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Tirol

13.05.2019

Bau von Fernpass-Tunnel beginnt wohl 2021 - doch es gibt Kritik

Ein gewohntes Bild: Auto an Auto reiht sich auf der Fernpass-Bundesstraße. Bis zu 30.000 Fahrzeuge sind es pro Tag.
Bild: Martina Diemand

Der Tiroler Landtag könnte schon bald den Startschuss für das 100-Millionen-Euro-Projekt geben. Reuttes Bürgermeister ist von dem Vorhaben wenig begeistert.

Verkehrsexperten bezeichnen ihn längst als Nadelöhr zwischen den Alpen und Italien. Und das ist kein Wunder bei den bis zu 30.000 Fahrzeugen, die sich pro Tag den Fernpass auf 1216 Metern Höhe hinaufschlängeln. Lange Staus und Blockabfertigungen an den Tunneln in Füssen und Lermoos sind die häufige Folge. Kaum jemand, der auf dem Weg in den Urlaub dort nicht schon mal mit seinem Auto in einer dieser Blechkolonnen stand. Geht es jetzt aber nach Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), dann soll das schon bald der Vergangenheit angehören. Der frisch im Amt bestätigte Politiker ist seit Jahren einer der größten Verfechter eines Tunnelbaus am Fernpass.

War das Projekt früher schon häufig debattiert, dann aber wieder aufgeschoben worden, könnte es jetzt schon bald in die Tat umgesetzt werden: Bei einem Empfang der Wirtschaftskammer Reutte kündigte Platter nach Informationen des ORF nun einen Baubeginn für das Jahr 2021 an. Vorher muss das 100 Millionen Euro teure Vorhaben aber erst die Zustimmung des Tiroler Landtags finden. Zwar hat die Regierung aus ÖVP und Grünen sich im Koalitionsvertrag schon auf einen Bau festgelegt, doch es scheitert bislang noch an Details.

So favorisieren die Konservativen eine Mautlösung, mit der sich die Baukosten für einen Straßentunnel refinanzieren ließen. Die Grünen hingegen setzen auf die Schiene. „Dass ich lieber den Eisenbahntunnel will, daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht“, sagte Platters Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) der Tiroler Tageszeitung. Ihr ist dabei bewusst, dass die Bauzeit dafür länger sei und er mehr kosten könnte. „Aber den Kosten muss man den Nutzen gegenüberstellen“, sagte Felipe.

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Kompromiss: Ein Auto- und ein zusätzlicher Eisenbahntunnel?

Jetzt könnte sich ein Kompromiss zwischen den Regierungspartnern abzeichnen: Landeshauptmann Platter will demnach künftig auch für einen Eisenbahntunnel kämpfen, aber erst wenn die 1400 Meter lange Röhre für Autos fertig ist. „Die große Linie muss ein Bahntunnel sein. Wir müssen auf die nächsten Generationen schauen“, sagt er. Das Konzept seiner ÖVP sieht neben dem Autotunnel am Fernpass auch eine weitere, zweite Röhre am Tschirgant zwischen Nassereith und Haiming vor (siehe Grafik).

Die Verantwortung dafür liegt aber bei der Bundesregierung in Wien – und dort sind die Pläne bei weitem noch nicht so weit wie in Sachen Fernpass. Obwohl beide Projekte sich ergänzen sollen. „Mit dem Bau des Fernpass-Scheitel- sowie des Tschirgant-Tunnels kann bei einer Fahrt von Reutte nach Innsbruck ein Fahrzeitgewinn von 13 Minuten erreicht werden“, rechnete Platter im ORF vor.

Unterstützung für die Pläne aus Füssen

Doch was hält man eigentlich auf deutscher Seite von den Plänen der Landesregierung? „Ich befürworte den Tunnel und unterstütze unsere Freunde in Tirol bei diesem Projekt“, sagt Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Denn gerade bei Blockabfertigungen staue sich der Verkehr auf Füssener Seite sehr weit zurück und belaste Mensch und Umwelt. Dass sich das Problem aber gerade durch einen weiteren Tunnel auf der Fernpass-Route beseitigen lässt, bezweifelt Luis Oberer, Bürgermeister von Reutte. „Er löst unser Verkehrsproblem keineswegs, sondern bringt mehr Verkehr, weitere Blockabfertigungen und zusätzliche Staus“, sagt der Außerferner Politiker. Oberer kritisiert auch die geringe Zeitersparnis, die für den Fernpass-Tunnel mit nur drei bis fünf Minuten angegeben wird. „Der Verkehr, der auf beiden Seiten über Autobahnen auf uns zukommt, muss sich der Kapazität der Fernpass-Straße anpassen und nicht umgekehrt“, fordert er.

Luis Oberer ist einer von nur zwei Politikern des Bezirks Reutte, die sich gegen den Tunnel stellen. „Wir wollen eine Neufassung des Lkw-Fahrverbotes, täglich unangemeldete Kontrollen des Lkw-Verkehrs und ein vollautomatisches Dosiersystem in Zusammenarbeit mit den bayerischen Behörden“, sagt er. Eine Reduzierung des Verkehrs ist aus seiner Sicht die einzige Möglichkeit, dem Problem Herr zu werden. Dass die Stimme von Luis Oberer aber in Innsbruck gehört wird, darf man bezweifeln. Die Feuerwehr in Nassereith zum Beispiel glaubt offensichtlich nicht daran. Sie hat bereits ein Tunnelfahrzeug mit Berge-Ausrüstung bestellt.

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