dem Lager geschehen

Das Gablinger Lager war also wie viele vergleichbare Einrichtungen – in Dachau, Kaufering und anderswo – Teil des nationalsozialistischen Terrorregimes. Bekannt ist das seit längerem; der Augsburger Historiker Wolfgang Kucera befragte dazu ehemalige Häftlinge; Schüler aus Gersthofen beschäftigten sich im Rahmen eines Geschichtsprojekts über Zwangsarbeit damit. Jetzt aber wurden auch die materiellen Reste des Lagers freigelegt.

Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf grub sie zusammen mit zwei Studenten der Hochschule Augsburg aus, Reinald Schlosser aus Gablingen dokumentierte akribisch, was da gefunden wurde. Und da ist noch sehr viel vorhanden, so Mahnkopf, aber die Frage ist nun, was damit geschehen soll. Die Gemeinde Gablingen will auf dem Areal einen Gewerbepark errichten, und das heißt bislang, dass die Funde verschwinden und überbaut werden, dass nur eine Informationstafel an das Unrecht erinnern soll, das vor fast 60 Jahren hier geschah.

Die Gemeinde trägt die Verantwortung

„Eine Gedenktafel reicht nicht aus“, findet jedoch Bezirksheimatpfleger Peter Fassl. Wenn noch so viel vorhanden sei von dem authentischen Ort, dann müsse man auch die Steine sprechen lassen. Die materiellen Zeitzeugnisse einfach flachzulegen, das sei völlig indiskutabel.

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Die Gemeinde habe eine Verantwortung dafür, dass der Ort selbst an die NS-Geschichte erinnern könne. Fassl geht da einig mit vielen Historiker-Kollegen und Bürgern, die die „Topografie des Terrors“ als Zeichen der Mahnung dingfest machen wollen.

Bürgermeister Karl Hörmann mag sich noch nicht festlegen

Ob der Bezirksheimatpfleger mit seinem Appell durchdringen wird, ist freilich noch ungewiss. Zwar hofft auch Gisela Mahnkopf darauf, dass man in Gablingen ein Alternativ-Areal für den Gewerbepark suchen wird. Aber der Gablinger Bürgermeister Karl Hörmann mag sich noch nicht festlegen. Immerhin hat er für die kommende Woche zu einem „Runden Tisch“ eingeladen, wo er die Argumente von Fassl, Mahnkopf, Schlosser und dem Chef-Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege, Sebastian Sommer, anhören will.

Wenn sich Hörmann und seine Gemeinderäte dem Votum von Fassl anschließen, dann kann aus dem Gablinger Lagerareal im besten Fall ein historisches Unterrichtsfeld werden, wie es auf vorbildliche Weise in Horgau westlich von Augsburg entstanden ist. Auch da gab es ein Außenlager des KZ Dachau, die sogenannte und mit dem Tarnnamen „Blechschmiede“ belegte „Waldfabrik“, wo Häftlinge für die Rüstungsindustrie der Nazis Flugzeugteile bauen mussten.

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