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Schulabschluss

13.07.2020

Badesee statt Ballermann: So feiern Schüler heuer ihren Abschluss

Ein Foto aus vergangenen Jahren von einer Abschlussfahrt nach Bulgarien. Dieses Jahr fallen viele Reisen von Schülern zur Feier des Schulabschlusses wegen Corona aus.
Bild: Alltours Flugreisen/Picture Alliance (Symbolbild)

Plus Eine große Party zum Schulabschluss? Im Corona-Sommer kaum möglich. Schülersprecher bedauern das. Wie sie ihren Abschluss trotzdem feiern möchten.

Emina Maksumic hatte sich schon auf die Gesichter der jüngeren Schüler gefreut. Die der Schüler der fünften, sechsten und siebten Klassen. Dieses Jahr einen Abschlussstreich zu machen, wäre eine Premiere gewesen. „Seitdem ich an unserer Schule bin, hat es keinen Streich gegeben“, sagt Maksumic. Sie ist Schülerin der 10h der Johann-Winklhofer-Realschule in Landsberg, 17 Jahre alt und macht dieses Schuljahr ihren Abschluss. „Luftballons“, sagt Maksumic, „wären bei dem Streich auf jeden Fall zum Einsatz gekommen.“

Wegen Corona fallen Abschlussbälle und -fahrten für Schüler aus

Wie Emina Maksumic geht es vielen Schülern von Abschlussklassen in der Region. Der Corona-Sommer ist für viele Jugendliche und junge Erwachsene ein Sommer der geplatzten Träume. Abschlussfahrten? Fallen aus. Statt ans Mittelmeer geht es ein paar Nachmittage an den See in der Nähe. Abschluss-Partys? Abgesagt. Vereinzelung statt Gesellschaft. Den Schulleiter beim Abschlussstreich fesseln? Nicht möglich.

Emina Maksumic ist Schülersprecherin der Johann-Winklhofer-Realschule in Landsberg.
Bild: Emina Maksumic

Der Abschlussball ist ein Highlight der Schulzeit und das letzte Treffen, bevor alle auseinandergehen. Er bleibt in Erinnerung. Sich schick anziehen, mit Lehrern anstoßen, kuriose Schulgeschichten Revue passieren lassen, den Prüfungsstress wegtanzen. Manchen Schülern ist dieser Tag so wichtig, dass sie mit der Limousine kommen und in dem Wagen die Mini-Bar plündern. Um 2 Uhr morgens sind sie trotzdem noch in der Lage, die Band zur dritten Zugabe zu animieren.

Mini-Abschluss-Party am Lech - natürlich nach den geltenden Regeln

Verständlich, dass die Landsbergerin Emina Maksumic sagt: „Wir sind genervt von Corona. Wir hatten uns auf die Abschlussfeier gefreut.“ Viele ihrer Mitschüler haben sich schon Kleider gekauft. Doch Emina Maksumic verfällt nicht in Trauer, sie denkt nach vorn: „Vielleicht gehen wir nach den Prüfungen runter an den Lech und machen ohne unsere Eltern eine kleine Feier.“ Je nachdem, was bis dahin möglich ist. „Wir wollen uns aber an die Regeln halten.“

Im Herbst fängt Emina Maksumic, die Schülersprecherin ist, eine Ausbildung zur Kauffrau im Dialogmarketing in Kaufering an. Im Gegensatz zu gegenwärtigen Plänen macht Corona zumindest nicht ihre zukünftigen zunichte. Während ihres ersten Ausbildungsjahres könnte ein Highlight anstehen: die ausgefallene Abschlussfeier nachholen. „Vielleicht feiern wir nächstes Jahr mit den zehnten Klassen mit“, sagt Maksumic.

Bereits gekaufte Ballkleider bleiben bei den Abiturienten in Neuburg im Schrank

Auch Schülerinnen des Descartes-Gymnasiums in Neuburg an der Donau sind schon mit Ballkleidern ausgestattet. Kleider, die wohl erst mal im Schrank bleiben. Ob der Abiball im Herbst nachgeholt wird, bezweifelt Veronika Gepperth, 18 Jahre alt. „Einige haben dann auch keine Lust mehr“, sagt sie. Die Neuburgerin macht diesen Sommer wie gut 50 weitere Schüler ihrer Stufe Abitur. Zumindest zur Zeugnisausgabe am 17. Juli im Pausenhof könnten sich alle gut anziehen.

Veronika Gepperth ist Schülersprecherin des Descartes-Gymnasiums in Neuburg.
Bild: Veronika Gepperth

Die Stimmung bei den Abschlussschülern sei aufgrund der Corona-Situation gemäßigt. „Uns kommt es darauf an, noch mal etwas zu machen“, sagt Gepperth, die nach ihrem Abitur vorhat, in Regensburg oder Erlangen Zahnmedizin zu studieren. Eigentlich wäre sie mit ein paar Mitschülerinnen nach dem Schuljahr nach Mallorca geflogen. Statt auf die Baleareninsel geht es in die südfranzösische Partnerstadt Neuburgs, nach Sète. Ein paar Schüler besuchen ihre Austauschschüler am Mittelmeer.

Einen Vorteil hat dieser Sommer dann doch: Während Veronika Gepperth ihre Abiturprüfungen in Deutsch, Mathe, Französisch, Geschichte und Kunst hinter sich bringt, ist das Wetter schlecht. Nach den Prüfungen scheint die Sonne und die Schüler strömen an den Weiher. Dort reden sie auch nicht mehr so viel über Corona, wie Gepperth sagt. „Die meisten haben genug davon.“

Café statt Diskothek: Neu-Ulmer-Realschüler wollen Abschlussfeier klein halten

Eine große Party fällt dieses Jahr coronabedingt auch für die Schüler der Christoph-Probst-Realschule in Neu-Ulm aus. Eigentlich hätten Carla Böhnke, 17, und ihre Mitschüler eine Diskothek gemietet. In Neu-Ulm ist es Tradition, nach der Zeugnisvergabe eine „After-Show-Party“ für alle Abschlussschüler und ein paar Lehrer zu organisieren. Ursprünglich war der Tanzklub La Movida in Neu-Ulm im Gespräch. Das ist nun kaum mehr möglich. „Vielleicht mieten wir dieses Jahr etwas anderes und gehen mit nur einem Teil der Klasse in ein Café.“

Carla Böhnke ist Schülersprecherin der Christoph-Probst-Realschule in Neu-Ulm.
Bild: Carla Böhnke

Wie fühlen sich die Neu-Ulmer Schüler damit, dass dieses Jahr nicht mehr möglich ist? „Ich finde es schade, aber niemand kann etwas dafür“, sagt Böhnke. „Ich hatte mich schon zwei Jahre lang auf die Party gefreut.“ Manche ihrer Mitschüler sehen es wie die Schülersprecherin, andere regen sich auf. „Das ist aber nicht sinnvoll“, sagt Böhnke. „Wir können es eh nicht ändern.“ Nach dem Realschulabschluss möchte Carla Böhnke auf der FOS-BOS in Neu-Ulm ihr Fachabitur machen.

Corona hin oder her, für die Zehntklässler der Christoph-Probst-Realschule in Neu-Ulm wird der letzte Schultag auch ohne große Party in der Disco ein besonderer Tag. Freiheit bleibt Freiheit. Außerdem war Schülersprecherin Carla Böhnke schon dreimal auf dem Abschlussball ihrer Schule. Sie begleitete ihre Schwester und Freunde.

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