Newsticker
Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit mehr als drei Wochen wieder leicht gesunken
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Bauernverband in Bayern: Landwirtschaft: Jeder Liter Milch ist eine Herausforderung

Bauernverband in Bayern
15.06.2014

Landwirtschaft: Jeder Liter Milch ist eine Herausforderung

Jeden Tag versorgt Landwirt Friedrich Hubel seine Rinder. An diesem Wochenende öffnet er seine Ställe für Besucher.
Foto: Sascha Geldermann

Aktionswochenende des Bauernverbandes in Bayern: Insgesamt nehmen 40 bayrische Bauernhöfe teil und gewähren an diesem Wochenende Einblicke in ihre schwierige Arbeit.

Kleine Gäste vom Kindergarten sind immer fassungslos, wenn Landwirt Friedrich Hubel sie auf seinen Hof einlädt und von seiner Arbeit erzählt. Sie fragen ganz erstaunt: „Müssen Sie wirklich auch an Weihnachten arbeiten?“ Hubel muss. Genauso wie an allen anderen Tagen im Jahr. Von morgens bis abends kümmert er sich um seine Ackerflächen und um seine Rinder. „Das ist ein hartes Brot“, sagt er. An diesem Wochenende der Landwirtschaft öffnet er nun wie viele andere Betriebe in Bayern seinen Hof in Alerheim bei Nördlingen für die Öffentlichkeit – damit alle Verbraucher sehen können, woher ihre Lebensmittel kommen.

Friedrich Hubel: Viel Geld verdient er nicht, aber er liebt die Natur

Hubel hat noch nie daran gedacht, seinen Beruf zu wechseln. „Außer vielleicht am Monatsende, wenn mir niemand ein Gehalt auf mein Konto überweist“, scherzt er. Nein, viel Geld verdiene er mit der Arbeit nicht. Aber er liebe es, in der Natur zu sein. „Und am Ende des Tages sieht man, was man mit seinen eigenen Händen geschaffen hat“, sagt der Landwirt.

Vor etwa 15 Jahren hat Friedrich Hubel den Hof zusammen mit seiner Frau Karin von seinen Eltern übernommen. Damals haben sie die Ställe ein Stück vom Ort entfernt ausgesiedelt und so mehr Platz für Rinder geschaffen. 150 Mastbullen und rund 100 Kälber stehen hier. Die Familie mit vier Söhnen lebt aber vor allem von ihren 70 Milchkühen.

Doch das Geschäft werde immer schwieriger. Zwar liege der Milchpreis stabil bei 40 Cent pro Liter. „Doch während der unverändert bleibt, explodieren die Kosten für die Produktion“, sagt Hubel. Schließlich muss die Familie Pacht, Treibstoff oder Strom bezahlen.

Hubel: "Der Familienbetrieb kommt an seine Grenzen."

Um die Mehrkosten aufzufangen, hat Hubel nach und nach die Produktion gesteigert. „Doch jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir als Familienbetrieb an unsere Grenzen stoßen“, sagt er. An diesem Wochenende der Landwirtschaft möchte er den Menschen zeigen, wie schwierig der Weg zur Milch ist.

Hubel läuft durch seinen Stall und zeigt auf die Rinder links und rechts. Sie alle haben in diesem Laufstall Platz, sich zu bewegen. „Massentierhaltung stellen sich viele Menschen anders vor“, sagt der Landwirt. Am Sonntag wolle er Vorurteile abbauen und für Verständnis werben.

Das gilt auch für den Ackerbau. „Manchmal beschweren sich die Leute über den Lärm und den Gestank, wenn ich abends noch mit dem Häcksler auf dem Feld bin.“ Doch wenn das Wetter gut ist, müsse er jeden Augenblick nutzen. Er erinnert sich noch schmerzhaft daran, wie er 2011 viel Ernte durch Hagel und ein Jahr später durch Hochwasser verloren hat.

Stevia macht der Zuckerrübe Konkurrenz

Auf ihren fast 90 Hektar Grünland und Acker baut die Familie fast ausschließlich das Futter für die eigenen Rinder an. Nur Zuckerrüben verkauft die Familie auch. „Aber nicht für Kraftstoff“, sagt Hubel mit Nachdruck. Daraus werde wirklich Zucker gemacht.

Aber auch hier gibt es Probleme – und die kommen aus Südamerika. „Der Ersatzstoff Stevia zieht die Preise merklich nach unten“, sagt Hubel. Es müsse sich in einigen Jahren zeigen, welche Zukunft Zuckerrüben auf seinen Feldern haben.

Der Landwirt steht an diesem Sonntag bereit, über all diese Schwierigkeiten zu diskutieren. „Ich würde mich darüber freuen, wenn die Menschen danach bewusster einkaufen und nicht immer zur billigsten Milch greifen“, sagt er.

40 Betriebe in Bayern nehmen am Aktionswochenende teil

Doch am Wochenende der Landwirtschaft geht es auch darum, die Schönheit der Landwirtschaft zu erfahren. Kinder können unbeschwerte Momente auf der Strohhüpfburg oder im Streichelzoo erleben. Außerdem dürfen die Kleinen auch eine Holzkuh melken – wie in früheren Zeiten mit der Hand.

Der Hof der Familie Hubel ist nur einer von über 40 Betrieben in Bayern, die bei dem Aktionswochenende des Bauernverbands mitmachen. Auch viele andere Landwirte führen durch Ställe und über Äcker. Oder sie laden zu Hoffesten und Fahrradtouren ein – um die ganze Vielfalt der Landwirtschaft vor Ort erlebbar zu machen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.